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Biografie ist da: Robert Kratky spürt jetzt „Gefühl der Normalität“

„Alles, was ich zu sagen habe, steht in diesem Buch“, sagt Ex-Ö3-Aufwecker Robert Kratky. Die Biografie, neu im Handel, ist ein 223 Seiten starkes Werk für Fans geworden.

Robert Kratky (53) redete für die Biografie „Kratky“, die am 20. September erscheint, 150 Stunden mit der Autorin
© Barbara Wirl
Robert Kratky (53) redete für die Biografie „Kratky“, die am 20. September erscheint, 150 Stunden mit der Autorin
Christian Ude
Redakteur Kultur & Medien

Gleich vorweg: Der ehemalige Morgenbegleiter aus dem Radio schrieb bzw. erzählte sich viel von der Seele, Kritiker wird er mit dem Buch kaum erreichen. Zudem ist die Schreibweise von Autorin Heike Kossdorff nur in Häppchen verdaulich, zu glorifizierend und blumig ist ihr Stil. „Es ist keine klassische Veröffentlichung mit begleitender Medienkampagne, sondern eine bewusst gewählte Form, seine Geschichte zu erzählen“, begründet der Verlag den Umstand, dass Robert Kratky keine Interviews zu seiner bei Ueberreuter erschienenen Biografie gibt. Was er erzählen will, „findet sich ausschließlich zwischen diesen Buchdeckeln", heißt es.

Nun denn: 223 Seiten ist „Kratky“ stark, aufgeteilt in fünf Kapitel: der Aufstieg vom Schulabbrecher zum Wecker-Host, die Jahre an der Spitze, der Anfang vom Ende, Robert ganz privat und das neue Leben. Verdienen will und muss er daran nichts: Das Autorenhonorar von Robert Kratky aus dem Verkauf dieses Buches geht zur Gänze an den „Licht ins Dunkel-Soforthilfefonds“.

Robert Kratky 1977 als kleiner Kapitän
© Privat/Ueberreuter
Robert Kratky 1977 als kleiner Kapitän

Auf Gesprächen in einem Ausmaß von rund 150 Stunden mit Journalistin Heike Kossdorff – zum Teil in seinem Haus in der Wachau, zum Teil online – basiert das Buch. „Natürlich macht die Tatsache, dass er sich nicht mehr äußern will, meine Verantwortung als Autorin größer. Das Buch muss für sich selbst sprechen, es wird keine weitere Gelegenheit geben, nachzufragen, etwas zu erklären oder zu relativieren“, erklärt Kossdorff. „Erst nach seinem Abschied von Ö3 und danach wichtigen Monaten für sich selbst, konnte er überhaupt den nötigen Abstand gewinnen, um für eine Biografie bereit zu sein“, ergänzt sie.

Kratky am ersten Schultag mit seiner Mutter
© Privat/Ueberreuter
Kratky am ersten Schultag mit seiner Mutter

Was sagt der ehemalige hochbezahlte Radiostar aber über die „medial inszenierte Gagen-Diskussion“, wie ein Abschnitt im Buch betitelt wird? „Ich habe viel in meinem Leben ausgehalten. Prinzipiell gelte ich in der Branche eher als harter Knochen. Aber die Ohnmacht, die ich gegenüber diesen Vorwürfen gespürt habe, das war ein neues – und schreckliches – Gefühl“, wird er zitiert.

Der Shitstorm für den ORF-Spitzenverdiener

Kossdorff formuliert es in besagtem Kapitel so: „Im Zuge der wochenlang geführten Gagen-Debatte wurde Robert Kratky zunehmend bewusst, wie wenig die Menschen tatsächlich einschätzen konnten, welches Maß an Wissen, Praxis und Erfahrung erforderlich war, um seinen Beruf auf hohem Niveau auszuüben. Die Erkenntnis, dass viele Menschen offenbar seine Arbeit und seine Leistung nicht respektierten, führte dazu, dass er zunehmend die Freude daran verlor.“ Weiters ist zu lesen: „In den Monaten nach der Veröffentlichung der Gagen wurde Kratky auf wüste Weise beschimpft, bedroht und öffentlich diskreditiert.“ (. . .) „Um einen derart massiven Shitstorm zu überstehen, hätte er die Menschen, die diesen ausgelöst hatten, gering schätzen müssen. Dazu war er nicht in der Lage“, schreibt Kossdorff und lässt Kratky dann direkt sprechen: „Hätte ich begonnen, mein Publikum oder die Menschen generell in dieser Weise zu betrachten, dann hätte ich den Respekt vor ihnen verloren.“ Amen.

Über zwei Jahrzehnte moderierte Kratky den „Ö3-Wecker“; jetzt genießt er die Wachau
© Ueberreuter
Über zwei Jahrzehnte moderierte Kratky den „Ö3-Wecker“; jetzt genießt er die Wachau

In der Wachau hat der ehemalige Ö3-Moderator eine neue Heimat gefunden – „schockverliebt an einem Sommertag“. Zitat: „Es war wirklich niemand sonderlich beeindruckt, dass ich plötzlich hier wohne.“ Im Buch wird es als „Gefühl der Normalität“ bezeichnet, das ihm „die Freiheit gab, seinen Alltag ohne den Druck ständiger öffentlicher Präsenz zu gestalten“. Bleibt abzuwarten, wann und wo der 53-Jährige wieder auftaucht. Wie zuletzt etwa als Werbeträger für eine Supermarktkette. Oder mit etwas ganz Überraschendem.

Das Posting zum Abschied von Ö3 im August 2025
© Ö3
Das Posting zum Abschied von Ö3 im August 2025