Zum Jubiläum erweitert Velofood in Graz das Zustellgebiet
„Velofood wurde nie gegründet, um reich zu werden“: Wie das Grazer Jungunternehmen in zehn Jahren die Essenszustellung auf nachhaltige Beine stellte und welche Pläne man jetzt wälzt.

Wenn es früher dunkel wird, Regen oder gar Schnee die Straßen ungemütlicher machen, bricht die Zeit an, in welcher der Chef höchstpersönlich in den Sattel steigt. „Im Sommer aber werde ich nicht gebraucht“, sagt Jonathan Stallegger und lacht auf.
Vor zehn Jahren gründete der damals 27-jährige Grazer in der steirischen Landeshauptstadt den Zustelldienst Velofood. In einer Zeit, in der Essen grundsätzlich per Auto und in Einwegplastik gehüllt ausgeliefert wurde, setzte Stallegger ausschließlich auf das Fahrrad als Transportmittel und biologisch abbaubare Verpackungen.

„Das erste Jahr war sicher das verrückteste – mein Handy war durchgehend an“, sagt der Velofood-Chef zur Kleinen Zeitung. Waren es im ersten vollen Monat in Summe 150 Bestellungen, die eintrafen, zählte Velofood nach einem Jahr bereits 150 am Tag. Heute sind es tagtäglich rund 600. Zwei Millionen Bestellungen hätte man in den vergangenen zehn Jahren verarbeitet, erzählt Jonathan Stallegger.
Startete der Dienst noch mit fünf Restaurants im Portfolio, kann die Kundschaft heute aus 140 Gaststätten auswählen. Bald werden es noch mehr sein. Denn pünktlich zum zehnjährigen Jubiläum erweitert Velofood Ende Oktober sein Grazer Zustellgebiet. „Wir werden in alle Richtungen einen Kilometer ausweiten“, sagt Stallegger. Wodurch künftig auch in vielen Randbezirken bei Innenstadtlokalen bestellt werden kann.

Ob sich das Geschäft für Velofood selbst auch auszahlt? „Es geht sich so gut aus, dass wir uns leisten, was wichtig ist, und selbst fair bezahlen können“, erzählt Stallegger. Aber er hätte Velofood ohnehin „nie gegründet, um reich zu werden oder Investoren anzulocken“. Ziel sei ein „faires und nachhaltiges Lieferservice“ gewesen – ohne aggressive Expansionspläne in andere Städte. Stallegger: „Wir müssen nicht die Welt erobern. Wir wollen in Graz etwas beitragen, das Sinn hat.“
Die Botinnen und Boten – rund 100 sind zurzeit bei den Grazern im Einsatz – können bei Velofood selbst entscheiden, ob sie selbstständig mitarbeiten oder fest angestellt sein wollen. Das Team im Büro hielten Stallegger & Co stets schlank, zurzeit zählt Velofood 15 Personen.
Keine E-Mopeds mehr am Radweg
War Velofood zunächst unumstrittener Platzhirsch in Graz, ist die Konkurrenz heute vielseitig. Mit Foodora, Lieferando oder Wolt sind zudem Zusteller am Markt, die zu international agierenden Unternehmen gehören. Auch regulatorisch ist in der Branche seit geraumer Zeit einiges in Bewegung. Ab 1. Oktober tritt etwa das Verbot von E-Mopeds auf Fahrradwegen in Kraft.
Foodora kündigte bereits als „nächsten Schritt“ an, „unsere Flotte vollständig auf Fahrräder und E-Bikes umzustellen“. Ob Velofood damit auf ein Alleinstellungsmerkmal weniger setzen kann? Jonathan Stallegger zeigt sich gelassen. „Ich hab mich in den letzten Jahren immer wieder gefürchtet“, erzählt er mit Blick auf neue Marktteilnehmer oder Rahmenbedingungen. Am Ende hätte sich der „Fokus auf Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen“ (Stallegger) aber stets ausgezahlt.
Velofood in Zahlen
Im September 2016 startet Velofood in Graz mit ersten Testfahrten, Ende Oktober 2016 werden die ersten tatsächlichen Bestellungen ausgeliefert.
Aus 150 Bestellungen im ersten Monat wurden binnen eines Jahres 150 pro Tag. Zurzeit werden täglich rund 600 Bestellungen ausgeliefert.
Die Pizza ist seit Beginn die begehrteste Speise bei der Velofood-Kundschaft.