Details zum KV-Abschluss: Metaller-Löhne steigen um 1,9 Prozent
Die metalltechnische Industrie hat 2025 einen zweijährigen KV-Abschluss – unter der Inflationsrate – geschmiedet. Heuer steigen die Löhne und Gehälter ab November um 1,9 Prozent. Das sind die Details zum „Krisenabschluss“.

Kein wochenlanges Ringen, keine Drohungen, kein erbitterter Streit. Nach nur wenigen Stunden ist vor einem Jahr die Lohnrunde der Metaller zu Ende gegangen. Die Sozialpartner haben sich vor dem Hintergrund einer schauerlichen gesamtwirtschaftlichen Kulisse auf einen zweijährigen Krisenabschluss geeinigt. Ab 1. November 2025 sind die Ist-Löhne und Gehälter um 1,41 Prozent und die Mindestentgelte um 2 Prozent angehoben worden. Zum Vergleich: Die zugrundeliegende rollierende Inflation von September 2024 bis August 2025 – die Verhandlungshandlungsbasis für die Metaller-KV-Verhandlungen – lag damals bei 2,8 Prozent. Heuer lag sie sogar bei 3,3 Prozent. Die Erhöhung der Ist-Löhne und -Gehälter wird ab November bei 1,9 Prozent liegen, wie die Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter am Donnerstag in einer gemeinsamen Präsentation bestätigten. Der Abschluss gilt für sechs Fachverbände mit insgesamt 190.000 Beschäftigten, davon 130.000 in der metalltechnischen Industrie.
Weitere Festlegungen des KV-Abschlusses: Die Grundstufen der kollektivvertraglichen Mindestentgelte steigen um 2,1 Prozent, der niedrigste Mindestlohn klettert auf 2.622,74 Euro, die Lehrlingseinkommen sowie die Zulagen werden um 2,1 Prozent angehoben. Die Zulage für Nachtarbeit sowie für die dritte Schicht steigt um 7,01 Prozent auf 3,754 Euro pro Stunde. Im November 2025 und Juli 2026 erhielten die Beschäftigten zudem entweder zweimal zwei Tage zusätzliche Freizeit oder zweimal 500 Euro in Form einer Einmalprämie zur Sicherung der Kaufkraft
20.000 Arbeitsplätze gingen verloren
Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA sowie der Fachverband Metalltechnische Industrie (FMTI) verweisen gemeinsam auf die schwierige Ausgangslage: 2025 seien „alle Bereiche der Metallindustrie von der Rezession betroffen“ gewesen. Mehr als 20.000 Arbeitsplätze gingen in der Metallinddustrie binnen zwei Jahren verloren, allein in der Metalltechnischen Industrie waren es 10.000 Stellen. Aufgrund der hohen Verunsicherung hätte im Vorjahr „niemand Verständnis für lange und intensive Auseinandersetzungen gehabt“, wie betont wird. „Mit dem Krisenabschluss auf Zeit für die gesamte Metallindustrie haben wir Verantwortung in einer historischen Ausnahmesituation übernommen“, so Reinhold Binder, Chef der Produktionsgewerkschaft PRO-GE. „Nulllohnrunden zu verhindern, Planbarkeit und Sicherheit für Beschäftigte sowie Betriebe zu schaffen“, sagt Binder.
FMTI-Obmann Christian Knill unterstreicht: „Die Sozialpartner haben mit diesem Abschluss im Vorjahr ein starkes Zeichen für lösungsorientierte Zusammenarbeit gesetzt.“ Die erzielte Einigung über einen Zeitraum von zwei Jahren sowie die wettbewerbsorientierten Lohn- und Gehaltserhöhungen würden „für die Beschäftigten und Unternehmen eine verlässliche Perspektive für den Produktionsstandort Österreich“ schaffen. „Wir haben mit diesem Abschluss den Abstand zu den Mitbewerbern zumindest nicht weiter vergrößert und den Unternehmen etwas mehr Planungssicherheit ermöglicht“, ergänzt Stefan Ehrlich-Adám, KV-Verhandler des Fachverbands. Derzeit liege man bei den Arbeitskosten in Österreich rund 20 Prozent über jenen in vergleichbaren europäischen Ländern, daher wurde zuletzt verstärkt im Ausland investiert. Die hohen Abschlüsse der Jahre davor hätten die Unternehmen stark belastet und die Wettbewerbsfähigkeit verringert, „wir sind einfach zu teuer geworden“, so Knill. Daher sei das ein „guter und wichtiger Abschluss gewesen“.
„Krisenabschluss keine Dauerlösung“
Kleiner Lichtblick: „Nach beinahe fünf schwierigen Jahren scheint sich die Industrie heuer am Ende der längsten Wirtschaftskrise der letzten 80 Jahre zu befinden“, so die Sozialpartner. „Für die Gewerkschaften ist aber klar: Wenn sich die wirtschaftliche Situation in der Metallindustrie wieder verbessert, erwarten die Beschäftigten zu Recht ihren Anteil am Erfolg“, so Binder. Das betont auch GPA-Chef Mario Ferrari: „Die Arbeitgeber haben jetzt die Aufgabe, aus dem beginnenden Wirtschaftsaufschwung etwas zu machen, denn ein Krisenabschluss ist keine Dauerlösung.“ Zuletzt sei aber die Beschäftigungssicherung im Fokus gestanden, so Binder.
Knill verweist dennoch darauf, dass die Branche nach wie vor unter Druck stehe, daher seien standortpolitische Weichenstellungen dringend nötig. Der gemeinsame ruhige und sachliche Abschluss sollte auch als Vorbild für die Politik dienen. Die Teuerungsbekämpfung müsse im Zentrum der Maßnahmen stehen, sagt Binder. Die hohen Inflationsraten seien „ein Gift für Kollektivvertragsverhandlungen“.
Zahlen zur Branche
Die Metalltechnische Industrie (MTI) erwirtschaftet laut eigenen Angaben einen Produktionswert von 47 Milliarden Euro im Jahr 2025, beschäftigt direkt rund 130.000 Menschen und sichert damit indirekt bis zu 290.000 Arbeitsplätze in Österreich.
Die exportorientierte Branche ist mittelständisch strukturiert, besteht zu mehr als 85 Prozent aus Familienunternehmen und ist für ein Fünftel aller österreichischen Exporte verantwortlich