Historisch, hohes Niveau: 11,4 Prozent mehr Firmenpleiten in Kärnten
In Gastronomie, Handel und Baugewerbe gibt es die meisten Insolvenzen. Kreditschützer rechnen in den kommenden Monaten mit weiterem Anstieg. Private höher verschuldet.
In Kärnten sind in den ersten drei Quartalen 322 Unternehmen in die Pleite geschlittert. Das ist laut Hochrechnung vom Kreditschutzverband KSV1870 ein Anstieg von 11,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Schnitt musste also ein Betrieb pro Tag Insolvenz anmelden. Als besonders besorgniserregend bezeichnen die Kreditschützer, dass 44 Prozent der Firmenpleiten in Kärnten aufgrund des fehlenden Kapitals erst gar nicht eröffnet werden. Damit liegt das Bundesland in dieser Entwicklung über dem Bundesschnitt und der alarmierende Trend zeigt weiter nach oben. „Das ist ein Umstand, den die Gläubiger massiv zu spüren bekommen, da sich in diesen Fällen ihre Verluste weiter erhöhen. Das kann auch für wirtschaftlich gesunde Unternehmen mittel- und langfristig zum Problem werden“, René Jonke, Leiter KSV1870 Region Süd.
Gastronomie, Handel und Bau
Gastronomie, Handel und Baugewerbe sind die Insolvenztreiber. In diesen drei Branchen gibt es die meisten Pleiten. Zusammengezählt machen sie 40 Prozent aller Fälle aus. Bis zum Jahresende erwartet der KSV1870 rund 380 bis 400 Unternehmensinsolvenzen in Kärnten. Das wäre auch insgesamt ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr und würde bedeuten, dass die Zahl der Firmenpleiten ein weiteres Jahr auf historisch hohem Niveau bleiben würde. „Wenngleich sich die Insolvenzdynamik im dritten Quartal in Kärnten etwas beruhigt hat, ist in den kommenden Monaten wieder mit einem leichten Anstieg zu rechnen. Insbesondere die Monate November und Dezember werden erfahrungsgemäß für viele Betriebe herausfordernd“, erklärt Jonke.
Zumindest bei den Schulden gibt es trotz des Anstiegs bei den Firmenpleiten eine positive Entwicklung. Die vorläufigen Passiva sind gegenüber den ersten drei Quartalen 2025 um 43 Prozent auf rund 146 Millionen Euro gesunken. Das ist darauf zurückzuführen, dass es zwar mehr aber auch kleinere Insolvenzen gegeben hat. Bisher gab es nur einen Fall mit Schulden über zehn Millionen Euro: die Pleite der Tomtegl Bergchalets auf der Hochrindl mit angemeldeten Forderungen von 12,3 Millionen Euro.
Höhere Schulden
Einen minimalen Rückgang von einem Prozent entgegen dem Bundestrend verzeichnet Kärnten bei den Privatkonkursen. In den ersten drei Quartalen wurden 485 Schuldenregulierungsverfahren eröffnet. Das entspricht umgerechnet rund zwei Fällen pro Tag. Um 11,9 Prozent gestiegen sind hingegen die Passiva. Sie liegen aktuell bei 47 Millionen Euro. Bis Jahresende rechnen die Kreditschützer mit bis 650 Privatkonkursen.