Im Raum Radkersburg startet solidarisches Alltagshilfeprojekt durch
Zeit für andere nehmen und gleichzeitig für die eigene Zukunft vorsorgen: Nach diesem Prinzip funktioniert der Verein Zeitpolster, der nun auch in der Südoststeiermark tätig wird.

„Was braucht unsere Gesellschaft, damit es auch in Zukunft ein gutes Miteinander gibt?“, fragt Birgit Wurzwallner. Sie ist Regionalkoordinatorin des Sozial- und Betreuungsnetzwerks Zeitpolster, das sich als Antwort auf diese Frage versteht. Kürzlich wurde das Konzept des Vereins im Gasthaus Bader in Deutsch Goritz vorgestellt.
Der Verein Zeitpolster vermittelt freiwillige Helfende an Menschen, die bei alltäglichen Aufgaben Unterstützung benötigen. Der Bedarf an Unterstützung im Alltag wächst: Die Bevölkerung wird älter, gleichzeitig leben Familienangehörige häufiger weiter voneinander entfernt. Unterstützung wird deshalb nicht nur für ältere Menschen wichtiger, sondern etwa auch für junge Familien in der Kinderbetreuung.
Stunden werden auf Zeitkonto gutgeschrieben
„Ich denke dabei etwa an meine eigene Mutter, die zwar bei mir wohnt, aber trotzdem den ganzen Tag alleine ist, weil ich eben arbeiten muss“, sagt Wurzwallner. Genau hier setzt der Verein an. Das Netzwerk sucht Freiwillige, die einige Stunden pro Woche andere Menschen unterstützen möchten. Das Besondere: Für jede geleistete Stunde wird ihnen eine Stunde auf einem persönlichen Zeitkonto gutgeschrieben. Dieses Guthaben können sie später einlösen, wenn sie selbst Unterstützung benötigen. Wer noch kein Zeitguthaben angespart hat, kann die Hilfe um elf Euro pro Stunde in Anspruch nehmen.
Mitmachen kann jeder, der etwas Zeit zur Verfügung stellen möchte. Wie diese Hilfe aussieht, kann jeder für sich entscheiden. Das kann ein wöchentlicher Nachmittag zum Kartenspielen sein, der Wocheneinkauf für eine ältere Person, Hilfe bei der Gartenarbeit oder auch das Abholen eines Kindes vom Kindergarten. Wer sich engagieren möchte oder selbst Unterstützung benötigt, kann sich direkt beim Verein melden.
„Wir fördern Nachbarschaftshilfe mit einem professionell organisierten Hintergrund“, sagt Josef Galler vom Organisationsteam für Mureck und Bad Radkersburg. Freiwillige seien während ihrer Einsätze unfall-, rechtschutz- und haftpflichtversichert.

Gemeinden entlastet
Seinen Ursprung hat Zeitpolster in Vorarlberg, mittlerweile ist das Netzwerk auch in anderen Bundesländern vertreten. In der Steiermark gibt es bereits Teams, etwa in Graz und Voitsberg. Auch in Feldbach soll ein Standort entstehen. Österreichweit sind laut dem Verein rund 7000 Menschen als Helfende oder Betreute Teil des Netzwerks.
Auch Bürgermeister mehrerer Gemeinden informierten sich bei der Vorstellung über das Modell. „Damit werden die Gemeinden entlastet und gleichzeitig auch die Gemeinschaft gestärkt“, sagt etwa Murecks Bürgermeister Klaus Strein.
Keine Konkurrenz
„Wichtig ist uns zu betonen, dass wir keine Konkurrenz zu bestehenden sozialen Einrichtungen darstellen wollen, sondern eine sinnvolle Ergänzung“, sagt Franz Treichler. Neben Gudrun Wisiak, Anita Struckl und Christine Sterf ist er Mitglied des neuen südoststeirischen Organisationsteams.
Wer selbst helfen möchte oder Unterstützung sucht, kann sich auf www.zeitpolster.com informieren oder unter team.mureck-radkersburg@zeitpolster.com melden. Weitere Informationsveranstaltungen in der Region sind geplant.
