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Expertin in der ZIB2: „Höhere Strompreise durch Rechenzentren“

Mehr Bedarf an Strom durch Rechenzentren bei gleichem Angebot könne dazu führen, dass die Strompreise steigen, sagt Ivona Brandic, Professorin an der TU Wien, in der ZiB2.

Ivona Brandic, Professorin an der Technischen Universität Wien, im ZiB2-Gespräch mit Armin Wolf
© Screenshot/ORF
Ivona Brandic, Professorin an der Technischen Universität Wien, im ZiB2-Gespräch mit Armin Wolf

Die angekündigte Novelle des sogenannten Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetzes (UVP-G) soll auch auf größere Rechenzentren abzielen. Das Thema wird nicht zuletzt aufgrund des geplanten Google-Projekts in Kronstorf (Oberösterreich) intensiv diskutiert. Derzeit sind Rechenzentren nicht direkt vom Gesetz erfasst, was sich nun ändern soll. Damit wolle man sicherstellen, „dass bei großen Vorhaben mit hohem Ressourcenbedarf die Umweltauswirkungen sorgfältig geprüft werden und eine angemessene Öffentlichkeitsbeteiligung stattfindet“, heißt es in den Erläuterungen. Aufgrund des hohen Energie- und Wasserverbrauchs hat die Debatte zuletzt auch in Österreich an Fahrt aufgenommen. Der Entwurf der Gesetzesnovelle ist seit Montag in Begutachtung.

Ivona Brandic, Professorin für High Performance Computing an der Technischen Universität Wien, betont am Dienstagabend in der ZiB2, dass es sie überrascht habe, wie groß solche Rechenzentren sind. Zwar würden Rechenzentren schon seit 50 Jahren gebaut und seien in der Regel eine nahezu unsichtbare kritische Infrastruktur. Allerdings werden Hyperscale-Rechenzentren, wie das von Google geplante in Kronstorf, modular errichtet und sind je nach Bedarf erweiterbar. Daher würden solche Rechenzentren meistens auf die grüne Wiese gebaut.

Negativbeispiel Irland

Ob es genügend Strom und Netzkapazität in Österreich gebe, sei schwierig zu sagen, so Brandic. Österreich müsse bereits jetzt zu einem Teil Strom importieren. Allerdings wird die erneuerbare Energie ausgebaut. Den zusätzlichen Strombedarf in Österreich durch Rechenzentren könne sie nicht abschätzen. Als Negativbeispiel nennt Brandic Irland, wo ein Viertel des Stroms von Rechenzentren, die mit Steuervorteilen ins Land geholt wurden, verbraucht wird.

Steigende Strompreise sind zu erwarten

Ob zu erwarten sei, dass durch die enorme Nachfrage auch der Strompreis für die Allgemeinheit steigt? „Wenn man sich die Marktmechanismen anschaut, ist das durchaus zu erwarten“, sagt Brandic. Mehr Bedarf bei gleichem Angebot könne natürlich dazu führen, dass die Strompreise steigen.

„Extrem ressourcenschonende KI“

Der enorme Strombedarf von KI bzw. Large Language Models (LLM) sei eine Folge der vielen mathematischen Operationen, die solche Modelle ausführten. Es gebe aber auch „extrem ressourcenschonende KI“, etwa Modelle, die in der Industrie eingesetzt werden. Es sei zu erwarten, dass KI-Rechenzentren in 20 oder 30 Jahren deutlich kleiner ausfallen werden als heute, so Brandic. Oder auch ganz anders errichtet werden als derzeit: Man könne Rechenzentren etwa quasi an Satelliten andocken, „daran arbeiten wir“, so Brandic. Rechenzentren könnten aber auch unter Wasser oder unter der Erde gebaut werden, damit sie de facto „verschwinden“. Ein riesiges Rechenzentrum wie jenes in Kronstorf, so groß wie 15 Praterstadien nebeneinander, werde man dann nicht mehr brauchen.