Graz ist bei Wohneigentum unter den günstigsten Hauptstädten
Eine Erhebung von Raiffeisen Immobilien zeigt: Nur in St. Pölten und Eisenstadt bekommt man Wohnungen günstiger als in Graz.
Ein Neubau in Bestlage in St. Peter, umgeben von Grün – nobel wohnen auf 76 Quadratmetern mit einer ebenso großen Terrasse. Zugegeben, eine halbe Million Euro braucht man auf der hohen Kante, damit dieser Wohntraum wahr wird. Wenngleich der Preis den einen oder anderen schlucken lassen dürfte: In Graz wohnt man im Vergleich zu den meisten anderen Landeshauptstädten Österreichs günstig.
3600 Euro kostet der Quadratmeter einer neuen Grazer Eigentumswohnung im Schnitt. Günstiger sind nur Eisenstadt mit 3400 und St. Pölten mit 2800 Euro. Am anderen Ende führt Innsbruck die Liste mit 6400 Euro pro Quadratmeter an, gefolgt von Salzburg und Wien mit jeweils 5500 Euro.
Raiffeisen Immobilien Steiermark hat die Erhebung der Quadratmeterpreise durchgeführt. Berücksichtigt wurden die Verkäufe im ersten Halbjahr 2026. Es handelt sich nicht etwa um Angebots-, sondern um tatsächlich erzielte Kaufpreise, erklärt der Grazer „Raiffeisen Immobilien“-Chef Andreas Glettler.
Preise bleiben stabil
Zahlen der Statistik Austria zeigen: Trotz hoher Baukosten bleiben die Wohnungspreise in Graz auf einem stabilen Niveau. Während der Durchschnittspreis für Eigentumswohnungen in Graz seit 2015 nur mit der Inflation mitgewachsen ist, hat er etwa in Linz oder Salzburg im selben Zeitraum teils deutlich mehr angezogen.
Das sei eine Eigenheit von Graz, meint Andreas Glettler, Geschäftsführer von Raiffeisen Immobilien Steiermark. Graz habe immer ein großes Angebot gehabt, mittlerweile sei es aber rückläufig. 2024 verzeichnete Graz beim Wohnbau einen Bauproduktionswert von 423 Millionen Euro – ein Rückgang um elf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2025 pendelte sich der Wert auf diesem Niveau ein. Für das laufende Jahr prognostiziert die Bauvorschau der Wirtschaftskammer einen Anstieg um drei Prozent.

Bauvorhaben werden teurer
Auch wenn der Preis für Wohnungen in den vergangenen Jahren stabil war, die Baukosten in der Steiermark steigen. Zinsen sind hoch und Kredite sind teurer. Dadurch wird es auch schwieriger, Wohnungen zu finanzieren. Wegen hohen Schuldenquoten von Staaten sowie der unter anderem durch die Energiepreise getriebenen hohen Inflation sei in naher Zukunft nicht mit niedrigeren Zinsen zu rechnen, erklärt Robert Hill. Der Makroökonom forscht an der Uni Graz zum Immobilienmarkt.

Gleichzeitig ist mit steigendem Bedarf zu rechnen. Graz erlebt Zuzug. Das erhöht den Bedarf nicht nur an Wohnraum, sondern auch an Infrastruktur wie Schulen, erklärt Hill. Das Problem sei in Österreich aber kleiner als in vielen anderen Ländern, meint der Volkswirtschafter. Vor allem Wien sei ein Best-Practice-Beispiel. Im europäischen Vergleich wohnt man dort sehr günstig, vor allem verglichen mit anderen Metropolen wie Paris oder London, wo Wohnraum wesentlich teurer ist.
Preistreiber Bürokratie
Ein weiterer Faktor, der die Preise für Bauvorhaben in die Höhe treibt, ist der hohe Verwaltungsaufwand. „Dokumentationen und Bürokratie verursachen Aufwand, der am Ende nicht dazu beiträgt, dass ein Bau fertig wird“, kritisiert Josef Gasser von der Landesinnung Bau der steirischen Wirtschaftskammer. Mit einer umfassenden Deregulierung könne man Kosten senken, ohne an Produktivität einzubüßen, sagt er.

Den „Einstieg ankurbeln“
Um die Leistbarkeit in Zukunft trotz höherer Kosten zu erhalten, gebe es einige Stellschrauben, an denen man drehen könne, findet Glettler. Das beginne mit einem Überdenken der Raum- und Bauordnung. „Man muss sich fragen, ob man nur in die Höhe baut oder sich auch nach außen mehr Platz nimmt. Wo man mehr unterbringt, kann man günstigeren Wohnraum schaffen“, erklärt er. Das widerspricht allerdings der Strategie in der Stadtentwicklung, die Graz seit vielen Jahren verfolgt: nachverdichten und höher bauen, um Grünraum schaffen und erhalten zu können.
Außerdem brauche es ein Überdenken der bestehenden Förderschienen, so Glettler. „Das Ziel muss es sein, den Einstieg in die Eigentumsbildung anzukurbeln.“
Der dritte Punkt, an dem man ansetzen kann, sind Regulierungen. Gerade in der Steiermark würden Bauvorhaben viel zu lange dauern, bis sie zur Umsetzung kommen. Das verursache eine Zinslast, die Bauunternehmer weitergeben, sagt Glettler. Aktuell arbeitet das Land Steiermark an einer Neuregulierung der Bauordnung. Im Zentrum soll Deregulierung stehen – in welcher Form, ist derzeit aber noch offen.