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Ein Austro-Streamer ist allein zu klein

Peter Plaikner
Politikanalyst und Medienberater
Der Verdrängungswettbewerb hat längst begonnen
© APA
Der Verdrängungswettbewerb hat längst begonnen

Analyst Peter Plaikner über die österreichischen Perspektiven auf dem Streaming-Markt im wachsenden europäischen Aufbegehren gegen die Amerikaner.

Der Ausfall der Sommerpause infolge ORF-Überhitzung hat den Herbstauftakt nicht gebremst: Von Privatsender-Heurigen über Zukunftsforum, 4GameChangers, Servus Night und Medientagen bis zur Küniglberg-Programmpräsentation verdichtet sich die Branche innerhalb von 14 Tagen. Diese enge Abfolge der Klassentreffen ist ein gutes Stimmungsbarometer. Die herkömmlichen Medienmacher wirken endlich einig in der Feinddefinition und Gefahrenerkennung: globale Plattformen und entfesselte KI – beides im Zwiespalt von Nutzenhoffnung und Schadenbefürchtung. Der 4GameChangers-Abend verdeutlichte nationales Zusammenrücken, entlarvte aber auch Hürden zur Kooperation.

Der ORF ist seit 2022 Co-Veranstalter dieses vor zehn Jahren von der Privatsendergruppe um Puls4 gegründeten Festivals für Innovation und Digitalisierung. Mittlerweile fungiert ihr Streamer Joyn als Organisator. Dort ist der ORF ebenso an Bord wie schon beim Vorgänger Zappn, den die deutsche Puls/ATV-Konzernmutter ProSiebenSat.1 (P7S1) zugunsten ihres Markennamens einstellen ließ. Ihr gelang es vorerst nicht, ARD und ZDF zu integrieren. Das tat erst Markus Breitenecker, der vom Austro-Filialleiter zum Vorstand in München wurde. Er kaperte die Öffis einfach. Das sorgte für Ärger. Doch mittlerweile steigt das ZDF wegen Polit-Drucks ein und die ARD wird folgen. Denn Größe ist der Erfolgsfaktor für Streaming. Deshalb hat Sky UK den größten britischen Privatsender ITV erworben, Bertelsmann für sein RTL das deutschsprachige Sky und die Berlusconis die Kontrolle über P7S1.

Breitenecker musste gehen, hat sich vergeblich als ORF-Chef beworben, aber dabei eine Österreich-Plattform unter Ägide des Küniglbergs vorgeschlagen. Das ist weniger paradox, als es wirkt: Joyn funktioniert zwar und könnte neben RTL und Sky UK ein Herausforderer der US-Streaming-Giganten werden, doch es untersteht den Erben Silvio Berlusconis, dem wegen Verbindung von Politik- und Medienmacht übel beleumundeten Ex-Regierungschef von Italien. Das erschwert dem ORF Kooperation, obwohl deutsche Pendants anders agieren. Dort überlegt Medienstaatsminister Wolfram Weimer schon eine Privatisierung des ZDF.

Ohne nationale Bremspolitik hätten Öffentlich-Rechtliche via EBU ein europäisches Social Media und einen EU-Streamer schaffen können, die zudem Privaten dienen. Kleinkarierte innerstaatliche Konkurrenz und politische Inkompetenz haben die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber globalen Kolonisatoren gemindert. Nun wirkt auch ein gemeinsamer Austro-Streamer zu klein für das Match. Er braucht einen großen Partner.