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Weitere 55 Millionen Euro Verlust? „Wohnen Graz“ muss saniert werden

ÖVP fordert im Gemeinderat ein Sanierungskonzept für „Wohnen Graz“ ein. Verluste in der Höhe seien nicht mehr finanzierbar. Bürgermeisterin Kahr arbeitet aber längst daran.

Auf der Regierungsbank: Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) und Kurt Hohensinner (ÖVP)
© KLZ/Daniel Winter
Auf der Regierungsbank: Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) und Kurt Hohensinner (ÖVP)
Gerald Winter-Pölsler
Stv. Leiter Steiermark-Ressort

Der Eigenbetrieb „Wohnen Graz“ bleibt politisch im Fokus. Die Millionenverluste, die Jahr für Jahr angefallen sind, belasten die Liquidität im Grazer Haushalt. Das Kontrollamt hat in einem eigenen Prüfbericht zahlreiche Mängel moniert und festgehalten: „Laufende Ausgaben dauerhaft über ein überzogenes Konto zu finanzieren, ist keine nachhaltige Lösung. Es ist im Gegenteil extrem teuer.“

An diesem Problem dürfte sich aber nicht viel ändern. ÖVP-Gemeinderat Markus Huber bringt daher in der Sitzung am Donnerstag einen Dringlichen Antrag ein, der ein Sanierungskonzept für den Eigenbetrieb einfordert. Und er bringt Zahlen aus dem Strategiebericht des stadteigenen Unternehmens: Demnach rechnet man bis zum Jahr 2031 mit weiteren Verlusten von 55,8 Millionen Euro, das wäre im Schnitt ein Minus von mehr als elf Millionen Euro pro Jahr.

ÖVP kritisiert die finanzielle Schieflage bei „Wohnen Graz“

Darüber hinaus sieht Huber beim Leerstandsmanagement massiven Verbesserungsbedarf. Allein im Jahr 2024 gab es einen Einnahmeentfall von 1,1 Millionen Euro, weil Gemeindewohnungen leergestanden sind. „Hinzu kommen jährlich rund 1,2 Millionen Euro an offenen Forderungen gegenüber Mieterinnen und Mietern“, so Huber, wovon aber laut Einschätzung des Eigenbetriebs selbst wohl nur 200.000 Euro tatsächlich eingebracht werden können.

Auch die städtische Mietzinspolitik habe zur finanziellen Schieflage von „Wohnen Graz“ beigetragen, kritisiert Huber. Aktuell zahlen Mieterinnen und Mieter eine durchschnittliche Nettomiete von 4,50 Euro pro Quadratmeter kalt, der Richtwertmietzins liegt bei gut 9,20 Euro. Die Erhöhungen fielen in den vergangenen Jahren deutlich unter der Inflation aus. „Leistbares Wohnen darf nicht dadurch abgesichert werden, dass die wirtschaftliche Grundlage des Eigenbetriebs schrittweise ausgehöhlt wird“, so Huber.

Kahr: An einem Sanierungskonzept wird mit der Finanzdirektion bereits gearbeitet

Bei Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ), die für Wohnen Graz zuständig ist, schüttelt man den Kopf. Die Zahlen, mit denen Huber agiert, seien teilweise alt oder verfälscht. Letzteres etwa bei den Kosten für den Leerstand: Da werden die stadteigenen Wohnungen und jene im Übertragungswohnbau – das sind Wohnungen von Genossenschaften, für die die Stadt das Zuweisungsrecht hat – zusammengerechnet. „Festzuhalten ist, dass die Leerstandskosten bereits seit 2023 rückläufig sind“, heißt es bei Kahr.

Alt ist die Zahl der 55,8 Millionen Euro in der Mittelfristplanung: Diese stammen aus dem Dezember 2024. Der Verwaltungsausschuss habe längst beschlossen, „bis Jahresende gemeinsam mit der Finanzdirektion ein Sanierungskonzept zu entwickeln“. Hubers Antrag gehe daher ins Leere.