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Neue Katzenart entdeckt: Leopardus tilcayo ist kleiner als unsere Hauskatze

Sie ist kleiner als eine Hauskatze und blieb über Millionen Jahre unbemerkt: In den Nebelwäldern Boliviens haben Forschende eine bislang unbekannte Wildkatzenart entdeckt.

© Alessandro Verniani/Wikimedia Commonshttps://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en

Sie ist kleiner als eine Hauskatze, lebt verborgen in den feuchten Bergwäldern der Anden und war der Wissenschaft bislang nicht als eigenständige Art bekannt: Forschende haben in Bolivien eine neue Wildkatze entdeckt. Leopardus tilcayo, kurz Tilcayo, gilt als erste lebende Katzenart, die seit mehr als hundert Jahren neu beschrieben wurde.

Die kleine Raubkatze kommt in den bolivianischen Yungas vor, einer besonders artenreichen Nebelwaldregion an den Osthängen der Anden. Mit einer Körperlänge von etwa 46 Zentimetern und einem Gewicht von rund 1,4 Kilogramm ist sie ausgesprochen klein.

Ihr Fell ist hellbraun und von auffälligen, unregelmäßigen Rosetten bedeckt. Über ihr Verhalten ist bislang nur wenig bekannt. Kamerafallen lassen darauf schließen, dass die Tiere überwiegend nachts unterwegs sind. Kotproben deuten darauf hin, dass kleine Nagetiere zu ihrer Nahrung gehören.

Jahrelang für eine andere Art gehalten

Dass die Tilcayo überhaupt als eigene Spezies erkannt wurde, ist vor allem genetischen Untersuchungen zu verdanken. Die Tiere gehören zur Gruppe der Tigerkatzen, die in Südamerika weit verbreitet sind. Diese Katzen gelten als sogenannte kryptische Arten. Damit sind Arten gemeint, die sich äußerlich so ähnlich sind, dass sie lange Zeit nicht voneinander unterschieden werden können.

Auch bei den Tigerkatzen gingen Fachleute lange davon aus, dass es sich um eine einzige Art handelt. Genetische Untersuchungen deuteten jedoch zunehmend darauf hin, dass sich hinter dem ähnlichen Aussehen mehrere eigenständige Entwicklungslinien verbergen.

Der entscheidende Hinweis kam schließlich aus Bolivien. Forschende stellten fest, dass die dort vorkommenden Tiere nicht vollständig zu den bisherigen Beschreibungen der Tigerkatzen passten.

DNA enthüllt überraschende Vielfalt

Für die aktuelle Studie untersuchte ein internationales Forschungsteam DNA-Proben von 38 Tieren aus mehreren südamerikanischen Ländern. Zusätzlich wurden acht historische Museumspräparate analysiert.

Das Ergebnis war überraschend: Hinter den bislang als Tigerkatzen zusammengefassten Tieren verbergen sich fünf genetisch klar unterscheidbare Arten. Eine davon ist Leopardus tilcayo.

Die genetischen Daten zeigen zudem, dass sich die Entwicklungslinie der Tilcayo bereits vor rund 1,4 Millionen Jahren von ihren nächsten Verwandten getrennt hat. Für Evolutionsbiologen ist eine derart lange genetische Trennung ein wichtiger Hinweis auf die Entstehung einer eigenständigen Art.

Lebte als Haustier bei einer Familie

Besonders bemerkenswert ist, wie wenig über die neue Wildkatze bekannt ist. Derzeit sind nur zwei lebende Exemplare genauer dokumentiert.

Eines davon ist ein etwa zehn Jahre altes Männchen, das heute im bolivianischen Wildtierzentrum Senda Verde lebt. Zuvor war das Tier von einer Familie als Haustier gehalten worden.

Die Forschenden beschrieben neben der neuen Art außerdem eine bislang unbekannte Unterart aus den peruanischen Yungas. Sie trägt den wissenschaftlichen Namen Leopardus tigrinus antisuyo und wurde nach Antisuyu benannt, einer Region des historischen Inkareichs.

Gefahr für die neue Art

Die wissenschaftliche Entdeckung könnte auch für den Naturschutz weitreichende Folgen haben. Tigerkatzen werden von der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) derzeit in zwei Arten geführt, die als gefährdet gelten und deren Bestände zurückgehen.

Sollten die neu identifizierten genetischen Linien künftig getrennt bewertet werden, könnte sich die Gefährdung einzelner Arten deutlich anders darstellen. Auch die Tilcayo könnte stärker bedroht sein als bisher angenommen.

Ihr Lebensraum ist jedenfalls bereits erheblichen Belastungen ausgesetzt. In den Yungas nehmen Abholzung, Landwirtschaft, Bergbau und durch Menschen verursachte Brände zu. Die Forschenden betonen deshalb die Bedeutung des Schutzes und der Vernetzung der verbliebenen Waldflächen.