Neue Rekrutierung: Steirische Polizisten als Leihgabe für Wien
Die Polizei startet eine neue Rekrutierungsoffensive. Mit „Wien auf Zeit“ sollen vorübergehend mehr Beamte aus den Bundesländern nach Wien gebracht werden.
Wer sich als Polizist einmal aus einem Bundesland nach Wien versetzen lässt, der hat schlechte Chancen wieder in sein Heimatbundesland zurückzukehren. Das war bisher die weit verbreitete Meinung unter vielen Polizistinnen und Polizisten.
Nicht ganz unbegründet. Denn in Wien fehlt Personal und die Warteliste für Polizistinnen und Polizisten, die sich aus Wien in ein anderes Bundesland versetzen lassen möchten, ist lang. Etwa 500 Beamtinnen und Beamte stehen auf dieser Warteliste. Eine tatsächliche Versetzung ist, wie die Polizei selbst mitteilt, aufgrund des hohen Personalbedarfs in Wien derzeit aber sehr selten.
Fünf Jahre Wien, dafür eine Garantie auf Rückkehr
Genau hier setzt eine neue Initiative der Polizei an. Sie trägt den Namen „Wien auf Zeit“ und der Name ist Programm. Konkret werden in den Bundesländern zusätzlich Polizeianwärterinnen und -anwärter rekrutiert, die sich verpflichten, nach ihrer Ausbildung die ersten fünf Jahre ihren Dienst in Wien zu versehen. Danach können sie garantiert in ihr Heimatbundesland zurückkehren.

Wer nach den fünf Jahren doch mehr Erfahrung in Wien sammeln möchte, kann noch um zwei Jahre verlängern und erst nach sieben Jahren in das Heimatbundesland zurückkehren. Wer aus beruflichen oder persönlichen Gründen permanent in Wien bleiben möchte, kann sich fix versetzen lassen. Dann verfällt allerdings das Rückkehrrecht in das eigene Heimatbundesland. „‘Wien auf Zeit‘ soll mehr Aufnahmen bei der Polizei sicherstellen. Das bringt kurzfristig mehr Sicherheitskräfte für Wien und mittelfristig für ganz Österreich“, sagt Innenminister Gerhard Karner.
Stellen werden zusätzlich zu jenen in den Bundesländern vergeben
Die Aufnahme für diese Stellen findet unabhängig von jener der sowieso vorhandenen Stellen in den Bundesländern statt. Erstmals rekrutiert wird im Dezember 2026. Die ersten dafür ausgebildeten Polizistinnen und Polizisten werden nach ihrer zweijährigen Ausbildung im Dezember 2028 in Wien ihren Dienst antreten.
Laut Polizei soll das System eine Win-Win-Situation sowohl für Wien als auch für die Bundesländer werden. Denn Wien erhält zusätzliche Polizistinnen und Polizisten und die Bundesländer bekommen nach fünf Jahren Beamtinnen und Beamte mit Großstadterfahrung zurück. „Dieses Wissen und diese Praxis bei der täglichen Polizeiarbeit werden der Sicherheit in der Steiermark direkt zugutekommen“, sagt Landespolizeidirektor Gerald Ortner.
Initiative schafft mehr Versetzungen aus Wien
Ein Hoffnungsschimmer ist die neue Initiative aber auch für die Beamtinnen und Beamte, die in Wien auf eine Versetzung in ein anderes Bundesland warten. Denn für einige von ihnen dürfte der Wunsch nach dem Anlaufen der Initiative in Erfüllung gehen. So sollen mindestens zehn Prozent der Zahl der über „Wien auf Zeit“ aufgenommenen Bediensteten, im Gegenzug von den Wartelisten in die Bundesländer versetzt werden.
Konkret bedeutet das: Wenn über „Wien auf Zeit“ 100 neue Beamtinnen und Beamte aufgenommen werden, werden mindestens zehn Beamte, die aktuell in Wien auf eine Versetzung in ein Bundesland warten, tatsächlich versetzt. Wie viele Personen tatsächlich aufgenommen werden, lasse sich aktuell aber noch nicht sagen, da die Rekrutierung erst im Dezember anläuft.