Einsatzorganisationen aus Ost- und Südtirol übten am Obersee
Rund 180 Einsatzkräfte und Mitwirkende probten im Rahmen einer Bezirksübung des Roten Kreuzes Osttirol die Rettung von Menschen nach einem Unwetter.

Menschen im Wasser, Verletzte am Ufer und zwei Vermisste: Die Bezirksübung der Sondereinsatzgruppe (SEG) des Roten Kreuzes Osttirol verlangte den Beteiligten einiges ab. Unter dem Titel „Unwetter am Obersee“ hatte das Bezirksrettungskommando ein Szenario vorbereitet, bei dem mehrere Notlagen gleichzeitig zu bewältigen waren. An der Übung beteiligten sich die Feuerwehr St. Jakob in Defereggen, das Weiße Kreuz Bruneck sowie die Wasserrettungen Osttirol und Bruneck. Das Kriseninterventionsteam Osttirol und die Notfallseelsorge des Weißen Kreuzes Bruneck übten gemeinsam die Betreuung psychisch belasteter Betroffener. Zudem beteiligten sich zahlreiche Notärztinnen und Notärzte aus Ost- und Südtirol.
Das Übungsszenario begann mit einer Teambuilding-Veranstaltung am Obersee: Ein plötzlicher Wetterumschwung mit Starkregen, Hagel und kräftigen Böen brachte fünf Schlauchboote mit insgesamt 30 Personen in Schwierigkeiten. Mehrere Menschen gerieten ins Wasser; ein simulierter Hangrutsch verletzte weitere Personen am Ufer.
Die Retter hatten es mit mehreren Herausforderungen zu tun
46 Figurantinnen und Figuranten stellten verletzte und unverletzte Betroffene dar. Bei der Suche nach zwei vermissten Personen kamen zusätzlich zwei Bergepuppen zum Einsatz. Die dargestellten Notfälle reichten von leichten Verletzungen über Unterkühlungen bis zu lebensbedrohlichen Zuständen. Ein simulierter Tauchunfall während der Vermisstensuche erforderte eine rasche Anpassung der Maßnahmen.
Die Einsatzkräfte mussten zunächst einschätzen, wer am dringendsten Hilfe benötigte. Neben der Rettung und medizinischen Erstversorgung gehörten der Aufbau einer Patienten-Sammelstelle für Verletzte, die Registrierung der Betroffenen und die Vorbereitung geordneter Abtransporte in geeignete Behandlungseinrichtungen zu ihren Aufgaben. Auch die Betreuung unverletzter, aber psychisch belasteter Menschen wurde geübt. Im Szenario musste beispielsweise ein Kind betreut werden, das von seinen Angehörigen getrennt wurde.
Die Zusammenarbeit hat Priorität
Die Zusammenarbeit über Organisations- und Landesgrenzen hinweg stand im Mittelpunkt. „Gerade für unseren Bezirk ist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit von großer Bedeutung. Gemeinsame Übungen helfen uns, einander besser kennenzulernen und unsere Abläufe aufeinander abzustimmen“, betont Bezirksrettungskommandant Reinhard Stotter. Bereits am Vormittag besprachen die Beteiligten, wie sie bei einer großen Zahl von Verletzten vorgehen, die Dringlichkeit der Behandlung einschätzen und die Versorgung dokumentieren. Der leitende Notarzt Franz Krösslhuber bereitete neun Notärzte auf ihre Aufgaben in der Übung vor.
Bei einer gegenseitigen Besichtigung der Katastrophen, Rettungs- und Krankentransportfahrzeuge verglichen die Teams des Roten und des Weißen Kreuzes deren Ausstattung und erläuterten den Einsatz des mitgeführten Materials. So erhielten sie Einblick in die Arbeitsweisen der Partnerorganisation – eine wichtige Grundlage für die Zusammenarbeit im Ernstfall.
Die neuen Einsatzleiter
Ein weiteres Augenmerk lag auf der Kommunikation im alpinen Gelände. Als zusätzliche Absicherung der Verbindung nach außen wurde am Staller Sattel ein Funkgateway errichtet – eine technische Schnittstelle zur Verbindung von Funknetzen. Verständliche Funkverbindungen und ein laufender Informationsaustausch zählten zu den wesentlichen Übungszielen.
Für Mario Weis und Bernhard Ortner war der Übungstag zugleich ein Prüfungstermin. Beide bestanden die praktische Prüfung und sind damit ausgebildete Einsatzleiter. Abgenommen wurde sie von Günther Schwemberger, dem stellvertretenden Landesrettungskommandanten des Roten Kreuzes Tirol.