Ein Stück des Weges mit dem Literaturnobelpreisträger
Seit über 50 Jahren sind sie befreundet: Nun hat Valentin Hauser seine Erinnerungen an Erlebnisse mit Literaturnobelpreisträger Peter Handke aufgeschrieben.

In seinem Bücherregal stehen mittlerweile rund 90 Bücher von Peter Handke – viele davon tragen eine persönliche Widmung. „Für Valentin Hauser, den großen Fahrer und Freund“, „Für Valentin Hauser, den Treuen“ oder, kurz und knapp, „Für die Hauserischen“. Seit über fünfzig Jahren verbindet den Literaturnobelpreisträger mit dem ehemaligen Gemeindebeamten und Griffner Buam eine außergewöhnliche Freundschaft, die nun selbst zu Literatur geworden ist: Am 2. Oktober präsentiert Hauser seine Erlebnisse und Erinnerungen unter dem Titel „Ein Stück des Weges mit meinem Freund Peter Handke“. Denn wenn der bei Paris lebende Autor in Kärnten zu Gast ist, dann oft bei Valentin Hauser: „Wir verbringen viel Zeit miteinander, treffen Freunde, sind in der Natur unterwegs oder machen Ausflugsfahrten.“
Über 900 Seiten an Notizen
Diese Begegnungen abseits der Öffentlichkeit hat Hauser seit Ende der 1990er-Jahre festgehalten, über 900 Seiten an Notizen sind so entstanden, außerdem zahlreiche private Fotos. Als Hauser bei einem Telefonat im November 2024 Peter Handke sein Vorhaben anvertraute, ein Buch zu schreiben, habe dieser gelassen reagiert: „Ja, warum nicht? Es kommt darauf an, was du schreiben möchtest. Wirst du auch über meine Frauengeschichten schreiben?“ Hauser versicherte ihm lachend, dass es um die persönlichen Begegnungen und Gespräche gehen werde – und hielt Wort.
Geworden ist es ein einfühlsames Erinnerungsbuch über eine Freundschaft, die sich langsam entwickelte und zunehmend vertiefte. Es war im Jahr 1972, als Hauser erstmals ein paar Worte mit Handke wechselte, der mit seiner damaligen Frau Libgart Schwarz und der dreijährigen Tochter einen Dämmerschoppen besuchte und sich von den Griffner Buam einen Wiener Walzer wünschte: „Diesem Wunsch kamen wir später am Abend, so gut wir konnten, nach.“ Ab Anfang der 1980er-Jahre war Handke wieder öfter in Griffen zu Gast, gemeinsam wurde Tischfußball gespielt, Wein getrunken, irgendwann kam das „Du“ und ein immer vertrauterer Umgang – was wohl auch daran liegt, dass Handke sich immer sehr für das Geschehen in Griffen interessierte.

So lässt er sich seit über vierzig Jahren die Gemeindezeitung nach Paris schicken, die der heute 83-Jährige „nicht nur liest, sondern studiert“, erzählt Hauser, der dem Fußballfan auch immer wieder die Ergebnisse der Griffener Fußballmannschaft „telefonisch, per Fax oder in einem Brief“ übermittelt. Mehrfach haben sie auch gemeinsam Spiele besucht, für den Schlager Griffen gegen Völkermarkt hat Handke einst sogar den Besuch des Akademietheaters, wo gerade die Erstaufführung seines Stücks „Spuren der Verirrten“ gespielt wurde, sausen lassen.
Und immer wieder im Mittelpunkt der Erinnerungen: das gemeinsame Kochen, Essen und natürlich das Schwammerlsuchen. Manchmal brachten sie die Pilze in Dorfgasthäuser, wo sie „uns als köstliches Pilzgericht zubereitet und serviert wurden“. Häufig wurde aber auch bei Valentin Hauser zu Hause gekocht, oft für eine größere Runde Freunde.
Privater Blick auf den privaten Peter Handke
Es ist ein privater Blick auf den privaten Peter Handke. Die Debatte rund um dessen pro-serbische Haltung im Jugoslawienkrieg streift Hauser nur ganz am Rande in einem Kapitel über die diversen Auszeichnungen, die der Autor erhalten hat. Kärntens Kulturpolitik wird nur in einem Abschnitt zur Verleihung des Kärntner Kulturpreises an Peter Handke kurz thematisiert. Da habe Leopold Wagner den Preisträger zur Seite genommen: „Dabei mache er deutlich, dass er sich erwarte, Peter möge nun, nach der Verleihung der Auszeichnung, künftig nur noch positiv über Kärnten sprechen. Peter war darüber wenig erfreut, zumal ihm gar nicht bewusst gewesen war, Kärnten in irgendeiner Weise schlechtgeredet zu haben“, schreibt Hauser, der sich auch daran erinnerte, dass Handke bei diesem Anlass überrascht ausrief: „Himmel, ich habe zwei verschiedene Schuhe an.“
Hauser erzählt aber auch von Handkes selbstbesticktem Lieblingshemd, das er vom Dichter geschenkt bekam, von den Gottesdiensten für die Verstorbenen der Familie Handke, bei denen der Literaturnobelpreisträger die Lesung übernimmt oder von einer Hausaufgabe, die seine Enkeltochter Kristina auf Wunsch des Autors nach Paris schickte – und die sorgfältig erledigt wieder in Griffen ankam.
„Zugewandt und aufmerksam“
Er habe Handke immer als „zugewandten, aufmerksamen, humorvollen und zugleich nachdenklichen Menschen erlebt, der stets offen und ehrlich sagt, was er denkt“, schreibt Hauser. Das kann man nun auch über das Buch sagen, das er seinem Freund gewidmet hat. Und das dieser mittlerweile auch schon in Frankreich gelesen hat: „Er hat gleich gefragt: ,Wo hast du das alles nur her?´ Und er findet es sehr schön“, erzählt Hauser: „Ich bin sehr froh darüber. Nach diesem Urteil war der ganze Tag ein Freudentag.“

Buch und Lesung
„Ein Stück des Weges mit meinem Freund Peter Handke“. Von Valentin Hauser. Mohorjeva/Hermagoras, 176 Seiten, 20.50 Euro. Ab 2. Oktober im Buchhandel und beim Autor erhältlich.
Präsentation: 2. Okt., 19.30 Uhr, Kultursaal Griffen