Brutal neutral wie Ed Sheeran
Wer allen gefallen will, muss irgendwann entscheiden, wen er enttäuscht.
Macklemore, der Rapper, und Ed Sheeran, der Faserschmeichler, gemeinsam auf US-Tour – das konnte nicht gut gehen. Denn der eine ist hochpolitisch. Und der andere immerwährend neutral. Macklemore nützte seine Bühnenpräsenz für einen stimmgewaltigen Pro-Palästina-Appell. Zu politisch. Und zu sehr in eine ganz bestimmte Richtung politisch, befand eine Lobby mächtiger Stadionbetreiber. Und erteilte dem Künstler des kompromisslosen Wortes kurzerhand Bühnenverbot.
Mehrere andere Begleitmusiker und unterstützende Bands verließen daraufhin aus Protest die Sheeran-Tour. Und nun steht der Weltstar mit dem Pumuckl-Haircut plötzlich (fast) alleine da. Und beteuert ganz und gar unpolitisch, dass ihm das alles ganz furchtbar leid tue.
Doch Sheeran, bei dem die Breite Programm ist und der es möglichst oft möglichst vielen recht machen will, kann nicht zuerst einen dezidiert politischen Künstler anheuern, um seine eigene, kreuzbrave Show zu befeuern. Und sich dann lapidar darauf zurückziehen, selbst bloß unpolitischer Gastgeber zu sein. Er hätte zu Tourbeginn unmissverständlich klären müssen, ob seine Bühne auch politische Bühne sein darf. Und wenn er einem Kollegen schon implizit diese Freiheit gewährt, hätte er sie im Konfliktfall verteidigen müssen. Oder offen sagen: „Meine Tour, meine Grenze.“ Aber, lieber extrabreiter, kuschelweicher Ed Sheeran: Wer allen gefallen will, muss irgendwann entscheiden, wen er enttäuscht.