Anklage gegen Aoun nach Explosion in Beirut gefordert
Mehr als sechs Jahre nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut hat die Staatsanwaltschaft eine Anklage gegen den früheren libanesischen Präsidenten Michel Aoun gefordert. Wie am Dienstag aus Justizkreisen verlautete, beantragte der Staatsanwalt Mohammed Saab die Anklage beim zuständigen Ermittlungsrichter Tarek Bitar. Der Staatsanwalt wirft Aoun demnach vor, von dem im Hafen gelagerten Ammoniumnitrat gewusst, aber nichts unternommen zu haben.

Bei der Explosion von hunderten Tonnen fahrlässig im Hafen gelagerten Ammoniumnitrats waren am 4. August 2020 ganze Stadtteile Beiruts dem Erdboden gleichgemacht worden. Mehr als 220 Menschen kamen ums Leben, mehr als 6.500 weitere wurden verletzt und rund 300.000 wurden obdachlos. Bis heute wurde niemand für das Unglück zur Rechenschaft gezogen.
Bitar hatte seine Ermittlungen nach Angaben aus Justizkreisen im März abgeschlossen und den Fall zur Prüfung an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet. Am Dienstag legte Staatsanwalt Saab nun seine Schlussfolgerungen vor. Er legt darin die strafrechtliche Verantwortung von mehr als 70 Beschuldigten dar, darunter amtierende und ehemalige Politiker, Sicherheits- und Militärvertreter sowie Beamte.
Gegen einige der Beschuldigten hatte Bitar bereits zuvor Anklage erhoben. Er ist nun erneut für die Anklageerhebung zuständig, erwartet wird sie in den kommenden Wochen.
Bitars Ermittlungen waren in den vergangenen Jahren immer wieder durch Klagen und politische Einflussnahme behindert und verzögert worden. Vor allem die einflussreiche Hisbollah hatte eine Absetzung des Richters gefordert. Im vergangenen Jahr nahm er die Ermittlungen aber wieder auf.