Arbeitskraft im Zeitalter von KI
Im Zentrum der hochkarätigen Podiumsdiskussion „Kleine Zeitung Business Stage meets EY Leaders Forum“ stand diesmal die zukunftsweisende Frage, wie Unternehmen die Zusammenarbeit von Mensch und KI erfolgreich gestalten können.

Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich in Unternehmen zunehmend von einem Werkzeug zu einem Teammitglied: Sie analysiert, automatisiert, bereitet Entscheidungen vor und übernimmt auch Aufgaben, die bisher von Menschen gemacht wurden. „Die Frage, wie Mensch und KI ideal zusammenarbeiten können, ist gerade für den Industriestandort Steiermark sehr wichtig“, betonte Rosemarie König, EY-Standortleiterin Steiermark, in ihrer Begrüßung. Diskutiert wurde diese Frage im Skyroom des Styria Media Centers von: Susanne Zach (Leiterin AI & Data, EY), Christian Grabner (CFO Knapp AG), Yorck Schmidt (CFO AVL List), Andreas Schumacher (CIO VTU Group) sowie Andreas Windisch (Head of Research Group, Joanneum Research).
Wie viel von der heute noch in Organigrammen unsichtbaren Arbeitskraft KI spüren Sie schon in Ihrem Unternehmen?
Christian Grabner: Tausende Knapp-Mitarbeitende haben heute schon einen Co-Piloten an ihrer Seite. Nach der Anfangsphase, in der wir viele Erfahrungen gesammelt und uns weiterentwickelt haben, merkt man jetzt schon, dass mit der Reifung der Anwendungen der Mehrwert spürbar steigt.
Yorck Schmidt: Wir bei AVL haben Entwicklungsabteilungen bzw. Expert:innen, die schon sehr lange mit KI oder KI-ähnlichen Systemen arbeiten. Seit ein paar Jahren wird KI im Unternehmen deutlich umfangreicher genutzt – u. a. für schnellere Problemlösungen, strukturierte Analysen sowie zur Unterstützung unserer Innovationskraft.

Der Einsatz von KI in Unternehmen ist ein essenzieller Faktor zum Erhalt ihrer Wettbewerbsfähigkeit.
— Christian Grabner, CFO, Knapp AG
Herr Windisch, was ist aus Ihrer Sicht als Wissenschaftler gefährlicher für Unternehmen: KI zu langsam, oder KI zu schnell zu implementieren?
Stellen Sie sich die KI-Anwendungen als einen Zoo vor, in dem in den Gehegen unterschiedlichste Modelle, darauf warten, von uns verwendet zu werden. Da gibt es sehr einfache, aber auch mächtige Modelle, die auch komplexe Fragestellungen lösen können. Auf der anderen Seite haben wir Komplexität unserer Unternehmen. Die größte Herausforderung ist aus meiner Sicht, aus diesem KI-Zoo genau das richtige Modell herauszufiltern.

Europa muss rasch eigenständige KI-Systeme entwickeln. Unsere Abhängigkeit von Übersee ist viel zu groß.
— Andreas Windisch, Head of Research, Joanneum Research
Frau Zach, wie gut sind Österreichs Unternehmen nun dabei, das richtige KI-Modell für sich zu finden?
Für Unternehmen ist der Weg zu einem funktionierenden Geschäftsmodell mit integrierter KI kein leichter, das sehen wir in unserer täglichen Arbeit. Eine KI-Transformation muss man nämlich als eine grundlegende Geschäftstransformation sehen – und nicht als eine IT-Lösung.

Um KI erfolgreich in ein Unternehmen implementieren zu können, braucht es einen umfassenden strategischen Ansatz.
— Susanne Zach, Partnerin und Leiterin AI & Data, EY Österreich
Herr Schumacher, Sie sind Mitautor des österreichischen AI Workforce Reports 2026. Was verrät uns dieser?
Dass es die reale KI Workforce in Österreich schon gibt. Und dass wir in Europa auf Platz drei bei der KI-Qualität, aber nur auf Platz 19 bei der Breite liegen. Was wir auch erkannt haben: Österreich ist kein Land, das KI-Expert:innen anzieht. Dazu fehlen uns leider starke KI-Cluster.

97 Prozent der im AI Workforce Report untersuchten heimischen Unternehmen haben keine KI-Arbeitskräfte.
— Andreas Schumacher, Chief Innovation Officer, VTU Group
Wie viel Regulierung braucht KI – Stichwort EU-KI-Act?
Andreas Windisch: Die europäische KI-Verordnung reguliert mit dem Ansatz, dass sie die Rechte der Bürger:innen ins Zentrum stellt, die von KI nicht verletzt werden dürfen. Der Anspruch ist gut – aber was das hinsichtlich bürokratischem Aufwand bedeutet, werden wir noch sehen.

Bei sicherheitsrelevanten Prozessen hat bei AVL der Mensch die abschließende Verantwortung.
— Yorck Schmidt, CFO und Vorstandsmitglied AVL List GmbH
Wie wird KI in fünf bis zehn Jahren in Ihrem Unternehmen spürbar sein?
Andreas Schumacher: Viele Jobprofile werden sich massiv verändert haben – das gilt auch für meinen Job.
Yorck Schmidt: Die AVL-Ingenieure und Naturwissenschaftler werden sich auf das konzentrieren können, was ihnen am meisten Spaß macht: Neues zu schaffen!
Susanne Zach: Die Jobwelt wird sich wohl stark verändern und mit ihr etliche Berufsbilder.
Christian Grabner: Ich erwarte, dass wir mit KI unseren Output und unsere Wettbewerbsfähigkeit massiv erhöhen können.
Andreas Windisch: Berufe werden sich dahingehend verändern, dass gewisse Tätigkeiten im Berufsbild von KI gemacht werden.

Wie entstehen die Seniors von morgen?
Patrick Ratheiser, Head of AI, EY Österreich, hat in seiner Keynote vor Beginn der Diskussion auf ein latentes Problem beim Einsatz von KI in Unternehmen aufmerksam gemacht: „Auf der untersten Sprosse der unternehmerischen Karriereleiter stehen Juniors, die für die Seniors recherchieren, vorbereiten, analysieren etc. und dabei Erfahrungen für höhere Aufgaben sammeln. Genau diese ersten Tätigkeiten des Berufslebens werden nun in Richtung KI verschoben.“ Mit dem Effekt, dass man den Juniors die für sie essenziellen Lernschleifen wegnehme.
Ratheiser: „Damit aus einem Junior ein ausgezeichneter Senior werden kann, braucht er selbstständiges Denken, Ausprobieren etc. und all die Erfahrungen, die damit verbunden sind.“ Genau jene Erfahrungen seien nämlich auch die Basis für die Fähigkeit, die Qualität von KI-Ergebnissen beurteilen zu können. Ohne sie drohe einem Unternehmen ein Kompetenzverlust.
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