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Tür für erste Bischöfe-Generalsekretärin kurz offen

Nach dem vorzeitigen Rückzug von Peter Schipka als Generalsekretär der Bischofskonferenz eröffnet sich - auch wenn nur für sehr kurze Zeit - eine seltene Gelegenheit: Erstmals könnte der Weg für eine Frau in ein hohes Amt der katholischen Kirche in Österreich geebnet werden. Sehr wahrscheinlich ist dies allerdings nicht: Laut Statuten kann derzeit nur ein geweihter Priester Generalsekretär werden. Und auch sonst sind die Reaktionen auf eine weibliche Besetzung noch verhalten.

Bischöfe-Generalsekretär Schipka wechselt seinen Job
© APA/HERBERT NEUBAUER
Bischöfe-Generalsekretär Schipka wechselt seinen Job

Erst Mitte September hatte Schipka per Aussendung angekündigt, mit Ende November auf eigenen Wunsch vorzeitig sein Amt zurückzulegen. Er übernimmt mit 1. Dezember eine Professur an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule (KPH) Wien/Niederösterreich. Die Mitglieder der Bischofskonferenz waren dem Vernehmen nach bereits vor einem Jahr von ihm informiert worden, dass er nicht mehr die volle Amtszeit von sechs Jahren zur Verfügung stehen wird.

Schipka ist seit März 2011 Generalsekretär der Bischofskonferenz und wurde zwei Mal wiedergewählt. Der promovierte Theologe und Jurist hegte schon seit längerem den Wunsch, wieder in den Hochschulbetrieb zurückzukehren. Zerwürfnisse dürfte es nicht gegeben haben. Auch mit der Ernennung von Josef Grünwidl zum neuen Erzbischof in Wien dürfte es keinen Zusammenhang geben. Ohnehin ist derzeit dessen Salzburger Kollege, Franz Lackner, Vorsitzender der Bischofskonferenz.

Lackner obliegt auch die Aufgabe, einen Nachfolger für Schipka zu finden. Auf seinen Vorschlag wird ein Kandidat zur Wahl gestellt, der eine einfache Mehrheit in der Bischofskonferenz erhalten muss. Laut APA-Informationen gibt es noch keinen offiziellen Favoriten für die Aufgabe, die Zeit drängt aber: Gewählt werden soll Schipkas Nachfolger bei der Herbstvollversammlung des Episkopats, das sich dafür von 9. bis 12. November in Salzburg trifft.

Zu den Aufgaben des Generalsekretärs zählen nicht nur die Vorbereitung der Vollversammlung sowie die daraus resultierende Nacharbeit. Er ist auch der Link der Amtskirche zur Politik, eine heikle Aufgabe aufgrund der Trennung von Kirche und Staat. Unter anderem formuliert das Generalsekretariat etwa Begutachtungsstellungnahmen zu Gesetzen, das immer im Einvernehmen mit dem jeweils zuständigen bischöflichen Referenten.

Unfreiwillige Bekanntheit über Kirchenkreise hinaus erlangte Schipka in diesem Zusammenhang im Zuge des parlamentarischen Untersuchungsausschusses zur Causa Ibiza. Dort behandelte Chats des damaligen Generalsekretärs im Finanzministerium, Thomas Schmid, mit Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) berichteten von einem Treffen mit dem Bischöfe-Generalsekretär, bei dem angekündigt worden war, "Steuerprivilegien" der Kirche zu durchforsten und dabei "Vollgas" zu geben. Schipkas Reaktion laut Schmids Chat-Nachricht: "Er war zunächst rot dann blass dann zittrig."

Aber auch kirchenpolitisch ist das Amt des Generalsekretärs der Bischofskonferenz ein diskutiertes Thema: Nicht zwangsläufig muss dies durch einen Mann besetzt sein, wie Beispiele etwa aus Skandinavien und den Niederlanden zeigen. Die Statuten des österreichischen Episkopats sehen allerdings die Priesterweihe vor. Eine Änderung bis zur Vollversammlung im November ist nur schwer denkbar, zumal eine solche auch im Vatikan abgesegnet werden müsste. Dies könnte erfahrungsgemäß einige Zeit beanspruchen.

Druck, den Weg für weibliche Kandidatinnen frei zu machen, besteht schon seit längerem. Und auch anlässlich Schipkas Rückzug forderte die Katholische Frauenbewegung (kfbö) eine Öffnung des Amts für qualifizierte Laien. Der bevorstehende Wechsel sei ein Anlass, die Statuten zu ändern, meinte kfbö-Vorsitzende Angelika Ritter-Grepl. Zuvor hatte das neu gegründete Netzwerk Frauen.Führen.Kirche auf strukturelle Änderungen gepocht. Das Generalsekretariat der Bischofskonferenz müsse nicht zwingend männlich besetzt sein, betonten die Initiatorinnen.

Noch zeigen sich die Bischöfe aber zurückhaltend, den Ball aufzunehmen. Zwar meinte Erzbischof Lackner jüngst im APA-Interview, er könne sich grundsätzlich eine Frau im Generalsekretariat vorstellen. Und auch auf die Frage, ob etwas gegen eine Statutenänderung spreche, meinte er schlicht: "Nein". Schipka selbst äußerte sich aber nur verhalten: "Wer einmal mir nachfolgt, das entscheiden andere."