Jonas Kaufmann: „Die Zeit in Klagenfurt war wahnsinnig schön“
Weltklassetenor Jonas Kaufmann gibt einen Liederabend bei den Festspielen Taggenbrunn. Ein Gespräch über Anfänge, späte Engagements und Regietheater.

Er hat eine beispiellose Karriere hingelegt und singt heute an allen bedeutenden Opernhäusern und in den wichtigsten Konzertsälen der Welt. Er hat zahlreiche prämierte CDs herausgebracht und ist vielfach preisausgezeichnet worden. Eine der ersten großen Hauptrollen von Jonas Kaufmann war die Titelpartie von Mozarts „Titus“ 1999 am Stadttheater in Klagenfurt.
Welche Erinnerungen haben Sie an dieses Engagement am Beginn Ihrer Karriere?
Jonas Kaufmann: Nur die besten. Die Zeit hier war wahnsinnig schön. Der damalige Dirigent Stefan Vladar hat mich überredet, die Partie hier zu singen. Nur für die Regisseurin war ich damals vom Typ her zu viril, sie wollte einen schwachen Mann in dieser Rolle haben. Aber dann hat der damalige Intendant Dietmar Pflegerl ein Machtwort gesprochen und ich durfte an diesem schönen Theater singen. Es wurde ein großer Erfolg. Aufgrund dessen wurde ich dann am Salzburger Landestheater für den Ottavio in der „Zauberflöte“ engagiert.
Dann ging es ja Schlag auf Schlag, was waren für Sie persönlich die wichtigsten Stationen Ihrer Karriere?
Nach Rollen 2004 in Covent Garden London, an der Mailänder Scala und in Paris, sicherlich mein Debüt 2006 an der Metropolitan Opera in New York mit Verdis „Traviata“ und Mozarts „Zauberflöte“. In Salzburg folgte der Bacchus in „Ariadne auf Naxos“ von Strauss bei den Festspielen. Seltsamerweise wurde ich in meiner Heimatstadt München erst sehr spät unter der Intendanz Nikolaus Bachler engagiert.
Sie gelten als Kritiker des sogenannten Regietheaters. Was stört Sie?
Ich habe kein Problem mit modernen Sichtweisen von Opern. Nur wenn diese nicht stückgerecht zur reinen Provokation werden oder Regisseure keinen Respekt vor dem Genre haben oder es auf die leichte Schulter nehmen, dann finde ich das einfach nur schlimm.
Zur Person
Jonas Kaufmann. Geboren in München. Geb. 1969. Zählt weltweit zu den bedeutendsten Tenören seiner Zeit. Zahlreiche Preise und CDs. Seit 2024 ist er Intendant der Tiroler Festspiele in Erl. Er wohnt seit fünf Jahren mit seiner Frau Christiane Lutz, einer Regisseurin, in Salzburg. Nächste Pläne: u.a. Ende Oktober/Anfang November Wiener Staatsoper („Otello“) und 13./15. November „Tosca“ in New York
Taggenbrunner Festspiele. Heute, 20 Uhr. Ausverkauft!
Seit 2024 sind Sie auch Intendant bei den Tiroler Festspielen in Erl. Wie geht es Ihnen damit?
Das macht mir unglaublich viel Freude, weil ich hier vieles bewegen kann und weil wir ein begeisterungsfähiges, großartiges Team haben. Zu Beginn war es für mich eine große Herausforderung, jetzt ist es eine große Bereicherung. Und wir haben große Erfolge beim Publikum. Nächstes Jahr zu Ostern singe ich hier wieder die Titelpartie in Wagners „Parsifal“.
Jetzt geben Sie in Taggenbrunn einen Liederabend. Was schätzen Sie an Liederabenden?
Ein Liederabend ist die Königsdisziplin für jeden Sänger. Man steht allein mit dem Pianisten auf der Bühne und kann ganz minimalistisch und mit vielen Farben verdichtend Geschichten erzählen. Wir bieten ein wunderbares Programm mit der „Dichterliebe“ von Schumann und Liedern von Strauss und Liszt mit einem der besten Liedbegleiter, meinem Freund Helmut Deutsch, den ich seit meinen Tagen an der Münchner Hochschule kenne. Wir haben mittlerweile schon unser 30-jähriges gemeinsames Musizier-Jubiläum gefeiert. Ich freue mich schon sehr auf das Konzert.