„Keine Haft für 94-Jährigen“: Stronach muss nicht ins Gefängnis
Im Prozess gegen den gebürtigen Steirer und Magna-Gründer geht es um den Vorwurf sexueller Übergriffe. Richterin betonte nun: Frank Stronach kommt nicht ins Gefängnis. Das Urteil wird im Dezember erwartet.
Der wegen mehrerer Vorwürfe sexueller Übergriffe angeklagte austrokanadische Magna-Gründer Frank Stronach wird nicht ins Gefängnis kommen. Richterin Anne Molloy schloss laut Medienberichten bei einer Anhörung am Donnerstag vor dem Ontario Superior Court aus, dass der 94-Jährige Zeit im Gefängnis verbringen muss. Ein Urteil wird nun im Dezember erwartet. Die kanadische Staatsanwaltschaft hatte sechs Monate Gefängnis für Stronach gefordert.
„Ich werde keine Haft für einen Mann anordnen, der 94 ist“, sagte Molloy gemäß der kanadischen Tageszeitung „Toronto Star“. Stronach war im Juni in zwei Fällen schuldig gesprochen worden, jedoch hob die Richterin den Schuldspruch wegen sexueller Nötigung nachträglich wieder auf. Verhandelt wird damit nun nur der Schuldspruch zum „unsittlichen Übergriff“ (indecent assault). Die Staatsanwaltschaft bekämpft indes die Aufhebung des anderen Schuldspruchs.
Ursprünglich zwölf Anklagepunkte im Prozess
Ursprünglich war der Milliardär in dem Prozess mit zwölf Anklagepunkten konfrontiert gewesen. Die vorgeworfenen Taten reichten fast 50 Jahre zurück und erstreckten sich über den Zeitraum von 1977 bis 1990. Die Staatsanwaltschaft zog während des Verfahrens allerdings mehrere Punkte mangels ausreichender Beweise zurück. Stronach selbst bestritt stets sämtliche Vorwürfe. Seine Anwältin hat um einen Freispruch ohne Auflagen gebeten.
Bei dem Verfahren in Toronto handelte es sich um den ersten von zwei Prozessen, denen sich der Magna-Gründer stellen muss. Laut mehrerer kanadischer Medien hatten 13 Frauen Vorwürfe gegen Stronach erhoben, beim Prozess in Toronto ging es um die Vorwürfe von sieben von ihnen. Die übrigen Vorwürfe sollen im Mai 2027 in einem Jury-Prozess in Newmarket (Ontario) behandelt werden.
Magna-Konzern aufgebaut
Der gebürtige Steirer Stronach hat in Nordamerika den Magna-Konzern aufgebaut, der vor allem in der Autoindustrie reüssierte. In Österreich wurde der heute 94-Jährige durch sein Sport-Investment im Fußball und Pferdesport sowie als Gründer der kurzzeitig auch im Nationalrat vertretenen Partei Team Stronach einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Im Wahlkampf empörte er unter anderem mit der Forderung der Todesstrafe für „Berufskiller“. Seine Partei löste sich nach wenigen Jahren wieder auf.