Rost und Misswirtschaft: Der Eiffelturm gerät in Schieflage
Das 1889 fertiggestellte Wahrzeichen von Paris gerät immer weiter in Schieflage. Die Betreibergesellschaft wird für Misswirtschaft und Sicherheitsmängel verantwortlich gemacht. Mitarbeiter meiden es inzwischen sogar, unter dem Turm durchzugehen.

Wenn sich ein Turm als Wahrzeichen und Touristenmagnet einer Stadt in Schieflage befindet, ist das höchstens in Pisa eine gute Nachricht. Doch immer mehr trifft diese Aussage auch auf den Pariser Eiffelturm zu – wenn auch nur im übertragenen Sinn. Denn das 330-Meter-Bauwerk verursacht aufgrund der aufgeblähten Verwaltung trotz Millionen Besuchern ein saftiges Minus, Rost setzt dem Stahlgiganten zu und auch schwere Sicherheitsmängel wurden zuletzt augenscheinlich.
Zu alldem irritierte die öffentliche Betreibergesellschaft Sete (Société d'Exploitation de la Tour Eiffel, Eigentümerin ist zu 99 Prozent die Stadt Paris) vor wenigen Wochen, indem sie auf Bitte einer hinduistischen Besuchergruppe alle weiblichen Angestellten vorübergehend abzog, sodass es zu keinen „Interaktionen mit Frauen“ beim Besuch der Gruppe kommt. Die Belegschaft streikte am Montag darauf.
Für die Weltausstellung errichtet
Der Eiffelturm wurde zwischen 1887 und 1889 für die Pariser Weltausstellung errichtet, die an den 100. Jahrestag der Französischen Revolution erinnerte. Entworfen wurde der 330-Meter-Turm vom Ingenieur Gustave Eiffel. Ursprünglich hätte er nach 20 Jahren wieder abgebaut werden sollen; seine Nutzung (unter anderem für Funk- und Telegrafieversuche) sicherte jedoch seinen Fortbestand. Heute zählt der Eiffelturm mit jährlich mehreren Millionen Besucherinnen und Besuchern zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten der Welt.
Es ist nicht das erste Mal, dass die Belegschaft auf Missstände aufmerksam macht. Schon 2024 warnte die Gewerkschaft mit einem mehrtägigen Streik: Obwohl der Eiffelturm eigentlich alle sieben Jahre neu gestrichen werde, habe er nun seit fast 14 Jahren keinen neuen Anstrich mehr erhalten, sagte Gewerkschaftler Denis Vavassori damals dem Sender France Info und sprach dabei von einem „Zustand des Verfalls“. Angestellte, die bereits mehr als 30 Jahre am Eiffelturm arbeiteten, hätten so etwas noch nicht erlebt. Vor allem aber forderte man eine bessere finanzielle Verwaltung des Wahrzeichens.
„Niederschmetternd“
Zweieinhalb Jahre später schaut es nicht besser aus – im Gegenteil. Die renommierte Zeitung „Le Monde“ beschrieb die Situation unlängst als „niederschmetternd“. Doch wie kann es sein, dass bei etwa sechs Millionen jährlichen Besuchern bei stattlichen Eintrittspreisen (Erwachsene zahlen 36,70 Euro für eine Liftfahrt nach ganz oben) das Geld fehlt?
2024 erwirtschaftete der Turm 140,1 Millionen Euro Umsatz und schrieb trotzdem rote Zahlen. Das Minus betrug satte 8,55 Millionen. Das hat mit den Lohnkosten zu tun. Laut französischem Rechnungshof stiegen diese zwischen 2020 und 2024 etwa um ein Viertel von 25,95 auf 32,35 Millionen Euro. Trotz der Einführung des Online-Ticketverkaufs (der eigentlich weniger Personal erforderlich macht) stieg die Zahl der Angestellten um ein Viertel auf 402.
Freunderlwirtschaft auf Französisch
Dazu kommt, dass die Chefs immer mehr abkassieren. Der Direktor Patrick Branco Ruivo bekommt knapp 200.000 Euro. Dazu kommen zehn Direktoren. Bei sieben von ihnen handelt es sich laut dem Bericht um Personen aus dem engen Umfeld von Ruivo, er brachte sie aus seiner früheren Tätigkeit bei der Pariser Stadtverwaltung mit. Das französische Pendant zu „Freunderlwirtschaft“ lautet übrigens „consanguinité“ („Blutsverwandtschaft“). Auch der Rechnungshof mahnt inzwischen zur stärkeren Kontrolle der Eigentümer von Sete, zum größten Teil ist das die Stadt Paris.
Sicherheit als Problem
Gespart wird hingegen anscheinend bei der Sicherheit. So sehr, dass es Mitarbeiter laut der Recherche sogar meiden, den direkten diagonalen Weg über den Vorplatz zwischen den vier Pfeilern zu gehen, weil immer wieder Gegenstände herabfallen würden. Werkzeuge, Muttern oder Bolzen bei Arbeiten; bei früheren Stürmen seien auch schon größere Teile wie ein Bildschirm herabgestürzt. Zudem machten zuletzt auch mehrere Personen Schlagzeilen, die die Sicherheitsvorkehrungen überwinden konnten, wie etwa ein US-Amerikaner, der am 4. Juli (dem Unabhängigkeitstag der USA) den Turm zwischen der zweiten und dritten Etage erklomm und eine US-Flagge hisste.
Teile der Videoüberwachung sollen bei Regenfällen immer wieder ausfallen, weil die Elektronik in unterirdischen Kästen überflutet werden kann. Die rund um den Turm errichtete Glaswand soll konstruktive Schwachstellen aufweisen; einzelne Glasscheiben müssten nach Beschädigungen für rund 30.000 Euro pro Stück ersetzt werden.