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Günther "Gunkl" Paal: "Experte für eh alles" im Zwielicht

Er wurde als "Experte für eh alles", als kabarettistischer Sprachmeister bekannt, der sein Publikum auf Achterbahnfahrt durch seine verschlungenen Gehirnwindungen mitnahm - nun jedoch liegt ein schwerer Schatten auf seiner Person: Günther Paal alias Gunkl. Die Premiere seines 15. Soloprogramms "Apropos übrigens" wurde jüngst "aus gesundheitlichen Gründen" abgesagt. Nun jedoch sind die wahren Hintergründe bekannt: Gegen den Kabarettisten wird wegen Kindesmissbrauchs ermittelt.

Schwerer Schatten über dem Wiener
© APA/EVA MANHART
Schwerer Schatten über dem Wiener

Im Mai hatte der Künstler, wie jetzt öffentlich wurde, Selbstanzeige erstattet. Der Verdacht: Paal soll sich an der Tochter einer Bekannten vergangen haben, worauf ihn die Mutter und Großmutter des Kindes erpresst haben sollen. Gegen alle drei mutmaßlich Beteiligte wurde nun Anklage erhoben. Zusätzlich wird Paal der Besitz von sexualbezogenem Kindesmissbrauchsmaterial vorgeworfen.

Geboren wurde Günther Paal am 23. März 1962 in Wien und erlernte zunächst die Profession des Reprofotografen respektive verdingte sich als Kellner. Daneben war der Saxofonist aber früh als Musiker tätig und neben Größen wie Harald Sicheritz Mitglied der Band Wiener Wunder ("Loretta"), die auch zum Kabarettfilmklassiker "Muttertag" den Soundtrack beisteuerte. Neben Clara Luzia, Gerald Votava oder Manuel Rubey war Gunkl überdies Teil der Formation Familie Lässig.

Mit seinem Sax und am E-Bass war Paal überdies seit 1993 Mitglied der Auftrittsband von Alfred Dorfer - ein Engagement, das letztlich dem neuen Berufsbild des späteren Kabarettisten den Weg bereitete, der 1994 sein erstes Soloprogramm veröffentlichte, unter dem wenig lakonischen Titel "Grundsätzliche Betrachtungen – anschaulich gemacht an kuriosen Einzelleistungen der Tücke des Alltags, was als Programmtitel vermutlich ein bisschen zu lang ist, zumal darin eine, sei'n wir 'mal ehrlich, sehr unelegante Genitivkette enthalten ist". Bereits damals setzte er auf das Pseudonym Gunkl - eine phonetische Varianz seines Vornamens aus dem Munde seines Bruders als Kleinkind.

Der Durchbruch in der breiten Öffentlichkeit gelang Paal dann dank der TV-Satire "Dorfers Donnerstalk", in der der Künstler ab 2004 regelmäßig nicht nur als Musiker, sondern alsbald auch als "Experte für eh alles" respektive "Spezialist für eh alles" zu erleben war. Es war der Beginn einer steilen Karriere für Paal, der 2017 seine Asperger-Diagnose öffentlich machte. Mit seinen geschliffen formulierten wie pointierten Soloprogrammen, die zwischen Philosophie und Naturwissenschaft und ohne jegliches Bühnenbrimborium changierten, schuf Gunkl gleichsam sein eigenes Kabarettgenre, das nun an sein Ende gekommen scheint.

Das Wirken des Wieners wurde dabei in der Branche über Jahre hinweg breit gewürdigt. So ist Paal unter anderem Träger des Freistädter Frischlings, des Salzburger Stiers, des Ybbser Spaßvogels, des Deutschen Kleinkunstpreises und seit 2018 auch des Österreichischen Kabarettpreises.