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Der Hausmeister, der mit einem Park und einem Roman Geschichten erzählt

Andreas Staudinger gestaltet seit Jahren den ungewöhnlichen Kunstort Schloss Lind. Im Winter zieht er sich zum Schreiben zurück. Nun ist mit „Wunderkammer“ sein neuer Roman erschienen.

Andreas Staudinger zieht sich im Winter zum Schreiben zurück
© Martin Rauchenwald
Andreas Staudinger zieht sich im Winter zum Schreiben zurück
Marianne Fischer
Leitung Kultur & Medienressort Kärnten

„Einen Park anzulegen ist, wie einen Roman zu schreiben“, sagt Andreas Staudinger. Beides plant man, beides fordert die Kreativität, beides kann sich aber auch ganz anders entwickeln als erwartet. Das weiß der studierte Germanist und Historiker aus erster Hand: Im Jahr 2011 hat er das Schloss Lind in St. Marein bei Neumarkt an der steirisch-kärntnerischen Grenze übernommen, in dem 1996 der Künstler Artemis das „Andere Heimatmuseum“ gegründet hatte. Gemeinsam mit seiner Partnerin Britta Sievers hat Staudinger den ungewöhnlichen Kunstort weiterentwickelt – unter anderem mit einem frei zugänglichen, möglichst naturnahen Park mit Wildblumen, aber auch mit spannenden Installationen und 14 Parkgalerien. Noch bis 16. Oktober sind dort Arbeiten von dreißig Künstlerinnen und Künstlern – darunter Ina Loitzl, Werner Hofmeister und zweintopf – zu sehen.

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Schloss Lind in St. Marein bei Neumarkt
Schloss Lind in St. Marein bei Neumarkt © Werner Lückl

Wenn die Saison auf Schloss Lind endet, dann zieht Andreas Staudinger wieder zurück nach Kärnten: Den Winter verbringen er und Britta Sievers heuer zum vierten Mal in St. Martin am Silberberg auf 1100 Meter Seehöhe über Hüttenberg. Dort widmet sich Staudinger dann in einem kleinen Bauernhof dem Schreiben: „Wenn man monatelang Gastgeber war, dann genießt man die Ruhe“, erzählt Staudinger, der im November seinen 70. Geburtstag feiern wird.

Andreas Staudinger: Wunderkammer. Wieser, 24 Euro
Andreas Staudinger: Wunderkammer. Wieser, 24 Euro

Und dessen neuer Roman gerade im Wieser Verlag erschienen ist: In „Wunderkammer“ erzählt er von einem 80-jährigen Wegbereiter der modernen Holzarchitektur, der nach dem Unfalltod seiner Frau zurückgezogen lebt. Als eine Studentin über ihn ein Buch schreiben will, beginnt der Architekt anhand seiner Bauten über sein Werk nachzudenken: Ist da so etwas wie ein roter Faden erkennbar?

Erinnerungsstücke

„Mich interessieren Orte und Dinge und was die Menschen mit ihnen verbindet“, erzählt Staudinger. Das gilt auch für die titelgebende „Wunderkammer“: Sie ist eine Rumpelkammer mit zahlreichen Erinnerungsstücken in einem maroden Schloss, das sich der Architekt in der Mitte seines Lebens gekauft hat – autobiografische Anklänge sind also nicht von der Hand zu weisen: „Natürlich sind da auch meine eigenen Erfahrungen eingeflossen.“ Mit einem nicht unwichtigen Unterschied: Schloss Lind gehört Stift St. Lambrecht. „Ich bin dort so etwas wie ein Hausmeister“, sagt Andreas Staudinger lachend. Ein Hausmeister allerdings, der mit Schloss, Park und Literatur vielfältige Geschichten erzählt.

Schloss Lind

Schloss Lind. Das andere Heimatmuseum. Geöffnet noch bis 16. Oktober. Der Park ist frei zugänglich, Museumbesuch gegen Anmeldung, Tel. (035 84) 30 91. Am 19. September, 20 Uhr, gibt es einen „History Talk“ und danach ein Konzert. schlosslind.at