Chinas zurückhaltende First Lady ist ein schillernder Schlagerstar
Peng Liyuan ist als ehemaliger Schlagerstar die schillernde Frau an der Seite von Chinas Staatschef Xi Jinping. Doch mittlerweile spielt die Sopranistin die Rolle der braven Gattin perfekt.

Eigentlich ist Peng Liyuan der Star in dieser Beziehung. Auch wenn sich Chinas First Lady wie beim Staatsbesuch in den USA dezent im Hintergrund hält, ist sie den großen Auftritt gewohnt. Denn früher war die heute 63-Jährige als „Königin der chinesischen Volksmusik“ bekannt, trug opulente Kleider und liebte die großen Bühnen. Und war damit viel bekannter als ihr Mann Xi Jinping, der damals noch stellvertretender Bürgermeister von Xiamen in der Provinz Fujian war. Aber für den Aufstieg ihres Gatten hängte sie ihre Karriere an den Nagel. Seit Xi 2008 zum künftigen Parteichef auserkoren wurde, hat sich Peng weit aus dem Rampenlicht zurückgezogen. Ihren letzten öffentlichen Auftritt soll sie als Primadonna der Peking-Oper bei einem Gastspiel 2008 in der Wiener Staatsoper als Mulan gehabt haben.
Bekannt wurde die in eine Künstlerfamilie hineingeborene Sopranistin jedoch mit Volksliedern und patriotischen Gesängen wie „Mein Vaterland“, „Die Menschen meines Dorfes“ oder „Berg Chomolungma“. Damit sang sie sich nach ihrem Durchbruch auf der Frühlingsfest-Gala des staatlichen Fernsehens 1982 in die Herzen des Publikums – und auch in die der Funktionäre und Generäle der Kommunistischen Partei. Denn selbst eine Gesangskarriere kann man nicht ohne deren Gunst erreichen.

Doch auch für die kommunistische Partei war und ist Peng ein Glücksfall. Sie verlieh dem eher hölzernen Staatschef Xi Jinping den nötigen Glanz, den er für seinen Aufstieg benötigte. Und auch ihre Liebesgeschichte liest sich wie ein Märchen, oder wie aus der Feder der Partei. „Ich fand seine Kleidung altmodisch und einfach, und sein Gesicht sah älter aus als er war.“ So beschrieb die damals 24-jährige Sängerin Peng Liyuan die erste Begegnung mit ihrem späteren Ehemann. Das war 1986. Er hatte angeblich keine Ahnung, wen er vor sich hatte, und mimte den galanten Verehrer. Dennoch soll es Liebe auf den ersten Blick gewesen sein. Ein Jahr darauf heirateten die Sopranistin und der Funktionär. 1992 kam ihre gemeinsame Tochter Xi Mingze zur Welt, über die nur wenig bekannt ist.
Seit ihr Ehemann Xi 2012 zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei gewählt und 2013 schließlich Staatspräsident wurde, beherrscht Peng das Heimchen am Herd und spielt mittlerweile die Rolle der braven Gattin perfekt. In China wird sie aber auch als erste richtige First Lady wahrgenommen. Während die Ehefrauen hochrangiger Politiker in den vergangenen Jahrzehnten dort stets im Hintergrund blieben, brachte die attraktive Sopranistin etwas Esprit an die chinesische Staatsspitze. Als sie vor Jahren mit dunklem Trenchcoat neben ihrem Mann in Moskau ankam, war sie plötzlich der Star in China und kaum jemand interessierte sich für ihren Gatten. Aber wenige Stunden später schlug die Zensur zu und löschte die millionenfach von ihr in sozialen Netzwerken geteilten Bilder. Denn der Star ist in China immer noch die Partei.