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75 Interviews gleichzeitig: Der KI-Star Tilly Norwood gerät ins Stocken

Sie ist die erste KI-generierte Schauspielerin und spielt schon bald die Hauptrolle in ihrem ersten Film: Tilly Norwood polarisiert ganz Hollywood. Bei ihrer ersten Pressetour erlaubte sie sich jedoch zahlreiche Patzer.

Tilly Norwood ist eine von Künstlicher Intelligenz generierte Figur
© Instagram/ Tilly Norwood
Tilly Norwood ist eine von Künstlicher Intelligenz generierte Figur
Livia Steiner
Redakteurin News & Social Media

Der Pressetag sollte eigentlich ein Triumph werden. 75 Interviews ließ die Produktionsfirma „Particle6“ nahezu gleichzeitig mit Tilly Norwood führen, um ihren ersten Spielfilm „Misaligned“ zu bewerben. Die Nachricht an die Welt sollte einfach sein: Eine menschliche Schauspielerin hätte für diese Pressetour Tage oder Wochen gebraucht, die KI-generierte Figur Tilly kann hingegen überall gleichzeitig sein.

Nur lief es nicht besonders gut. In mehreren Gesprächen soll der KI-Star gehakt, gestarrt oder Fragen nicht beantwortet haben. In einem Interview mit Piers Morgan und dem Schauspieler Tom Conti kam es dabei zum spektakulärsten Zwischenfall: Tilly sprach plötzlich Kantonesisch.

Ausgerechnet die Maschine, die den Menschen bei der medialen Selbstdarstellung überlegen sein soll, hatte Schwierigkeiten mit einem Interview.

Seit einem Jahr „auf der Welt“

„Geboren“ wurde Tilly erst 2025, wobei sie von der ehemaligen Schauspielerin und Filmemacherin Eline van der Velden und dem KI-Unternehmen „Particle6“ entwickelt wurde. Rund 2000 Versionen sollen ausprobiert worden sein, bevor man schließlich bei dem Gesicht von Tilly Norwood landete. Das Ergebnis: Sie ist jung, hat dunkle Haare, Sommersprossen und besitzt einen britischen Akzent. Alles konstruiert, um „der perfekte Star zu sein“, wie die Macher erklärten.

Erst seit einem Jahr „auf der Welt“, ist ihre Karriere dementsprechend kurz, dennoch ging es von Anfang an steil bergauf. Nach ihrer Veröffentlichung interessierten sich sofort zahlreiche Werbeagenturen für die KI-Figur. Im März 2026 ergatterte sich Tilly dann den Lead in einem Musikclip unter dem Titel „Take the Lead“.

„Durchbruch“ mit Film

Den richtigen Durchbruch soll der Figur nun der geplante Science-Fiction-Film „Misaligned“ verschaffen. Tilly soll darin eine künstliche Figur spielen, die allmählich Wünsche, Ambitionen und sogar Scham entwickelt. Mehr ist zu dem Film bislang nicht bekannt, auch Veröffentlichungstermin gibt es noch keinen.

Kritik und Sorge in Hollywood

Mit ihrer Existenz eckt Tilly jedoch auch an, vor allem bei ihren Schauspiel-Kollegen. Bereits 2025 äußerte sich die Schauspielgewerkschaft „SAG-AFTRA“ zu der KI-Figur. Dabei wurde vor allem kritisiert, dass derartige Figuren menschlichen Schauspielern den Beruf streitig machen könnten. Auch Filmschaffende übten Kritik, darunter Schauspielerin Emily Blunt. Im Interview mit dem Magazin „Variety“ wurden ihr Aufnahmen von Norwood gezeigt. „Das ist KI? Meine Güte, wir sind verloren. Das ist sehr, sehr beunruhigend“, sagte Blunt damals.

Die Macher versuchen die Kritiker zu beruhigen, Tilly solle keine menschlichen Schauspieler in Filmprojekten ersetzen, immerhin sei sie selbst das Projekt. Wie gut dieses – nach dem Reinfall bei ihrer Pressetour – tatsächlich funktioniert, wird wohl der Film erst zeigen.

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