Suche
Kleine Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen.

Kapfenberger Gastro-Legende: Nun zieht „der Kaiser“ um

Nach über fünf Jahrzehnten verabschiedet sich Gastronom Ewald Harrer aus der Region und beginnt mit seiner Gattin Margit einen neuen Lebensabschnitt in Fürstenfeld.

Als Kaffeeliebhaber besuchte Harrer am Tag oft bis zu sieben Kaffeehäuser in der Region
© Stelzer
Als Kaffeeliebhaber besuchte Harrer am Tag oft bis zu sieben Kaffeehäuser in der Region

Ob auf der Burg Oberkapfenberg, im Hotel Böhlerstern, im K+K-Restaurant „Zum Kaiser Franz Joseph“: Der mittlerweile 74-jährige Ewald Harrer hat die Gastronomie in der Region geprägt wie kaum ein anderer. Sein Erfolgsrezept war stets einfach: Jeder Gast sollte sich wie ein Stammgast fühlen. „Stammgäste zu gewinnen, dauert Jahre, sie zu verlieren oft nur Minuten“, sagt er.

Sein beruflicher Weg führte ihn von der Gastronomie- und Konditorlehre in Tirol, Graz und Bruck über Stationen auf internationalen Schiffen zurück in die Heimat, wo er sich selbstständig machte. Das legendäre Altstadtstüberl am Kapfenberger Hauptplatz mit seinem Billardtisch und Hans Mosers „Sperrstund´s is“ um 24 Uhr sowie das Café am Lindenplatz sind vielen bis heute in Erinnerung.

Das Fernweh führte Harrer und seine erste Gattin Elke anschließend nach Teneriffa, wo er ein Lokal betrieb und als Reiseleiter tätig war. Fünf Jahre später holte man ihn als Direktor des Hotels Böhlerstern nach Kapfenberg zurück. Danach folgten das Café Paradox, das heutige Illusion, und schließlich die Burg Oberkapfenberg. Rund 46.000 Restaurantgäste und etwa 100 Hochzeiten jährlich zeugten vom Erfolg auf der Burg.

Seine Gäste als Kaiser zu Tisch geführt

Als krönender Abschluss wurde Gastfreundschaft in den K+K-Restaurants „Zum Kaiser Franz Joseph“ in Bruck und später in Kapfenberg zur Inszenierung. In seiner Gala-Kaiseruniform führte Harrer die Gäste persönlich an den Tisch und war auch auf der Straße als „Kaiser“ anzutreffen. In 51 Jahren als Gastgeber, davon 41 Jahre selbstständig, begrüßte Harrer zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Sport. Ob Franz Vranitzky, Wolfgang Ambros, Thomas Muster, Gräfin Esterhazy oder Oskar Lafontaine. Für ihn machte aber nie der große Name den Unterschied. Jeder Gast war Gast und sollte sich auch so fühlen. Vor sieben Jahren schloss Harrer seine Türen, ein Jahr nach seinem Fest „50 Jahre Gastronomie“. Gesundheitliche Probleme zwangen ihn, leiser zu treten.

Als „Kaiser Franz Joseph“ hat Ewald Harrer seine Gäste begrüßt und persönlich an den Tisch geführt
© Fotostudio Reisinger
Als „Kaiser Franz Joseph“ hat Ewald Harrer seine Gäste begrüßt und persönlich an den Tisch geführt

Nun beginnt bald ein neues Kapitel in seinem Leben. „Der Kaiser“ zieht nach Fürstenfeld weiter. Doch etwas Wichtiges übersiedelt mit: die zehn Kaiseruniformen. Damit wird Harrer gemeinsam mit seiner Frau zumindest im Fasching als Kaiserpaar auftreten .Auch seine Liebe zur Gastronomie bleibt. Noch vor zwei Jahren belegte Harrer mit 72 Jahren einen Patisseriekurs in Feldbach. Seinen vielen Freunden und Gästen richtet er jedenfalls aus: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut!“

Ewald Harrer vor einer seiner erfolgreichen gastronomischen Wirkungsstätten, der Burg Oberkapfenberg
© Stelzer
Ewald Harrer vor einer seiner erfolgreichen gastronomischen Wirkungsstätten, der Burg Oberkapfenberg