Niedrige Beteiligung bei Wahl in Marokko
Bei der Parlamentswahl in Marokko zeichnet sich eine historisch niedrige Wahlbeteiligung ab. Wie die Behörden in dem nordafrikanischen Land am Mittwochabend mitteilten, lag die Beteiligung an der Wahl bei 38 Prozent - so niedrig wie seit 20 Jahren nicht. Mit ersten Ergebnissen des Urnengangs wurde am Donnerstag gerechnet. Bei der letzten Parlamentswahl 2021 lag die Wahlbeteiligung noch bei 50 Prozent. Der niedrigste Wert wurde 2007 mit 36,8 Prozent verzeichnet.

Marokko kämpft mit tiefgreifenden sozialen Krisen. Der Wahlkampf war von einem Misstrauen der Menschen gegenüber den Parteien geprägt. Die soziale Ungleichheit, hohe Preise und Jugendarbeitslosigkeit zählten im Wahlkampf zu den zentralen Themen.
Rund 16 Millionen der insgesamt 36 Millionen Marokkanerinnen und Marokkaner hatten sich registriert, um ihre Stimme für die 395 Mitglieder des Repräsentantenhauses abzugeben. Nur vier Prozent der registrierten Wählerinnen und Wähler waren zwischen 18 und 24 Jahren alt. Rund 7.300 Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich um die Mandate, darunter 2.658 Frauen. Es treten 27 Parteien an. Das marokkanische Parlament kann etwa Gesetze verabschieden, faktisch liegt die meiste Macht jedoch bei König Mohammed VI. und seinem Umfeld.
Nach der Wahl kann die stärkste Partei den Regierungschef bestimmen. Dieser muss nach der Ernennung durch König Mohammed VI. eine Regierung bilden, die ein fünfjähriges Mandat erhält. Umfragen vor der Wahl sind per Gesetz verboten. Medien und Experten gehen davon aus, dass die Unabhängige Nationalversammlung (RNI), aktuell stärkste Kraft in der Regierungskoalition, auch diesmal zu den Favoriten gehört.