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Sibirien leidet unter Bärenplage: Häufung von Todesfällen

Die russische Staatsanwaltschaft wirft lokalen Behörden vor, die Menschen zu wenig zu schützen. Binnen eines Monats starben sechs Menschen nach Bärenangriffen.

Die Behörden warnen Menschen vor Spaziergängen in Wäldern (Themenbild)
© IMAGO/Kirill Kukhmar
Die Behörden warnen Menschen vor Spaziergängen in Wäldern (Themenbild)

Die Zahlen sind alarmierend: Sechs Menschen sind in Sibirien innerhalb eines Monats durch Bärenangriffe ums Leben gekommen. Die russische Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die örtlichen Behörden wegen Fahrlässigkeit. Ihnen wird vorgeworfen, die Bärenpopulation nicht ausreichend zu regulieren und keine Maßnahmen zu ergreifen, um die Raubtiere von bewohnten Gebieten fernzuhalten.

Die Anzahl der Bären in ganz Russland steigt laut russischem Umweltministerium deutlich an. Die Population vergrößerte sich von rund 130.000 Tieren im Jahr 1990 auf zuletzt knapp 308.000. Demnach werden jährlich rund 20 bis 30 Angriffe durch Bären auf Menschen registriert.

Stadt „von allen Seiten“ von Bären umgeben

Dass Menschen durch Bärenangriffe sterben, kommt in Sibirien hin und wieder vor. Laut der Nachrichtenagentur AFP sei das derzeitige Ausmaß jedoch ungewöhnlich. Anfang September wurden die Leichen zweier Pensionistinnen nahe der Stadt Podtjossowo in der Region Krasnojarsk gefunden - sie hatten einen Bärenangriff nicht überlebt. Wenige Tage später ereilte einen Fabrikarbeiter im selben Wald das gleiche Schicksal. In der Region wurden drei weitere Todesfälle gemeldet, zuletzt starb am Mittwochmorgen ein Holzfäller.

In der Nachbarregion Chakassien soll das Ausmaß der Bärenplage ähnlich groß sein. Die Stadt Abasa inmitten der Taiga sei „von allen Seiten“ von Bären umgeben, sagte der stellvertretende Verwaltungschef der Region laut „Spiegel“. Online kursieren zudem Videos von Bären, die am Stadtrand durch einen Fluss schwimmen oder Straßen überqueren.

Ausnahmezustand und Warnungen vor Spaziergängen

Nachdem in der Oblast Irkutsk in den vergangenen Wochen mehr als 1500 Bärensichtungen in der Nähe von bewohnten Gebieten gemeldet worden waren, rief Gouverneur Igor Kobsew den Ausnahmezustand aus. Die Bevölkerung wurde eindringlich vor Spaziergängen im Wald gewarnt.

Im August 2026 hatte ein wilder Bär im russischen Altai-Gebirge eine 29-jährige Camperin aus ihrem Zelt gezerrt und zu Tode gebissen. Daraufhin erschossen Jäger fünf Bären. „Da Bären zunehmend in den Dörfern auftauchen, ist die Regulierung ihres Bestandes eine notwendige Maßnahme zur Gewährleistung der Sicherheit der Bewohner“, sagte der Sprecher der Regionalregierung, Michail Maximow, nach dem tödlichen Vorfall der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass.

Nicht nur in Russland, auch in Japan nehmen Bärensichtungen und -angriffe zu. Im vergangenen Jahr wurden 13 Menschen durch Bären getötet, so viele wie noch nie.