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KTM-CEO Gottfried Neumeister: „Wenn du gewinnen willst, brauchst du ein Budget“

Beim KTM-Heimspiel in Spielberg ist auch CEO Gottfried Neumeister mit von der Partie. Der Österreicher sprach über die Zukunft der Motorsportsparte und die unsichere Vergangenheit.

Gottfried Neumeister mit Enea Bastianini
© KTM Media
Gottfried Neumeister mit Enea Bastianini
Matthias Janisch
Redakteur Sport

Sie sind zum ersten Mal in ihrer Funktion als CEO von KTM beim Heimrennen in Spielberg. Mit welchem Gefühl besuchen Sie den Red Bull Ring?

Gottfried Neumeister: Da ich es nur drei bis vier Mal pro Jahr an die Strecke schaffe, hoffe ich natürlich, dass ich dem Team Glück bringe. Unser Heim-Grand-Prix hat einen ganz besonderen Stellenwert. Wir sind stolz und freuen uns, dass wir als österreichisches Unternehmen um Podestplätze in der MotoGP mitkämpfen können. Es ist beeindruckend, was Red Bull hier jedes Jahr wieder auf die Beine stellt. Wir sollten in Österreich froh sein, dass wir so etwas haben. Grundsätzlich ist es schön zu sehen, dass wir als KTM im ersten Halbjahr den Turnaround geschafft haben. Zum ersten Mal seit zwei Jahren Profite zu sehen, war ein schönes Zeichen und sicher eine Erleichterung.

Wie steht es um den Hersteller KTM?

Natürlich müssen wir am Boden bleiben, zwei gute Quartale machen noch kein gesundes Unternehmen. Wir haben Anfang des Jahres ohne Beteiligung von Bajaj einen Kredit über fünf Jahre von 550 Millionen Euro zu guten Konditionen bekommen. Das gibt uns Spielraum und ist ein wichtiger Schritt, um uns zu refinanzieren. Wir haben eine Eigenkapitalquote von mehr als 20 Prozent und sind damit auf dem Papier eine gesunde Firma. Jetzt gilt es zu beweisen, dass diese Entwicklungen nachhaltig sind. Aber knapp 100.000 verkaufte Bikes im ersten Halbjahr ist eine super Zahl und wir sind auf einem wirklich guten Weg.

Ist dieser Weg langfristig haltbar?

Die Schritte, die wir gesetzt haben, sind in ihrer vollen Größe in den ersten beiden Quartalen noch gar nicht sichtbar, weil wir einmalige Kosten haben. Wir haben eine Richtung eingeschlagen, die wir halten können. Ich kann eine Firma aber nicht nur über das Sparen gesund machen. Ohne unseren loyalen Kunden und ohne unsere Händler, die uns das Vertrauen schenken, wäre das alles nicht möglich. Das Besondere ist, dass die Begeisterung für die Marke immer da war und das zeigt sich jetzt in den gestiegenen Verkäufen.

Welche Rolle spielt der Motorsport in der aktuellen Situation für die Marke?

Der Motorsport ist unsere DNA, das war immer so. Logischerweise gab es vor einem Jahr viele offene Fragen, damals stellte sich auch die Frage nach der Fortführung des Motorsports. Das hat viel Unsicherheit hineingebracht und es gab auch Gerüchte über einen Verkauf des Teams, oder zumindest Anteile davon. Deshalb war es das Wichtigste, wieder Sicherheit ins Team zu bringen und es ist klar, dass wir keine Anteile am Rennstall verkaufen werden. Wir haben einen neuen Vertrag mit der DORNA unterschrieben und wollen unbedingt den Weltmeistertitel in der MotoGP, der fehlt uns ja noch.

Wie kritisch war es damals wirklich?

Es gab wirklich viele Hindernisse, aber es haben alle alles darangesetzt, das Ganze umzudrehen. Damals sind die Jungs etwa zur Rallye Dakar gefahren und haben den Treibstoff aus eigener Kassa mit der eigenen Kreditkarte bezahlt, da alle Firmenkreditkarten gesperrt waren. Sie haben nicht einmal gewusst, ob sie bei der Rückkehr noch einen Job haben, aber genau dieses Engagement hat KTM am Leben erhalten.

Steht Bajaj hinter dem Standort Mattighofen?

Es gibt ein klares Bekenntnis für den Standort Österreich, trotz Gerüchten der Auslagerung nach Indien. Sie haben verstanden, dass wir ein österreichisches Unternehmen sind und das sollen wir auch bleiben. Wir erhöhen jetzt auch wieder unsere Produktionsmenge.

Welchen Stellenwert hat der Motorsport für den neuen Eigentümer?

Am Anfang gab es zwar nur wenig Verständnis für den Motorsport und was da dahintersteckt. Es hat auch ein paar Trips nach Indien gebraucht, um ihnen deutlich zu machen, wie wichtig er für uns ist. Wir konnten aber klar aufzeigen, dass das Motto „Gewinnen am Sonntag, verkaufen am Montag“ die Wahrheit ist. Und wenn du Rennen gewinnen willst, brauchst du auch ein gewisses Budget und eine gewisse Großzügigkeit.

Geht die Zusammenarbeit mit Red Bull über den Motorsport hinaus?

Nein. Wir haben einige Modelle, auf denen im Rahmen unserer Kooperation auch auf Serienmotorrädern Red Bull aufscheint. Darüber hinaus arbeiten wir mit dem Red Bull Media House zusammen, aber etwas Tieferes braucht man nicht vermuten. Ich bin wirklich stolz auf diese Partnerschaft und glaube, dass wir gut zusammenpassen. Wir versuchen die coolste Motorradmarke der Welt zu sein und Red Bull ist definitiv die coolste Energydrinkmarke der Welt.

Wie lauten die Pläne für die Marken GasGas und Husqvarna?

Wir haben uns definitiv entschieden, dass alle drei Marken bleiben. In den Vorjahren wurde sehr gute Arbeit geleistet diese Marken aufzubauen und nun arbeiten wir gerade daran, die Marken klar zu positionieren. Wir müssen herausfinden, wie diese Marken zukünftig nebeneinander leben können, ohne dass sie sich gegenseitig kannibalisieren. Dafür müssen wir auf unsere Kunden hören und an der Kommunikation arbeiten.

Wie interpretieren Sie Ihre Rolle als Geschäftsführer?

Ursprünglich hat mich ja Stefan Pierer ausgesucht. Bajaj hat mich während der Insolvenz kennengelernt und meinen Vertrag im Dezember bis Ende 2028 verlängert. Darüber freue ich mich sehr und ich bin auch nach wie vor sehr demütig. KTM ist eine der wenigen österreichischen Marken, die man auf der ganzen Welt kennt. Bajaj begnügt sich mit dem Aufsichtsrat und hat mir das Vertrauen geschenkt, ein eigenes Team aufzubauen. Mit Technik, Finanz sowie Marketing und Vertrieb haben wir bald einen vierköpfigen Vorstand, mit dem wir für die Zukunft gut gerüstet sind. Ich bin kein Sanierer, sondern möchte etwas Nachhaltiges aufbauen und Menschen begeistern.