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Ein ganz besonderer Oldtimer rollt durch das Lesachtal

Vor 100 Jahren wurde das Auto von Josef Wilhelmer – ein Fiat 509A – in Turin gebaut. Viel Zeit wird in die Pflege des historischen Automobils investiert.

Zwei Männer stehen hinter einem Auto
© Hans Guggenberger
Markus und Josef Wilhelmer mit ihrem historischen „Schatz“
Hans Guggenberger

Josef Wilhelmer besitzt einen besonderen Schatz: einen Fiat 509A, gebaut vor 100 Jahren – 1926 im legendären Fiat‑Werk Lingotto in Turin. „Auf der Franz‑Josefs‑Höhe war das Fahrzeug ausgestellt“, erinnert sich Wilhelmer, „mit meinen Söhnen Anton und Markus haben wir es damals bestaunt.“ Der Oldtimer hat eine bemerkenswerte Geschichte. Sein früherer Eigentümer, der Heiligenbluter Werkmeister der Großglockner Hochalpenstraßen AG, Ignaz Lackner, erwarb das desolate Fahrzeug 1970 in Hamburg. Der gelernte Flugmotorenmechaniker investierte viel Geld und mehr als 2000 Arbeitsstunden, um den Fiat wieder fahrtauglich zu machen und den Originalzustand detailgetreu herzustellen.

Der 22‑PS‑Wagen verfügt über einen Vierzylindermotor und kommt mit einem 24‑Liter‑Tank auf eine Reichweite von rund 300 Kilometern. „Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 60 km/h“, sagt Wilhelmer, „aber die möchte ich gar nicht erreichen.“

Die Plaketten erinnern an die vielen Ausfahrten
© Hans Guggenberger
Die Plaketten erinnern an die vielen Ausfahrten

Präsentiert im ehemaligen Geräteschuppen

Lackner legte mit seinem Fiat über 25.000 Kilometer zurück – nach Wien, Prag, auf zahlreichen Südtiroler Pässen, beim Narzissenfest in Bad Aussee oder beim Blumencorso in Velden, um nur einige zu nennen. Viele Plaketten auf dem Auto erinnern an diese Ziele. Die Großglockner‑Hochalpenstraße befuhr er unzählige Male. Nach Lackners Tod im Jahr 2014 und mangels Nachkommen gab seine Frau Anni das Fahrzeug schließlich zum Verkauf frei. Wilhelmer zögerte zunächst, doch nach Rücksprache mit seiner Familie entschied er sich zum Kauf. Seit 2017 ist er nun Besitzer des historischen Automobils. Zum Fiat erhielt er auch den Originalmantel, die Haube und die Brille des früheren Fahrers.

„Viele Ausfahrten habe ich noch nicht gemacht“, sagt der Mechaniker. „Hier im Lesachtal möchte ich ihn nicht überstrapazieren.“ Stattdessen pflegt er den Wagen sorgfältig und dreht gelegentlich eine kleine Runde durch den Ort. Eine besondere Idee hat er bereits: „Neben dem Gemeindeamt in Liesing habe ich einen Geräteschuppen“, erzählt Wilhelmer. „Dort werde ich eine Glaswand einbauen und den Fiat 509A schön beleuchtet präsentieren.“

Gerne ist das Vater-Sohn-Duo in dem Oldtimer unterwegs
© Hans Guggenberger
Gerne ist das Vater-Sohn-Duo in dem Oldtimer unterwegs

Der versteckte „Schwiegermuttersitz“

Auf den ersten Blick ist der Oldtimer ein klassischer Zweisitzer. Doch das Fahrzeug verbirgt eine historische Besonderheit, die heute für Staunen sorgt. „Wenn man den Kofferraumdeckel öffnet“, verrät Wilhelmer schmunzelnd, „dann gibt es noch einen dritten Sitzplatz, den sogenannten Schwiegermuttersitz.“ Auch die nächste Generation zeigt Interesse. Markus, der 16‑jährige Sohn, möchte später selbst mit dem Oldtimer unterwegs sein. „Wenn ich den Führerschein habe“, sagt er, „werde ich sicher bei der einen oder anderen Ausfahrt dabei sein.“

„Gewöhnungsbedürftig ist die Rechtssteuerung“, meint Wilhelmer, „aber dafür lässt sich das Dach zurückklappen – und im Sommer genießt man die Fahrt im Cabrio.“