Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Familien sollen immer mehr leisten – und gleichzeitig mehr arbeiten

Peter Mender
Familie, Kinderbetreuung und Beruf: Eltern sollen heute vieles gleichzeitig unter einen Hut bringen
© Ute Grabowsky / Imago
Familie, Kinderbetreuung und Beruf: Eltern sollen heute vieles gleichzeitig unter einen Hut bringen

Peter Mender über die wachsenden Erwartungen an Familien – und darüber, was Familienpolitik stattdessen leisten sollte.

„Bei uns herrscht ein verkrustetes Familienbild“, kritisiert Wirtschaftskammerpräsidentin Martha Schultz und fordert Investitionen in die Vereinbarkeit, damit Mütter schneller wieder Vollzeit erwerbstätig sein können. Dass viele Eltern bewusst Teilzeit arbeiten, um mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen zu können, bleibt dabei unerwähnt.

„Kinderbetreuung würde ich nicht als Arbeit sehen“, erklärte wiederum Bundeskanzler Christian Stocker – und entschuldigte sich nach einem Entrüstungssturm. Bemerkenswert war, wer sich auch empörte: Politische Lager beispielsweise, die Forderungen nach stärkerer finanzieller Anerkennung von Care-Arbeit gerne als „Herdprämie“ abtun, entdeckten plötzlich den Wert unbezahlter Familienarbeit.

Die Familie als Reparaturwerkstatt

Ohnehin scheint die Familie zunehmend zur Reparaturwerkstatt der Gesellschaft zu werden. Eltern sollen die Defizite des Bildungssystems ausgleichen, Integrationsaufgaben übernehmen und Alternativen zu den immer aggressiver werbenden Online-Angeboten bieten.

Eltern sollen betreuen, bilden, Medienkonsum kontrollieren – und gleichzeitig möglichst umfangreich dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Die Familie als eierlegende Wollmilchsau.

Eine starke Familienpolitik sollte nicht fragen, was Familien für die Gesellschaft leisten können, sondern was die Gesellschaft tun kann, damit Familien gut leben können.

— Peter Mender

Wer soll sich da noch zutrauen, eine Familie zu gründen? 2025 sank die durchschnittliche Kinderzahl in Österreich auf 1,30 pro Frau – ein historischer Tiefststand. Vielleicht sollte man sich angesichts dessen auch fragen, wie einladend eine Gesellschaft auf junge Leute wirkt, die ihnen schon vor dem ersten Kind erklärt, was sie danach alles leisten sollen und worauf sie verzichten müssen. Eine starke Familienpolitik sollte deshalb nicht fragen, was Familien noch alles für die Gesellschaft leisten können, sondern was die Gesellschaft tun kann, damit Familien gut leben können.

Peter Mender ist Unternehmensberater, Autor und seit 2023 Präsident des Katholischen Familienverbandes.