Graz-Tag der Lehrberufe: „Klempner werden die neuen Millionäre“
Am 25. September können Jugendliche auf dem Grazer Hauptplatz verschiedene Lehrberufe kennenlernen – und auch ausprobieren. Während Zahl der Ausbildungsbetriebe sinkt, würden Chancen für Lehrlinge steigen.

Auf die Frage, welcher Lehrberuf denn die größten Zukunftschancen aufweise, will Bernhard Bauer den Chef des KI-Giganten „Nvidia“ zitieren: „Dieser meinte sinngemäß: Klempner werden die neuen Millionäre sein“, erzählt Bauer. Auch aus Sicht des Grazer Regionalstellenleiters der Wirtschaftskammer würden generell das Handwerk und die Lehre der Künstlichen Intelligenz Paroli bieten können. An dieser Stelle hebt Bildungsstadtrat Kurt Hohensinner (ÖVP) die Hand: „Es geht aber nicht nur um den Verdienst. Der Beruf muss jedem auch Spaß machen.“
Mithilfe natürlicher Intelligenz will man beide Punkte und noch einige mehr am 25. September ins Treffen führen: Beim „Tag der Lehrberufe“, der bereits zum fünften Mal auf dem Grazer Hauptplatz über die Bühne geht (9 bis 16 Uhr), können junge Menschen verschiedene Berufsfelder und Unternehmen nicht nur kennenlernen – sondern vor Ort teils auch gleich ausprobieren. Wie Wolfgang Berger seitens der „Kreativen Lehrlingswelten“ verrät, reiche das Spektrum der „Werkboxen“ auf dem Hauptplatz von Elektro- und Metalltechnik bis zu Koch/Köchin. Neben Information und Spaß wartet auf alle Besucher auch ein Gewinnspiel, ergänzt Katja Traussnig vom Bildungsservice der Stadt Graz.
Meine Eltern hatten ein Tapezierergeschäft, ich wollte eigentlich auch einsteigen. Aber meine Eltern meinten, ich soll studieren, das war zu der damaligen Zeit einfach so.
— Kerstin Weber, GF beim Regionalmanagement Steirischer Zentralraum
Weniger Ausbildungsbetriebe
Die nackten Zahlen hinter dem Trubel am Hauptplatz, die auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirken, veranschaulichen auch die wirtschaftlichen Turbulenzen unserer Zeit: Die Zahl der Ausbildungsbetriebe sei steiermarkweit in den letzten zehn Jahren um rund zehn Prozent gesunken, zugleich sei „der Arbeitskräftemangel eine der größten Herausforderungen für unsere Betriebe“, so Bauer seitens der WKO. Umgekehrt sei die Zahl der Lehrlinge in Graz (derzeit rund 3700) seit Jahren stabil – und die Chance auf Erfolg so groß wie noch nie, auch dank der vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten: von der Lehre mit Matura bis zu den Berufsvorbereitungsschulen, die nun in Graz erstmals gestartet sind.

Kopfschütteln vor den Mikrofonen
Bleibt eine Frage an diesem Mittwoch im Grazer Rathaus: Wer von den Damen und Herren vor den Mikrofonen hat selbst eine Lehre absolviert? Kopfschütteln. Aber man sei knapp davor gewesen, heißt es unisono. „Meine Eltern hatten ein Tapezierergeschäft, ich wollte eigentlich auch einsteigen. Aber meine Eltern meinten, ich soll studieren, das war zu der damaligen Zeit einfach so“, erzählt Kerstin Weber, Geschäftsführerin des Regionalmanagements „Steirischer Zentralraum“. Bis heute frage sie sich, wie es so gewesen wäre. Vielleicht reißt sie ja noch das Ruder herum – so wie ihre Schulfreundin, von der Weber erzählt: „Zuerst war Martina jahrelang Flugbegleiterin, nach der Pandemie hat sie eine verkürzte Lehre zur pharmazeutischen Assistentin absolviert. Und heute arbeitet sie in einer Apotheke.“.