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Street-Art-Festival in Graz befreit Industrieviertel von tristem Grau

Beim „117WÆNDE“-Festival verwandeln 50 internationale Kunstschaffende graue Wände in Graz-Lend in eine Graffiti-Galerie. Kostenlose Workshops und Konzerte folgen.

Malerinnen und Maler gestalten eine riesige Wand mit bunten Bildern.
© KLZ/Daniel Winter
Nach und nach entstehen riesige Kunstwerke auf den Wänden rund um das Industrieviertel nahe dem Grazer Hauptbahnhof.

„Ob Städte so ausschauen oder so, macht einen großen Unterschied“, sagt der Veranstalter des kostenlosen Street-Art-Festivals, Florian Perl, und zeigt dabei zuerst auf ein bunt bemaltes, dann auf ein graues Gebäude. Perl ist Teil des Kollektivs „Raum117“, ein vor vier Jahren gegründeter Verein von 20 jungen Kunstschaffenden. Ein Jahr haben sie auf dieses Festival hingearbeitet. Die letzte Street-Art-Veranstaltung dieser Größenordnung gab es vor über zehn Jahren beim „Livin‘ Streets Festival“ 2014.

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Entstehendes Kunstwerk bei der Unterführung Peter-Tunner-Gasse.
Entstehendes Kunstwerk bei der Unterführung Peter-Tunner-Gasse. © Daniel Winter

Das Referat Gestaltung öffentlicher Raum des Stadtplanungsamtes hat das Kollektiv mit der Gestaltung der Wände beauftragt. Von dort kommt auch eines von fünf Finanzierungsstandbeinen, neben einer Jahresförderung der Stadt Graz, Crowdfundings, Sponsorings und aus dem eigenen Vereinstopf. „Es ist schon etwas Mächtiges, was man da an die Wände bringt“, findet Elena Laaha, ebenfalls Festivalleiterin. „Wenn man etwas im öffentlichen Raum gestaltet, entscheidet man darüber, was Menschen, die hier jeden Tag zur Arbeit fahren, betrachten werden.“

Kunst darf anecken, aber auch einfach schön sein

Bis zum 20. September werden großflächige Wände an drei Standorten im Industrieviertel hinter dem Hauptbahnhof besprayt und bemalt – bunt, figurativ, abstrakt, mit oder ohne Text. Den Artists, mitunter aus Australien, Chile, Serbien, aber auch aus Österreich, sind bei der Gestaltung so gut wie keine Grenzen gesetzt. „Wenn es aneckt, hat Kunst ihren Soll erfüllt“, so Perl. Nach einer kurzen Pause fügt er hinzu: „Aber auch, wenn es einfach schön ist.“ Die tristen, grauen Wände des alten Hornig-Areals in der Laudongasse werden allmählich von fantasievollen Motiven und einer Vielfalt an Farben verschluckt. Der Wohnbauträger ÖWG hat das Hornig-Areal gekauft und lässt die Wände vom Kollektiv bemalen. Wie es mit dem Gebäude weitergeht, ist ungewiss.

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Eine männliche Person steht auf einer Leiter und malt gerade ein Porträt von zwei Männern, die ein Baby in der Hand halten.
© Daniel Winter

Bei der Unterführung an der Peter-Tunner-Gasse gestaltet eine Künstlerin zwei Zwillingsfiguren. Menschen, die mit dem Fahrrad oder zu Fuß daran vorbeikommen, bewundern die bunten Wände. Unterführungen sind nicht gerade ansprechende und für viele Menschen unangenehme öffentliche Räume, die durch die Kunst aufgelockert werden können. „Die Kunst kann den Angstraum nehmen“, ist Perl überzeugt.

Wenn man etwas im öffentlichen Raum gestaltet, entscheidet man darüber, was Menschen hier jeden Tag betrachten werden.

— Elena Laaha, Festivalkoordinatorin

Kostenlose Rundgänge, Workshops und Konzerte

Während die Künstlerinnen und Künstler die Wände gestalten, gibt es Workshops, Vorträge und Konzerte – alles auf Basis freiwilliger Spende. Perl und Laaha betonen, wie wichtig es ist, Kunst für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Das Programm startet am Donnerstag mit einem Kinoabend, am Freitag gibt es einen Stadtrundgang mit abschließender Podiumsdiskussion und Konzerten, am Samstag stehen ein Dancebattle und ein Graffiti-Workshop auf dem Programm. Mit Musik klingt das Festival Samstagabend und Sonntag aus.

„Ich finde es extrem schön, weil die Gebäude nochmal sehr lebendig werden“, sagt Perl und hebt seinen Blick auf die große Wand vor sich, auf der gerade ein Portrait von zwei Personen mit Baby auf dem Arm entsteht, dessen Geschichte sich nur erahnen lässt.