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Die neuebuehnevillach lädt in den Boxring der Worte

Unterhaltsam-mahnender Saisonauftakt in der neuenbuehnevillach nach Arthur Schopenhauer: vom Recht-Behalten, ohne etwas zu sagen

Christof Wrussnig, Estha Sackl und Michael Kuglitsch
© Patrick Connor Klopf
Christof Wrussnig, Estha Sackl und Michael Kuglitsch
Karin Waldner-Petutschnig

Diese Unterrichtsstunde findet im Fitnessstudio statt: Die jüngste Produktion der neuenbuehnevillach lädt das Publikum zum Training in Sachen Rhetorik ein. Da werden in schnellem (Sprech-)Tempo Worte gedreht und gewendet, Untergriffe eingeübt und Positionswechsel perfektioniert, da wird getarnt, getäuscht und gelogen – allerdings so, dass niemand einer Lüge bezichtigt werden kann. Arthur Schopenhauers 1830 verfasster zynischer Ratgeber „Die Kunst, Recht zu behalten“ ist die Vorlage zum (fast) gleichnamigen 60-Minuten-Bühnenstück des dänischen Dramatikers und Regisseurs Rune David Grue, mit dem das Villacher Kellertheater am Freitag die neue Saison eröffnete.

Worthülsen

Man erkennt sie sofort, all die Phrasen und Worthülsen aus Politiker-Interviews in TV und Radio, die unfairen, aber schwer abzuwehrenden Attacken aus privaten Streitereien, die inhaltsleeren Behauptungen im gesellschaftlichen Small-Talk. In sechs Runden führen Regisseur Hans-Peter Kellner und sein Ensemble „38 Kunstgriffe“ vor, die das Publikum unschlagbar für jede Diskussion machen sollen. Der Sieg im jeweiligen rhetorischen Duell wird wie im Boxring mittels Gongschlags verkündet.

Estha Sackl, Michael Kuglitsch und Christof Wrussnig turnen voll motiviert durch die kurzen Szenen, setzen nicht nur ihr mündliches Vokabular ein, sondern unterhalten auch mit ausdrucksstarker Gestik und Mimik. Quasi im Handumdrehen wechseln sie von Zorn und Wut zu Gelassenheit oder auch Verunsicherung, provozieren mit verschwörerischen Blicken ins Publikum zum Lachen und ermuntern erfolgreich zu Zwischenapplaus.

Praktische Anwendung

Die Themen, über die sie diskutieren, sind aktuell. Ob der Krieg der USA gegen den Iran, der Flughafen Klagenfurt, ob Rassismus oder die Frauenquote – stets lassen sich die Tipps dieses Tutorials anwenden: Behaupte und lass die Beweise weg, verwirre mit vielen Fragen, verunsichere mit tiefsinnigem Unsinn, verdrehe dem Gegner die Worte im Mund. So diszipliniert wie das Fitness-Training läuft das Ende der provokanten Gesprächsrunden aber nicht mehr ab: Der Streit ufert aus, die Akteure verfallen in den Dialekt und gehen körperlich aufeinander los – die Visiere sind offen, die heiße Luft ist verpufft.

Zum Stück

Die Kunst, (immer) Recht zu behalten. Nach Arthur Schopenhauer von Rune David Grue. Termine bis 17. Oktober in der neuenbuehnevillach.
Karten: Tel. (0660) 95 00 066
neuebuehnevillach.at