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„Im Blindflug“: 21 Menschen starben im Vorjahr durch Ablenkung

Bei einer Aktionswoche erleben 500 steirische Schüler, welche Folgen Ablenkung im Straßenverkehr haben kann. Polizei strafte heuer schon 12.000 „Handyfonierer“ am Steuer.

In der „Safety-Box“ erleben die Schülerinnen und Schüler die Folgen von Ablenkung im Straßenverkehr
© KFV/APA-Fotoservice/Michael Fiedler
In der „Safety-Box“ erleben die Schülerinnen und Schüler die Folgen von Ablenkung im Straßenverkehr
Wilfried Rombold
Redakteur Steiermark-Ressort

Lässig steht Moritz auf dem E-Scooter, eine Hand am Lenker, in der anderen das Handy und über den Ohren sitzt ein Kopfhörer. Das Auto, das von rechts aus der Seitengasse auf ihn zurollt, bemerkt er zu spät. Schon ist es passiert. „Aber ich habe überlebt“, stellt der Schüler der Mittelschule Ursulinen in Graz nüchtern fest, als ihm der Unfallhergang noch einmal aus der Vogelperspektive gezeigt wird. Es war zum Glück nur eine Simulation in der neuen „270-Grad-Safety-Box“ des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KfV), die Moritz zum Sturzpiloten werden ließ. Die Botschaft kam jedoch an: Der Blick aufs Handy kann im Straßenverkehr lebensgefährlich sein.

Knapp 500 steirische Schülerinnen und Schüler der 7. bis 9. Schulstufe durchlaufen dieser Tage im Grazer Messecenter den interaktiven Parcours des KfV im Rahmen der Schwerpunktwoche Ablenkung im Straßenverkehr. Gerade weil diese Altersgruppe noch keinen Führerschein besitzt, ist sie für Maria Knauer-Lukas, Leiterin der Verkehrssicherheit beim Land, in der Präventionsarbeit so wichtig. „Zwischen Volksschule und Fahrschule klafft hier eine große Lücke“, so die Expertin. Bei Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner stößt die Präventionswoche jedenfalls auf Zuspruch: „Die Aktion fördert nicht nur das Bewusstsein für sichere Mobilität, sondern stärkt auch den Teamgeist“, betont sie.

Risikofaktor Ablenkung

1777 Unfälle mit Personenschaden 2025 in der Steiermark hatten Ablenkung bzw. Unachtsamkeit als Hauptursache. Dabei wurden 2084 Menschen verletzt und 21 getötet.

Rund 15 Prozent aller Verunfallten bei Ablenkungsunfällen sind zwischen 15 und 19 Jahre alt.

Im Schnitt starben zuletzt in Österreich jedes Jahr 108 Verkehrsteilnehmer durch Ablenkung.

Auch durch den Boom der E-Scooter spielen junge Menschen im Unfallgeschehen eine immer größere Rolle. Dazu kommt, dass Ablenkung bzw. Unachtsamkeit für fast ein Drittel der Verkehrsunfälle Hauptursache ist. Konkret waren das im Vorjahr nach Erhebungen des KfV in der Steiermark 1777 Unfälle, bei denen 2084 Personen verletzt und 21 getötet wurden. Den Löwenanteil der schweren Unfälle verursachen freilich Pkw-Lenker. Elektronische Helferlein, riesige Touchscreens im Cockpit und natürlich das Smartphone lenken die Aufmerksamkeit von der Straße ab. Vor allem das Handy würde geradezu zu Fehlverhalten einladen, sagt Oberst Klaus Rexeis von der Landesverkehrsabteilung der Polizei.

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Christian Schimanofsky (KFV), Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner, Maria Knauer-Lukas (Land), Oberst Klaus Rexeis (LVA)
Christian Schimanofsky (KFV), Bildungsdirektorin Elisabeth Meixner, Maria Knauer-Lukas (Land), Oberst Klaus Rexeis (LVA) © KFV/APA-Fotoservice/Michael Fiedler

Im Blindflug unterwegs

So hat der KfV erhoben, dass österreichweit im Jahr rund 120.000 Nachrichten aus dem fahrenden Auto heraus verschickt werden. KfV-Direktor Christian Schimanofsky rechnet vor: „Schon bei einer angenommenen Geschwindigkeit von 50 km/h sind die Autofahrer damit insgesamt 3300 Kilometer im Blindflug unterwegs.“ Der Mensch sei aber nur bedingt Multitasking-fähig. „Man kann in einer Gefahrensituation nur dann richtig reagieren, wenn man mitbekommt, was rundherum passiert.“

Heuer schon 52 Verkehrstote

Mit einem 19-jährigen Autolenker, der Samstagfrüh bei Eggersdorf frontal in ein Mehrparteienhaus gekracht war, zählt die Steiermark heuer bereits 52 Verkehrstote. Das sind um 12 Opfer mehr als im Vergleichszeitraum 2025.

Bei der Landesverkehrsabteilung habe man bereits auf diese Trendlinie reagiert, sagt Oberst Klaus Rexeis. Es gebe vermehrt Schwerpunktaktionen, sowohl mit uniformierten Kräften als auch mit Zivilstreifen.

Als Erklärung für die gestiegene Unfallzahl sieht man bei der Polizei auch die lange Schönwetterphase im Sommer, was zu verstärkten Ausflugsfahrten führte. So war der Anteil an verunglückten Motorradlenkern überdurchschnittlich hoch. Im langjährigen Schnitt befinde man sich aber bei den Unfallzahlen „in der Mitte“.

Dass Erwachsene für ihren Nachwuchs in dieser Sache oft keine Vorbildwirkung haben, erlebt die Polizei in täglich ihrer Arbeit, sogar bei der Schulwegsicherung „Mir berichten Kollegen, dass sie immer wieder Eltern mit dem Smartphone in der Hand erwischen“, erzählt Oberst Rexeis. Er klärt auf: Jegliche manuelle Verwendung des Handys ist am Steuer untersagt, auch wenn man bei Rotlicht an der Ampel wartet. Wird die Polizei auf das Vergehen aufmerksam, wird gestraft – heuer besonders oft: Mehr als 1000 Anzeigen und 12.000 Organmandate stehen bereits in der Bilanz. Bei einer Mindesstrafe von 100 Euro (Organmandat) zahlten die „Handyfonierer“ damit heuer schon rund 1,3 Millionen Euro in die Strafkasse.