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Bizarrer Tierquäler-Prozess: „Wo sollen tote Tiere denn sonst liegen?“

St. Veiter Landwirt verteidigte sich vor Richterin Claudia Bandion-Ortner selbst. Lautstark nahm er eine Amtstierärztin und vier Polizisten ins Verhör.

Kurz nach den Aufnahmen der Medien war es für Bandion-Ortner mit der Ruhe vorbei
© KLZ/Sebestyen
Kurz nach den Aufnahmen der Medien war es für Bandion-Ortner mit der Ruhe vorbei
Markus Sebestyen
Redakteur Bundesland Kärnten

„Wir machen das heute fertig“, gab Richterin Claudia Bandion-Ortner gleich zu Beginn ihr Bestreben nach einem straffen zweiten Prozesstag vor. Als der sich selbst verteidigende Angeklagte mit den Worten „ich fordere einen Ortsaugenschein“ für ein Raunen im Gerichtssaal sorgte, geriet das Vorhaben ins Wanken. Nach einem weiteren Antrag des Mannes musste die Vorsitzende einlenken. „Es nutzt jetzt nichts, wenn wir hudeln. Wir brauchen einen neuen Termin.“

In der Zeit davor dürfte sich die ehemalige Justizministerin – die auch mehrfach noch als solche angesprochen wurde – an Debatten im Parlament zurückerinnert gefühlt haben. Forsch, laut, aber durchaus versiert versuchte der Landwirt darzulegen, warum er sich nicht der Tierquälerei, der Nötigung und des Widerstands gegen die Staatsgewalt schuldig gemacht habe. „Das ist nicht rechtskräftig“, belehrte er die Richterin, als sie Verwaltungsstrafen ins Rennen führte. „Da haben Sie sich geirrt“, entgegnete er dem Sachverständigen, als er sein Gutachten ausführte. Jede Einzelheit des Aktes kannte der Mann, auf jeden Vorhalt war eine Antwort parat. Die Zeugen, unter anderem zwei Amtstierärzte und vier Polizisten, befragte er mit Nachdruck.

Seit 25 Jahren „amtsbekannt“

Doch worum geht es genau? Verhandlungsgegenstand waren ein verendetes Kalb und eine verendete Kuh. Die Tiere gehörten dem Landwirt, der schon seit gut 25 Jahren Behörden und Gerichte beschäftigt, wie sich während der Verhandlung herausstellte. Immer wieder sollen dort Tiere – auch Pferde, die Teil eines weiteren Verfahrens sind – verendet und generell unter widrigen Umständen gehalten worden sein. Einmal kam es bereits zu einer Abnahme, nachdem Auflagen erfüllt wurden, bekam er die Tiere zurück.

Eine weitere Besonderheit des Prozesses ist die Tatsache, dass sich zwei handelnde Amtstierärzte nicht wirklich einig erscheinen. Ein Beamter sprach davon, dass der Betrieb zwar kein „Blickfang“ und die Tiere teils abgemagert seien, sie aber immer ausreichend Futter und Wasser hätten. Die Kontrollen habe man zuletzt nur verstärkt, weil es medialen und politischen Druck gegeben habe. Seine Kollegin wiederum äußerte den Verdacht, aufgrund ihrer kritischen Begutachtung des Hofes durch die Bezirkshauptmannschaft von ihrem Tätigkeitsgebiet im Bezirk St. Veit abgezogen worden zu sein.

„Sind Sie mit einer Wutbürgerin verheiratet?“

Der Beschuldigte selbst sieht sich als Opfer von „Wutbürgerorganisationen“, wie er jene Gruppe von Personen bezeichnete, die ihn anzeigen würden. „Sind Sie mit einer Wutbürgerin verheiratet?“, fragte er einen Polizeibeamten, nachdem dieser zuvor von einem „tierschutzrechtlichen Drama“ auf dem Hof sprach. Die Polizisten berichteten auch von Kot und Morast, in dem die Tiere immer wieder festgesteckt sein sollen. Der Amtstierarzt bestätigte die vielen Anzeigen. „Erst gestern ist wieder eine gekommen. Das sind Leute, die keine Ahnung von Tierhaltung haben“, pflichtete er dem Angeklagten bei.

„Bitte nicht jeden Tag ein Beweisantrag“

Bei den zahlreichen Beobachtern sorgten die Aussagen im Prozess immer wieder für Verwunderung. So auf die Frage, warum Kadaver oft tagelang auf dem Hof herumgelegen haben. „Wo sollen sie denn sonst liegen“, antwortete der Landwirt. Er sei eben nicht dazu gekommen, sie zu beseitigen oder abholen zu lassen.

Am 4. November findet der nächste Termin statt. „Bitte schickens mir bis dahin nicht jeden Tag einen Beweisantrag“, gab Bandion-Ortner dem Angeklagten mit auf den Weg. „Das ist für sie leichter, wenn nicht alles auf einmal kommt“, wusste der Angeklagte auch darauf eine Antwort.