Was mit den Gironcoli-Modellen in St. Pölten passiert
Am 27. September wäre Bruno Gironcoli 90 Jahre alt geworden. 19 Skulpturenmodelle haben eine neue Heimat im Depot der Landessammlungen Niederösterreich gefunden.
Mit seinen surreal anmutenden Bildwelten fasziniert Bruno Gironcoli bis heute. Die Fragen nach Körper, Macht, Begehren und gesellschaftlicher Ordnung, die der 2010 verstorbene Villacher in seinen Arbeiten verhandelt, sind weiterhin aktuell. Am 27. September wäre der Künstler 90 Jahre alt geworden. Einen Tag zuvor wird im Wiener Strabag-Haus ein „Fest für Bruno Gironcoli“ gefeiert. Im dortigen „Gironcoli-Kristall“ sind neun monumentale Polyesterskulpturen als Dauerleihgaben zu sehen, außerdem stehen drei zur Strabag Art Collection gehörende Abgüsse auf der Plaza vor dem Haus.
Schwierige Herbergssuche
Einen dauerhaften musealen Rahmen für die zumeist monumentalen Skulpturen des Künstlers zu finden, war jedoch lange eine Herausforderung. Museumspläne in Kärnten scheiterten und auch aus Schloss Herberstein, wo ab 2004 zahlreiche Arbeiten gezeigt wurden, musste die Sammlung nach knapp zwei Jahrzehnten wieder ausziehen. Rund zwei Jahre war Witwe Christine Gironcoli auf Herbergssuche, Anfang 2025 machte sie dann eine Schenkung an die Landessammlungen Niederösterreich. 19 Skulpturenmodelle gingen nach St. Pölten, für fünf dieser Modelle wurden Abgussrechte eingeräumt. Man sei Christine Gironcoli „unglaublich dankbar, dass sie das Erbe ihres Mannes vertrauensvoll in unsere Hände legt“, sagte Landeshauptfrau Mikl-Leitner damals.

Mit dieser Schenkung werden die „bereits vorhandenen Bestände von Bruno Gironcoli, darunter Skulpturen, Zeichnungen und Druckgrafiken, um wesentliche Positionen ergänzt“, betont Hermann Dikowitsch, Leiter der Kulturabteilung des Landes Niederösterreich: „Einzelne Werke Gironcolis sind bereits im öffentlichen Raum aufgestellt, etwa vor dem Universitätsklinikum St. Pölten.“
Modelle im Depot
Seit ihrer Übernahme durch das Land Niederösterreich sind die Modelle in den Depots der Landessammlungen untergebracht, wo sie „konservatorisch betreut“ werden. Zwei der monumentalen Arbeiten aus der Schenkung sollen im März 2027 in der Landesgalerie Niederösterreich präsentiert werden, wo dann mit einem wissenschaftlichen Symposium auch „ein wichtiger Impuls für die weitere interdisziplinäre Forschung zum Werk Bruno Gironcolis gesetzt werden“ soll, so Dikowitsch. Für Abgüsse einzelner Werke gebe es derzeit allerdings keine konkreten Pläne.
Wer in Kärnten Arbeiten des Künstlers sehen möchte, hat dafür im Klagenfurter Burghof, vor dem Amt der Kärntner Landesregierung, dem Congress Center Villach oder im Schloss Ebenau (Galerie Walker) die Gelegenheit.
Zur Person
Bruno Gironcoli, geboren 27. 9. 1936 in Villach, gestorben 19. 2. 2010 in Wien. Absolvierte eine Goldschmiedelehre, danach Studium an der „Angewandten“ in Wien. 1967 erste Einzelausstellung in der Galerie Hildebrand in Klagenfurt.
Leitete von 1977 bis 2004 als Nachfolger von Fritz Wotruba die Bildhauerklasse an der Wiener Kunstakademie. 1993 Österreichischer Staatspreis für Bildende Kunst. War 2003 Österreichs Vertreter bei der Biennale in Venedig.
Fest für Bruno Gironcoli. 26. Sept., 19 Uhr, Gironcoli-Kristall (Strabag-Haus, Wien)