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340 Stellungnahmen: Nun will man neue Grazer Flugroute optimieren

Die Austro Control plant seit dem Frühjahr eine neue Abflugroute vom Grazer Airport. Bürgermeister im Umland befürchten mehr Lärm. Wie sich die Ortschefs wappnen – und die Austro Control aufhorchen lässt.

© Jürgen Fuchs
Michael Saria
Redakteur Steiermark-Ressort | Graz

Im Tiefflug kam heuer im Frühjahr jene massive Kritik daher, die Bürgermeister von Grazer Umlandgemeinden gegen publik gewordene Pläne der Austro Control vorbrachten: Das staatliche Unternehmen für die Luftfahrtaufsicht in Österreich überlegt, die Abflugroute vom Grazer Airport aus teilweise zu ändern – um die Lärmbelästigung zu reduzieren, wie man betont. Doch in Premstätten und Lieboch befürchtete man sogar mehr Lärm für Wohngebiete. Das war heuer im Frühjahr, als auch generelle Stellungnahmen von Bürgern möglich waren. Seither hat sich viel getan, wie man heute weiß: So haben es die Umlandgemeinden nicht bei scharfen Worten belassen – und die Austro Control lässt nun gegenüber der Kleinen Zeitung aufhorchen.

Die Route: Heben Flugzeuge vom Grazer Airport aus ab, könnten sie das künftig auf neuen Routen tun – jedenfalls in Richtung Süden.

Die Gründe: Hinter dieser Überlegung seitens der Austro Control stecke „neben einer weiteren Erhöhung der Flugsicherheit die Optimierung flugbetrieblicher Abläufe und eine Entlastung der südlich des Flughafens gelegenen Gemeinden“, präzisiert nun Markus Pohanka als Sprecher des Unternehmens. „Durch das frühere Einleiten einer Rechtskurve wird der abfliegende Verkehr rascher aus der Anflugbahn landender Luftfahrzeuge herausgeführt, wodurch potenzielle Konflikte reduziert werden. Darüber hinaus führen kürzere Flugwege zu reduziertem Treibstoffverbrauch und geringeren Emissionen, und die bereits vom Anflugverkehr belasteten Gemeinden im Süden könnten vom Abflugverkehr besser entlastet werden.“

Markus Pohanka ist Sprecher der Austro Control
© KLZ / Franz Zussner
Markus Pohanka ist Sprecher der Austro Control

Die Kritik: Das sehen Ortschefs in Grazer Umlandgemeinden teils ganz anders. „Eine Änderung der Flugroute würde bedeuten, dass Flugzeuge künftig vermehrt über dichter besiedeltes Gemeindegebiet fliegen“, meinte Premstättens Bürgermeister Matthias Pokorn schon im Frühjahr. „Gleichzeitig wären sie in diesen Bereichen in geringerer Höhe unterwegs – und damit deutlich stärker wahrnehmbar.“ Als Mitstreiter an seiner Seite: Liebochs Ortschef Stefan Helmreich: Es dürfe nicht sein, dass man bestehende Flugrouten „großteils über unbesiedeltes Waldgebiet bloß für minimale Einsparungen beim Treibstoff“ aufgibt – zum Schaden der Bevölkerung, so Helmreich.

Matthias Pokorn, Bürgermeister in Premstätten: „Flugzeuge wären in geringerer Höhe unterwegs und damit deutlich stärker wahrnehmbar“
© Thomas Wieser
Matthias Pokorn, Bürgermeister in Premstätten: „Flugzeuge wären in geringerer Höhe unterwegs und damit deutlich stärker wahrnehmbar“

Die Stellungnahmen: Sechs Wochen lang hatten Bürgerinnen und Bürger im Frühjahr ebenfalls die Chance, offiziell ihre Meinung kundzutun. „Insgesamt sind rund 340 Stellungnahmen bei Austro Control eingegangen“, bestätigt heute Markus Pohanka der Kleinen Zeitung. „Nach eingehender Sichtung“ habe man die häufigsten Fragen zusammengefasst und mit Antworten auf der eigenen Homepage veröffentlicht: Dass man etwa davon ausgeht, die Schallpegel bei den neuen Routen würden „deutlich“ unter den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation WHO liegen – dass man abereine gesonderte Modellierung der Auswirkungen auf Luftschadstoffe, Feinstaub oder Kerosinemissionen“ nicht durchgeführt habe. Und: Man rechne im Durchschnitt mit lediglich drei Abflügen pro Tag „über von der Änderung betroffene Bereiche“.

Liebochs Ortschef Stefan Helmreich: Bestehende Routen sollen „für minimale Einsparungen bei Treibstoff und CO₂-Zertifikaten aufgegeben werden“
© Klz / Stefan Pajman
Liebochs Ortschef Stefan Helmreich: Bestehende Routen sollen „für minimale Einsparungen bei Treibstoff und CO₂-Zertifikaten aufgegeben werden“

Die Gutachten: Auch in den GU-Gemeinden ist man nicht untätig geblieben – im Gegenteil: Man habe mehrere Gutachten erstellen lassen, „auch in Sachen Raumplanung und Lärm“, so Premstättens Ortschef Markus Pokorn. Diese Studien würden die Kritik untermauern, betont er. Zu Premstätten und Lieboch hat sich unter anderem auch die Gemeinde Haselsdorf-Tobelbad gesellt: „Offenbar fliegen manche Piloten schon jetzt auf der neuen Route, und das trifft uns massiv. Aus bestimmten Ortsteilen berichten Anwohner, dass sie das Gefühl haben, sie könnten die Flugzeuge fast angreifen“, erklärt Bürgermeister Hubert Holzapfel. Seitens der Austro Control schüttelt man den Kopf: „Bei den bestehenden An- und Abflugverfahren hat es keinerlei Änderungen gegeben.“

Die Alternative: Doch bei der Frage, wie es nun weitergeht, lässt die Austro Control aufhorchen: Es gebe noch „keinerlei Entscheidung“ – aber: „Auf Grundlage der eingebrachten Stellungnahmen wird derzeit eine Optimierung der zunächst vorgeschlagenen Verfahren geprüft, die eine Entlastung des Südens ermöglicht, ohne dass es dabei zu einer zusätzlichen Belastung für den Norden kommt“, so Sprecher Pohanka. „Sobald entsprechende Alternativvorschläge“ vorliegen, ist ein weiterer Austausch mit betroffenen Gemeinden am Flughafen Graz geplant, zu dem voraussichtlich im Spätherbst eingeladen wird.“