„Damit ein Mensch hundert Prozent leisten kann, muss er sich wohlfühlen“
Philipp Kaufmann, Head of Scouting and Recruitment beim SK Sturm, analysiert und durchleuchtet etliche Spieler anhand von Daten. Das Wichtigste für den Schweizer ist aber der Mensch.

Philipp Kaufmann sitzt ruhig auf dem Stuhl, er wirkt konzentriert, sein Blick ist zielgerichtet und dennoch entspannt. Stress-Resistenz sagt man ihm nach. Dazu später mehr. Die Übertrittszeit ist fordernd, vor allem für die sportlichen Verantwortlichen in den Klubs oft hektisch inklusive der einen oder anderen Überraschung. Kaufmann startet am 25. Juni dieses Jahres seine Arbeit als Head of Scouting and Recruitment, dementsprechend viel zu tun hatte der Schweizer in den vergangenen Wochen.
Sport-Geschäftsführer Michael Parensen holte den 32-Jährigen an seine Seite. Ein Blick auf die Sommer-Transfers zeigt, die sportliche Führung dürfte gute Arbeit geleistet haben. Joshua Quarshie, Oumar Diakite oder Valmir Matoshi sind nur drei Spieler, die bereits in Ansätzen gezeigt haben, dass sie die spielerische Qualität des SK Sturm verbessern können.
Welche Spieler haben Sie entdeckt bzw. geholt? Diplomatisch antwortet Kaufmann: „Ich bin ein Puzzleteil und versuche meinen Teil dazu beizutragen, dass wir eine gute Mannschaft haben.“
Belastungssteuerung
Aber wer ist Kaufmann eigentlich? Seine Karriere als Tormann endete in der U18, ins Profigeschäft schaffte er es nicht. Also übernahm er als 18-Jähriger den Trainerposten der ersten Mannschaft des FC Wallbach, parallel absolvierte er eine Kaufmann-Lehre, arbeitete während des Studiums beim Vater in einem Malerbetrieb, machte die Matura nach und studierte in München Sportmanagement- und Wirtschaft. Belastungssteuerung gab es für ihn keine, Stress-Resistenz erlernte er spätestens in dieser Lebensphase.
Beim FC Basel startete er 2017 in der Nachwuchsabteilung in der Administration und als Jugendtrainer und war er von 2018 bis 2023 als Technischer Direktor, Kaderplaner und Sportkoordinator tätig, ehe er zum VfL Osnabrück in die zweite deutsche Liga wechselte. Seine kurze Tätigkeit von März bis Dezember 2024 hat vor allem mit dem Umbruch innerhalb des Klubs zu tun. „Wir haben auf junge talentierte Spieler gesetzt. Die machten es gut, aber es fehlten die Resultate, so ehrlich muss man sein“, sagte Kaufmann.

Ehrlich spricht er auch über den Vorfall kurz vor seiner Freistellung. Er wurde vom Schiedsgericht des deutschen Fußballbundes mit einer Strafe von einem Monat Funktionssperre sowie einer Zahlung von 2000 Euro belegt. „Der vierte Offizielle verweigerte mir den Handschlag und ich klopfte ihm auf die Schulter. Von einer Tätlichkeit kann also keine Rede sein“, erklärte Kaufmann. Dies bestätigte schlussendlich auch Oskar Riedmeyer, Vorsitzender des DFB-Bundesgerichts. Das mediale Echo war laut, um ihn ist es leise geworden.
Zurück ins Profigeschäft
Er nutzte die Zeit, um seinen Militär/Zivildienst in der Schweiz abzubauen, dem er aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit in Deutschland nicht nachkommen und damit verschieben konnte. Parensen holte ihn zurück in den Profifußball. Ob sich dieser Transfer ausgezahlt hat, kann man noch nicht abschließend beurteilen. Denn. „Wir sind zum heutigen Zeitpunkt sehr zufrieden mit den umgesetzten Transfers und dem aktuellen Kader. Für eine fundierte Beurteilung braucht es für mich analog zum Scoutingprozess, eine Beobachtungszeit von mehreren Monaten“, erklärt Kaufmann, der die gute Zusammenarbeit im Klub lobt. „Das ist wirklich top hier“, sagt er.
Spieler zu finden, ist eine umfangreiche Arbeit aus Videoscouting, Livescouting und Daten. Das Wichtigste bleibt aber der persönliche Umgang mit dem Menschen. „Wir haben nichts von einem Spieler, bei dem alle fußballerischen Parameter stimmen, er aber nicht zur Mannschaft passt. Damit ein Mensch hundert Prozent leisten kann, muss er sich wohlfühlen“, sagt Kaufmann.
Spieler als Mensch
Spieler zu finden, ist eine umfangreiche Arbeit mit Daten. Das Wichtigste bleibt aber der persönliche Umgang mit dem Menschen. „Wir haben nichts von einem Spieler, bei dem alle Parameter stimmen, er aber nicht zur Mannschaft passt. Damit ein Mensch hundert Prozent leisten kann, muss er sich wohlfühlen“, sagt Kaufmann.