Ritter sorgen drei Tage lang für ungewohntes Bild in Klagenfurt
Am Wochenende wird Klagenfurt Schauplatz eines internationalen Großereignisses: Der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem hält seine Investitur ab.

Am Wochenende werden in Klagenfurt neue Mitglieder in den Ritterorden aufgenommen und angelobt. Doch so einfach ist die Aufnahme nicht: Wer dazugehören will, muss von einem bestehenden Mitglied vorgeschlagen werden, eine mehrstufige Aufnahmephase durchlaufen und bestimmte religiöse Voraussetzungen erfüllen.
Gefordert wird unter anderem ein „überaus christliches Leben“. Ein bloßer Sonntagskirchgang reiche dafür nicht aus, sagt Christian Struger, Leiter der Klagenfurter Komturei.
Bischofsstab statt Schwert
Bei der Investitur werden die Kandidaten eingekleidet, legen ihr Versprechen ab und erhalten die Ordensinsignien. Der eigentliche Ritterschlag erfolgt heute allerdings nicht mehr mit dem Schwert: In Österreich wird der Kandidat mit dem Bischofsstab berührt.

Die Eröffnung findet im Wappensaal des Landhauses mit Landtagspräsident Andreas Scherwitzl statt. Dass der Orden dabei ganz selbstverständlich im politischen Raum auftritt, sieht Struger unproblematisch. Schließlich handelt es sich um eine päpstliche Institution – ebenso wie beim Malteserorden.
Ursprünge in Kreuzzugszeit
Seine Geschichte führt der Orden selbst bis in die Zeit der Kreuzzüge zurück. Dokumentiert sind Ritter vom Heiligen Grab spätestens seit dem 14. Jahrhundert. Seine heutige Form erhielt der Orden im Jahr 1868 durch Papst Pius IX., der ihn neu organisierte. Heute steht der Orden unter dem Schutz des Heiligen Stuhls. Rund 30.000 Ritter und Damen gehören ihm weltweit an. Die Mitglieder verpflichten sich neben dem religiösen Leben auch zur finanziellen Unterstützung der Kirche im Heiligen Land.
Wir wollen im Heiligen Land ansetzen, bevor christliche Abwanderung entstehen kann.
— Christian Struger, Leiter der Klagenfurter Komturei
Im Mittelpunkt steht dabei die christliche Präsenz in der Region. Unterstützt werden Schulen, Pfarren, Krankenhäuser und soziale Einrichtungen. Denn die christliche Bevölkerung des Heiligen Landes ist über Jahrzehnte stark zurückgegangen. Struger beschreibt die Entwicklung als dramatisch: Bei der Gründung Israels hätten noch 50 bis 60 Prozent der Bevölkerung vor Ort aus arabischen beziehungsweise palästinensischen Christen bestanden, sagt er. „Mittlerweile haben wir vielleicht noch zwei bis drei Prozent.“ Die Hilfe soll dort ansetzen, wo sie Existenzen vor Ort bewahren kann. Man wolle helfen, „bevor Abwanderung entstehen kann“, sagt Struger.
Politisch neutral, aber...
Politisch, sagt der Orden, ist er neutral. Seine Arbeit findet allerdings in einer Region statt, in der sich religiöse, gesellschaftliche und politische Konflikte kaum voneinander trennen lassen. Der Orden arbeitet eng mit dem Lateinischen Patriarchat zusammen. Dessen Vertreter beziehen immer wieder Stellung zu den Entwicklungen in Israel und den palästinensischen Gebieten.

Struger, der neben seiner Funktion im Orden auch ÖVP-Klubobmann in Villach und Fraktionsvorstand der Arbeiterkammer ist, räumt im Gespräch allerdings ein, dass Vertreter des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, wie der Großprior Pierbattista Pizzaballa, mitunter Positionen vertreten, „die der israelischen Regierung natürlich nicht taugen“. Damit setze die Kirche „gewisse Zeichen“, die man vor Ort mittrage. Man wolle den Menschen helfen, nicht der Politik, sagt Struger.
Rund 13 Millionen Euro fließen nach Angaben des Ordens jährlich in Projekte im Heiligen Land. Das Geld stammt vor allem von den Mitgliedern. Rund 600 Euro kostet die Mitgliedschaft laut Struger pro Jahr, dazu kommen Spenden, Reisen und Veranstaltungen. „Man muss sich die Mitgliedschaft schon leisten können“, erzählt Struger. Dass der Orden deshalb ein elitärer Zirkel sei, weist er zurück. Die Mitglieder kämen aus unterschiedlichen Berufsgruppen. Unter den neu aufgenommenen seien etwa ein Bibliothekar, eine Sekretärin, aber auch ein Geschäftsführer, eine Journalistin und ein Notar.
Sommercamp für Gaza-Kinder
Mit dem Überschuss aus der Investitur in Klagenfurt soll ein Sommercamp für Kinder im Gaza-Gebiet finanziert werden. Eine Woche lang sollen sie Abstand von den Krisen und der Gewalt gewinnen. „Wir wollen ein Lächeln in die Kindergesichter zaubern“, sagt Marc Germeshausen, selbst Mitglied des Ordens und für dessen Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Er ist außerdem Direktor des Europahauses und Präsident der Katholischen Aktion.

Bei Hochschulen, der „Langen Nacht der Kirchen“ und anderen Veranstaltungen versucht der Orden, auch jüngere Menschen anzusprechen. Gerade in Zeiten von Krieg und Unsicherheit gebe es ein Bedürfnis nach Orientierung, Gemeinschaft und konkreter Hilfe. Missionieren wolle man aber nicht, sagt Germeshausen.
Besonderheit in Klagenfurt
Wer das Großereignis live verfolgen möchte, hat von Freitag bis Sonntag Gelegenheit dazu: Dann ziehen die Ritter in ihren weißen Mänteln mit dem Jerusalemkreuz und die Damen in Schwarz im Rahmen der Investitur durch die Klagenfurter Innenstadt. Ein ungewöhnliches Bild – und eine Besonderheit für Klagenfurt.