Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Vater-Sohn-Roman „Jugo“: Mehr als nur ein Buchstabe

Ilija Matuskos autofiktionaler Debütroman „Jugo“ ist ein ein berührendes Vater-Sohn-Porträt.

Ilja Matusko
© © Heike Steinweg
Ilja Matusko
Karin Waldner-Petutschnig

Der Vater war einer jener „Gastarbeiter“, die in den 1970er-Jahren vom Balkan nach Deutschland kamen, um hier Geld zu verdienen, das dann irgendwann in ein eigenes Haus am Meer fließen sollte. Dreißig Jahre später bricht er wieder auf und kehrt zurück in das mittlerweile zerfallene Jugoslawien, um eine kleine Fremdenpension nahe Dubrovnik zu betreiben. Und neuerlich ist er fremd.

Auch der in Deutschland geborene Sohn fühlt sich fremd, wird immer wieder als „Jugo“ bezeichnet, obwohl sein Vater die slawische Wurzel aus seinem Namen, den „Hatschek“ (das Häkchen über dem Š) entfernt hat. „‚Wolltest du damals das Ausländische verstecken?‘, frage ich dich. ‚Nein, ich habe den Haken einfach weggelassen.‘ ‚Hat dich das nicht gestört?‘ ‚Es ist ja nur ein Buchstabe‘, antwortest du in deiner pragmatischen, deutschen Art.“

Urlaub beim Vater

Der Sohn und Ich-Erzähler lebt als Schriftsteller in Berlin, macht einmal im Jahr Urlaub bei seinem Vater am Meer und versucht, die Entfremdung zwischen ihnen beiden zu lösen: „Dabei weiß ich, dass es, selbst wenn ich dich jedes Jahr besuche und wir wochenlang zusammen sind, nichts gibt, das die Distanz zwischen uns wirklich überwinden könnte.“

Ilija Matusko. Jugo. Suhrkamp. 192 Seiten, 24,70 Euro
Ilija Matusko. Jugo. Suhrkamp. 192 Seiten, 24,70 Euro

Ilija Matuskos autofiktionaler Debütroman „Jugo“ ist ein zartes und zärtliches Buch, ein berührendes Vater-Sohn-Porträt, in dem mehr geschwiegen und gestritten als geredet wird, ein Nachdenken über Ankunft und Rückkehr und kaum eingestandene enttäuschte Hoffnungen. Konsequent spricht der Autor darin seinen Vater in Du-Form an, schreibt einen Brief voller Erinnerungen und Fragen, Liebe und auch Trauer: „Im verlorenen Haken verdichtet sich all das, was mir abhandegekommen ist, was sich nicht mehr einfangen lässt - selbst wenn ich in alle Ausweise nachträglich Š reinkritzeln würde.“

Doch die Vatersuche zeigt am Ende der feinsinnigen Erzählung Wirkung und klingt mit einem Augenzwinkern aus: „Wenn wir uns heute verabschieden, dann umarme ich dich. ... Anfangs wirkte es, als müssten wir beide auf reife Tomaten in unseren Brusttaschen Acht geben, mittlerweile sind wir darin geübter.“