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"Mit Abstand größter" La-Tène-Zeit-Eisenfund kommt aus OÖ

"Ein echter Glücksfall für die Archäologie" nahm bei Baggerarbeiten in einer Kiesgrube im oberösterreichischen Deinham seinen Ausgang. Zum Vorschein kamen rund 500 Eisenbarren mit einer Tonne Gesamtgewicht. Im Fachjournal "Antiquity" berichtet nun Hauptautor Peter Trebsche von der Universität Innsbruck, dass das Metall in der Eisen- bzw. La-Tène-Zeit zwischen 300 und 100 vor Christus gefertigt wurde. Der "mit Abstand größte derartige Fund in Europa" gibt viele neue Einblicke.

INNSBRUCK - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Peter Trebsche, Universität Innsbruck/Peter Trebsche
© APA/Peter Trebsche, Universität Innsbruck
INNSBRUCK - ÖSTERREICH: FOTO: APA/APA/Peter Trebsche, Universität Innsbruck/Peter Trebsche

In dem Fall habe einfach alles zusammengepasst, erklärte Trebsche, der die Publikation zu den Analysen und Radiokarbondatierungen der 2019 gehobenen Funde zusammen mit Marion Berranger von der Université de Technologie de Belfort Montbéliard (Frankreich) vorlegt, im Gespräch mit der APA. "Die Arbeiter im Kieswerk sind auf die vielen rostigen Stücke im Kies aufmerksam geworden und hatten schon Verdacht geschöpft", erklärte der Wissenschafter. Die eigenartige Form - die Barren sind zu den Enden hin markant zugespitzt - unterscheidet sich von so manchem sonstigen Altmetall.

Die Besitzerin des Werkes hat "den Wert erkannt" und, genau wie in solchen Fällen vorgesehen, den Fund dem Bundesdenkmalamt (BDA) gemeldet. Auf Basis erster Fotos fuhren dann Trebsche und ein Experte des BDA umgehend ins Eferdinger Becken: "Ich habe sofort Verdacht geschöpft, dass das eisenzeitliche Barren sind, weil dieser Typus mit dem Fachnamen 'Doppelspitzbarren' schon bekannt ist." Allerdings wurden nie auch nur annähernd so viele an einem Ort gefunden. Der größte Fund bisher aus der Zeit vom 8. Jahrhundert v. Chr. bis zum Beginn unserer Zeitrechnung waren rund 300 Kilogramm solcher Barren im Rheinland.

Nachdem in dem Kieswerk gleich neben dem Donau-Hauptarm klar war, was man gefunden hatte, habe die Belegschaft des Unternehmens mit großem Eifer weiter gesucht. So kam man in wenigen Tagen auf 500 Objekte, die im Kies eines im Mittelalter verlandeten Seitenarmes der Donau lagen. Es muss sich um die Fracht eines Bootes gehandelt haben, das vor über 2.000 Jahren auf der Donau havarierte. Etwaige Reste des Bootes fanden sich aber auch bei archäologischen Tauchgängen vor Ort nicht, erklärte Trebsche. Die Barren kamen dann längere Zeit an die Uni Innsbruck zur Untersuchung und gingen danach als Schenkung an das Landesmuseum Oberösterreich, wo sie aufbewahrt und möglichst vor weiterem Verrosten bewahrt werden.

Im "ersten Schwung der Analysen" konnte man mittels Radiokarbondatierungen den "rostigen Schatz" zeitlich einordnen - eine Möglichkeit, die es für Eisenfunde erst seit wenigen Jahren gibt, wie der Archäologe erklärt. Künftig möchte man auch klären, woher das wertvolle Rohmaterial für Schwerter, Sensen, Schmuck und allerlei andere in der La-Tène-Zeit (Mitte des 5. bis 1. Jahrhunderts v. Chr.) begehrte Endprodukte genau kam. Da eine so schwere Fracht nicht weit stromaufwärts befördert werden konnte, gehen die Forschenden davon aus, dass das Eisen aus Bayern stammt.

Hier kommen mehrere bereits stadtähnliche keltische Siedlungen - genannt Oppida - in Frage. So etwa das heutige Manching nahe Ingolstadt, wo Eisenverhüttung nachgewiesen ist. "Das liegt gut 250 Kilometer stromaufwärts und steht im Zentrum unserer Hypothese", so Trebsche. Über Spurenelemente ließe sich die Lagerstätte identifizieren, aus der das Metall kam, und nachweisen, ob etwa alle Barren aus derselben Schmiede stammen.

Dass Eisen offenbar in derartigen Mengen gehandelt und verschifft wurde, überrascht die Expertinnen und Experten. "Das belegt, wie groß die Produktionskapazitäten schon waren", so Trebsche, der davon ausgeht, dass solche Handelsfahrten immer wieder stattgefunden haben müssen.

Man frage sich, wie das Handelsvolumen in jener Zeit auf einmal so stark ansteigen konnte. Der Schlüssel scheint im Aufkommen des Münzwesens zu liegen. Wahrscheinlich über keltische Krieger, die im Mittelmeerraum aktiv waren, kam das Know-how der Münzprägung und des Geldwesens damals auch in den Donauraum. Das ist wirtschaftsgeschichtlich hochinteressant, weil es die Grundvoraussetzung dafür ist, solche großen Transaktionen über weite Strecken durchführen zu können. So wäre es schwer denkbar, dass der Gegenwert für eine Tonne Eisen etwa in Form von Getreide auf dem Weg des Tauschhandels abgelöst worden wäre, so der Archäologe. So hat die Innovation des Münzgeldes durch ihre Hebelwirkung die Produktion gesteigert, was letztlich indirekt zu dem laut Trebsche "spektakulären" Fund von Deinham führte.

(S E R V I C E - https://doi.org/10.15184/aqy.2026.10404 )