Kärntner Drillinge feierten ihren 150. Geburtstag
Die Brüder Josef, Walter und Georg Pagitz aus Techelsberg sind gemeinsam 150 Jahre alt. Die Drillinge sehen sich fast täglich und werden immer noch verwechselt.

Drei Brüder, drei 50er – machen zusammen stolze 150 Jahre. Josef, Walter und Georg Pagitz feierten vor kurzem mit rund 120 Gästen ihren runden Geburtstag. Spanferkel inklusive – und eine ganz besondere Überraschung für die drei „Messnerbuben“, wie sie nach dem elterlichen Gasthaus genannt werden. Da die Brüder schon als Kinder gerne Modelle bauten, ließen sie von ihren Freunden einen kleinen Panzer bauen. Die Vorgabe: Er musste fahrtauglich sein und natürlich auch die passende Bemalung erhalten. Die Brüder waren erfolgreich.

Dass die drei auch nach einem halben Jahrhundert noch so viel gemeinsam machen, ist für sie selbstverständlich. Sie wohnen nur wenige Minuten voneinander entfernt und sehen sich fast jeden Tag. Wenn bei einem von ihnen eine Wärmepumpe eingebaut oder eine Einfahrt angelegt werden muss, packen die anderen mit an. Auch das Blumengießen oder die Katze füttern wird unkompliziert untereinander erledigt. „Es ist ein Riesenvorteil, wenn man zwei Brüder hat", sagt Josef Pagitz.
Wenn etwas nicht stimmt, merken es die anderen
Die Verbindung zwischen ihnen sei enger als bei vielen anderen Geschwistern. „Wenn es einem der beiden nicht gut geht, reicht es, wenn ich ihn anschaue", erzählt Josef. Selbst am Telefon merken die Brüder sofort, wenn beim anderen etwas nicht stimmt.
Trotz aller Ähnlichkeit haben sie unterschiedliche Charaktere. Josef, der Erstgeborene, ist der Pflichtbewusste und, wie er selbst sagt, auch der etwas Strengere. Walter war schon in der Schule der Genaueste. Wenn eine Zeichnung seiner Meinung nach nicht gut genug für einen Einser war, machte er sie lieber noch einmal. Georg, der Drittgeborene und einzige Linkshänder, ist dagegen der Aktive und in manchen Dingen genügsamer.
Walter und Georg absolvierten gemeinsam eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. Josef besuchte hingegen allein die Hotelfachschule. „Was mir damals abgegangen ist, war, dass keiner von den beiden da war.“
Überraschung bei der Geburt
Dass Josef, Walter und Georg 1976 überhaupt zu dritt auf die Welt kommen würden, war eine riesige Überraschung. Als der Arzt bei einer Untersuchung mehrere Herzschläge hörte, vermutete er zunächst einen Fehler am Gerät. Eine Ultraschalluntersuchung gab es für die werdende Mutter damals nicht – erst bei der Geburt wurde klar, dass sie drei Kinder bekommen würde.
Die drei kamen im siebten Schwangerschaftsmonat innerhalb von rund 15 Minuten zur Welt. Auf drei Babys war niemand vorbereitet, sodass ein Brutkasten aus einem anderen Spital organisiert werden musste. Auch ein Drillingskinderwagen wurde benötigt. Letzteren erhielt die Familie schließlich von einer anderen Drillingsfamilie aus Völkermarkt. „Der hat die ganze Straße gebraucht", weiß Josef Pagitz von Fotos aus seiner Kindheit.

Zwei Räder in Silber, eines in Rot
Die „Messnerbuben“ sind im elterlichen Gasthaus in St. Bartlmä mit ihren Eltern Josef und Margarete sowie ihrer zehn Jahre älteren Schwester Sabine aufgewachsen. Da ihre Mutter sie meistens gleich anzieht, ist es für ihre Umgebung nicht immer leicht, die Buben zu unterscheiden. Gleiche Hosen, gleiche Shirts, gleiche Schuhe und wenn möglich auch gleiche Fahrräder. Walter war allerdings wenig begeistert von seinem roten Rad – er hätte lieber ein silbernes wie seine Brüder gehabt.
Jeder hatte auch seinen eigenen Zutz in einer bestimmten Farbe. „Wir wollten auch nur unseren eigenen." Ob sie als Babys beim Baden verwechselt wurden, können die Brüder allerdings nicht mit Sicherheit ausschließen – zumindest scherzen sie heute noch darüber.

„Brav waren wir nicht“
Eine wichtige Rolle in ihrer Kindheit spielte ihre zehn Jahre ältere Schwester Sabine. „Mit uns war ihre Kindheit eigentlich abrupt zu Ende“, sagt Josef. Sie half bei der Erziehung und später beim Lernen. „Sie war immer streng mit uns – zum Glück, denn brav waren wir nicht.“ Dafür sind sie ihr heute umso dankbarer.
Vater Josef ist 2002 verstorben, Mutter Margarete wird dieses Jahr 81 Jahre alt. Inzwischen haben die Drillinge selbst Familien: Josef hat eine Tochter, Walter zwei Söhne.
Verwechslungen gibt es immer noch
Und obwohl heute einer von ihnen einen Bart trägt, ein anderer mehr Haare hat und sie längst nicht mehr ständig identisch gekleidet sind, gehören Verwechslungen noch immer zum Alltag. Fremde Menschen grüßen sie, obwohl sie sich vermeintlich noch nie gesehen haben. Auch Arbeitskollegen der jeweils anderen Brüder fallen darauf herein.
So etwas passierte auch zu Josef Pagitz’ Zeit an der Hotelfachschule: Walter spazierte mit seiner Freundin über den Hauptplatz, als ihn freudig Schulkolleginnen seines Bruders begrüßten und abbusserlten. Danach war nicht nur Walters Freundin etwas baff.
Dass sie vor allem als „die Drillinge“ wahrgenommen wurden, hat die drei nie gestört. Sie hatten einen gemeinsamen Freundeskreis und erinnern sich an eine schöne Kindheit. Auch Musik- und Essensgeschmack sind bis heute sehr ähnlich – mit kleinen Ausnahmen: Georg kann mit Leber nichts anfangen, Josef liebt sie. Dafür kann man ihn wiederum mit Topfenknödeln jagen.
Und auch bei den Hobbys zeigt sich, dass drei fast gleiche Brüder eben doch drei ganz eigene Menschen sind. Georg spielt gerne Theater, Walter kümmert sich um die Technik. „Das würde ich nie machen“, sagt Josef über die Schauspielerei. Er übernimmt lieber den dritten Part und schaut seinen Brüdern zu.
Nach 50 Jahren kennen es die drei ohnehin nicht anders: Jeder führt sein eigenes Leben – und trotzdem sind die beiden anderen fast immer nur ein paar Minuten entfernt.