Foto-, Medien- und Konzeptkünstlerin Margot Pilz ist 90
Der "Margot Pilz Fan Club", ein Projekt des Performance-Künstlers Michikazu Matsune, richtet ihre Geburtstagsparty erst am 10. Oktober in den Räumen der Wiener Galerie3 aus - ihren 90. Geburtstag feiert die Foto-, Medien- und Konzeptkünstlerin Margot Pilz allerdings bereits am Montag. Nicht in Wien, sondern in den Niederlanden, wo sie am 21. September 1936 in Haarlem als Tochter eines Holländers und einer Wienerin geboren wurde.

Ihre Eltern flüchteten mit ihr vor den Nationalsozialisten in die damalige holländische Kolonie Indonesien, wo sie im Zweiten Weltkrieg mit ihrer Mutter von der neuen Besatzungsmacht Japan jahrelang interniert wurde - ein traumatisches Erlebnis, das sie viel später künstlerisch aufgearbeitet hat. Doch lange traute sich die an der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien ausgebildete Fotografin, die zunächst in der Werbebranche reüssierte, nicht zu, als Künstlerin zu arbeiten. "Ich habe Kunst so hoch geschätzt, dass ich mir gedacht habe: Das kannst du nie!"
Erst durch den feministischen Aufbruch der 1970er, bei dem sie im Zuge einer Verhaftung beim dritten Frauenfest 1978 radikalisiert wurde, bekam sie genügend Antrieb, ihre Arbeit auch als künstlerisch zu verstehen. "Ich hab das Patriarchat und seine Wut gespürt", schilderte sie erst kürzlich bei der Eröffnung der noch bis 23. Oktober laufenden Ausstellung "Margot Pilz, Janne Schipper. Get Intimate" in der Galerie3.
"Sie zählt auch international zu den Galionsfiguren der feministischen Avantgarde", sagte Florian Steininger, Leiter der Kunsthalle Krems, 2021 anlässlich der Eröffnung der großen Retrospektive "Margot Pilz. Selbstauslöserin". Dort konnte ihre langjährige Beschäftigung mit Fotografie und Video, Skulptur und Installation ebenso nachvollzogen werden wie ihre frühen Experimente mit Computerkunst, nachdem sie 1986 ihren ersten Amiga-Computer kaufte. Eine Installation erinnerte an ihre legendäre Arbeit "Kaorle am Karlsplatz" bei den Wiener Festwochen 1982, die 2026 anlässlich der 2. Klima Biennale Wien ein Revival erfuhr. Vorreiterin und Zeitgenossin - beides trifft auf Pilz zu.
Wer sich so viel jugendlichen Elan bewahrt hat, stellt sich auch dem Fortschreiten der Zeit mit Witz und Offenheit. "Seit 20 Jahren betreibe ich Forschung über das Alter", erklärte sie. Dass sie dabei ihren eigenen Körper und seine Veränderungen in aller Offenheit dokumentiert, hat sie auch zur gefragten Künstlerin für Ausstellungen wie "Die Kraft des Alters" 2017 im Unteren Belvedere gemacht und ihrem Werk neuen Schwung verliehen.
Bei ihrer Ausstellung im Künstlerhaus Bregenz nahm 2025 eine an sternförmig zusammenführende Fäden gehängte Briefsammlung an "My dead Lovers" eine zentrale Position ein. Sie hat nicht nur einige ihrer Liebhaber, sondern auch viele der einstigen Neider überlebt: "Jetzt, wo ich alt bin, gibt's keinen Neid mehr. Jetzt geht's mir wirklich gut. Ich hab' erreicht, was ich wollte."