Naturpark Sölktäler reicht für Zertifizierung als Sternenpark ein
Nach der folgenden eingehenden Überprüfung rechnet Astrophysiker Stefan Wallner noch im Dezember mit der Klassifizierung als internationaler „Dark Sky Park“.
Je mehr die künstliche Beleuchtung die Oberfläche unseres Planeten durchdringt, umso wichtiger werden die letzten Rückzugsgebiete der Dunkelheit. Nur lichttechnische Unberührtheit bietet optimale Voraussetzungen zur Beobachtung von Planeten, Galaxien und der nächtlichen Sternenwelt. Der Naturpark Sölktäler, der zur Gänze in der obersteirischen Gemeinde Sölk liegt und an den Bezirk Murau grenzt, ist einer der dunkelsten Flecken Europas. Seit 2024 laufen die Vorbereitungsarbeiten zur Erlangung des internationalen Zertifikates „Dark Sky Park“. Jetzt ist man auf der Zielgeraden.

Einreichung am heutigen Donnerstag
„Die Voraussetzungen sind alle erfüllt. Wir reichen die Unterlagen zur Zertifizierung ein“, erzählt Naturpark-Leiterin Gabriele Trinker. Letzter Knackpunkt war die Straßenbeleuchtung in der Gemeinde Sölk. Es geht nicht nur um einige abgelegene Gebiete, sondern um den Auftritt des gesamten Dark-Sky-Park-Gebiets. So muss etwa die öffentliche Beleuchtung eine warmweiße Farbtemperatur haben und darf nur nach unten strahlen.
Verliehen wird das Zertifikat von Dark Sky International, einer Organisation, die sich dem Kampf gegen die Lichtverschmutzung verschrieben hat. Der österreichische Astrophysiker Stefan Wallner begleitet die Sölktäler auf dem Weg zum Sternenpark und hat als Experte gemeinsam mit dem Naturpark bereits mehrmals zur Sternenbeobachtung geladen.

Ein „versteckter Schatz“
Wer im Schloss Großsölk bei einer Sternennacht zur Betrachtung der Gestirne mit dabei war, weiß um das Ausmaß der Überfrachtung des Alls mit Satelliten. Sobald sich das Auge nach 30 bis 60 Minuten zur Gänze an die Dunkelheit gewöhnt hat, bemerkt auch der Laie nach den Anweisungen Wallners den enorm hohen Zug der Satelliten. Die Beobachtung von verschiedenen Galaxien und Sternen durch das Teleskop des Astronoms ist ein unvergessliches Aha-Erlebnis.
Will man den neuen Sternenpark touristisch verwerten? „Natürlich ist das ein versteckter Schatz. Während die meisten anderen Tourismusprojekte auf den Tag getrimmt sind, kann man hier die anderen zwölf Stunden bespielen“, sagt Wallner. Trinker will im Einvernehmen mit allen Beteiligten die Entwicklung des Sternenparks kontrolliert aufziehen. Zuletzt gab es bei der diesjährigen Earth Night eine Zusammenarbeit mit dem Seelsorgeraum Oberes Ennstal.
Mathias Schattleitner vom Tourismusverbandes Schladming-Dachstein macht keinem Druck. „Wir waren von Anfang an von dem Projekt begeistert. Die Faszination des Sternenhimmels ist ungebrochen“, weiß der Touristiker. Die konkrete Umsetzung sieht er beim Projektteam im Naturpark Sölktäler verortet: „Da liegt der Ball bei ihnen.“ Weil neben dem Schloss Großsölk mehrere weitere Sternenplätze in der Region konzipiert wurden, sehen sowohl Trinker als auch Schattleitner gute Möglichkeiten einer wirksamen Besucherlenkung.
Urkunde könnte noch heuer kommen
Wie lange wird es nun noch dauern, bis die Zertifizierung abgeschlossen ist? „Wir rechnen mit drei bis sechs Monaten“, erläutert Gabriele Trinker. Stefan Wallner ist optimistisch, dass die begehrte Zertifizierungsurkunde noch heuer im Dezember eintrudelt.
