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Forscher macht seltene Erbkrankheiten besser auffindbar

"Viele Kinder mit seltenen Erbkrankheiten durchlaufen jahrelang eine diagnostische Odyssee", sagte der österreichische Bioinformatiker Fritz Sedlazeck der APA. Er hat eine Methode entwickelt, um Problemstellen an ihrem Erbgut rasch mit hoher Erfolgsrate zu finden. Dabei werden Tausende krankheitsrelevante Genregionen bei den Betroffenen sowie ihren Eltern ausgelesen und verschiedenartigste Änderungen angezeigt, wie das Team im Fachjournal "Nature Communications" berichtet.

Neues Verfahren verheißt gezielte, rasche Gensequenzierung
© APA/AFP
Neues Verfahren verheißt gezielte, rasche Gensequenzierung

Bei der von Fritz Sedlazeck (Human Genome Sequencing Center, Baylor College of Medicine, Houston, USA) mit Kollegen entwickelten Methode wird das aus Blutproben gewonnene Erbgut der Kinder und beider Eltern jeweils mit einem Barcode versehen, also gleichsam etikettiert. Damit sind die Erbgutproben dieses "Trios" unterscheidbar und können gemeinsam sequenziert werden. Das macht das Ganze verlässlicher und günstiger, so der Forscher.

Während des Auslesens überprüft ein Computer die Erbgut-Sequenzen in Echtzeit. Wenn sie in einer Verdachtsregion für das jeweilige Krankheitsbild liegen, wird das DNA-Molekül weiter ausgelesen. Ansonsten bricht er das Auslesen für jenen Erbgutabschnitt ab und ein anderes DNA-Stück kommt dran. Auch dieses "adaptive Sequenzieren" reduziert die Kosten und führt dazu, dass die krankheitsrelevanten Bereiche öfter ausgelesen werden, sagte Sedlazeck.

Mit diesem "Trio-Barcode-Adaptiven-Sequenzieren"(TBAS)-Verfahren und der dazugehörigen Auswertungspipeline erreichten die Forscher bei dreizehn untersuchten Kinder-Eltern-Trios eine potenzielle Aufklärungsrate von 77 Prozent. "In allen fünf bereits zuvor diagnostizierten Fällen wurde die bekannte ursächliche Veränderung wiedergefunden", erklärte er: "Bei fünf der acht zuvor ungeklärten Fälle identifizierte TBAS genetische Veränderungen, die nach Einschätzung der behandelnden Ärzte die Erkrankung verursachen."

Die geschätzten Kosten für Sequenzier-Verbrauchsmaterial lagen bei nur rund einem Drittel einer herkömmlichen Sequenzierung des gesamten Genoms in langen, aussagekräftigen Abschnitten (Long-Read-Ganzgenomsequenzierung) aller drei Familienmitglieder. In Zukunft könnten damit mehr von seltenen Erbkrankheiten Betroffene zu einer verlässlichen Diagnostik kommen, so der Experte: "In Österreich alleine sind das rund eine halbe Million Menschen."

(S E R V I C E - https://dx.doi.org/10.1038/s41467-026-77535-8 )