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Gleichstellung: Österreich liegt zwischen Serbien und Panama

Anna Majcan
Nationalratssitzung in Österreich: Bei der politischen Teilhabe von Frauen gibt es hierzulande noch Luft nach oben
© IMAGO/Michael Indra
Nationalratssitzung in Österreich: Bei der politischen Teilhabe von Frauen gibt es hierzulande noch Luft nach oben

Österreich ist bei der Geschlechtergerechtigkeit auf Platz 40 vorgerückt. Anna Majcan erklärt, warum das nur bedingt Grund zur Freude ist.

Was liegt zwischen Serbien und Panama? Österreich. Ja, Sie haben richtig gelesen – in Sachen Geschlechtergerechtigkeit befinden wir uns nach neuen Berechnungen des Weltwirtschaftsforums (WEF) auf Platz 40 von 145 Ländern, zwischen Osteuropa und Mittelamerika. Für das WEF deswegen spannend, weil Gleichstellung als Wettbewerbsfaktor für Volkswirtschaften gilt. Österreich ist nun um 16 Plätze vorgerückt, doch das gibt nur so semi Grund zur Freude. Denn zeitgleich hat UN Women ihren „Gender Snapshot 2026“ veröffentlicht. Ein Bericht mit düsteren Aussichten: umfassende Gleichstellung soll erst in 171 Jahren erreicht sein. Das wäre im Jahr 2197.

Sitzen Frauen an den Schalthebeln politischer Macht, wird Geschlechtergleichstellung zur politischen Priorität – und reißt Bildung, Umweltschutz oder Armutsbekämpfung gleich mit. 

— Anna Majcan

Eine Zukunft, die niemand von uns erleben wird. Den Weg dorthin prägen wir sehr wohl mit. Die Fortschritte sind nämlich nicht linear, sondern fragil. Das zeigt sich zum Beispiel an der politischen Teilhabe von Frauen: Ihr Anteil ist weltweit seit 2006 gestiegen, dann stagniert und zuletzt wieder gefallen. Werfen wir einen Blick ins Parlament, reiht sich Österreich brav ein (der Frauenanteil im Nationalrat sank nach der letzten Wahl von 41 auf 35 Prozent). Noch beunruhigender ist, was hinter solchen Zahlen liegt: Der UN-Bericht spricht von einer „institutionellen Erosion“, einer Aushöhlung jener Strukturen, die in den letzten Jahrzehnten geschaffen wurden, um Gleichstellung voranzutreiben. Sie verlieren zunehmend an Einfluss und Ressourcen – Stichwort Förderkürzungen. Institutionen im Sozialbereich schlagen auch hierzulande immer wieder Alarm.

Wenn Frauen mitentscheiden

Der UN-Bericht verrät aber auch, was wirkt: Sitzen Frauen an den Schalthebeln politischer Macht, wird Geschlechtergleichstellung zur politischen Priorität – und reißt Bildung, Umweltschutz oder Armutsbekämpfung gleich mit. Nicht umsonst steht Island seit Jahren an der Spitze der Gleichstellungsrangliste, mit der ersten gewählten Frau als Staatsoberhaupt. Österreich hat Luft nach oben, Platz 40 lässt grüßen.

Anna Majcan ist Sprecherin des Grazer Frauenrats.