Warum der Arbeitsmarkt im Bezirk Liezen steiermarkweit vorne liegt
AMS-Geschäftsstellenleiterin Brigitte Wasmer über die Arbeitslosenzahlen im Bezirk, die Hintergründe und aktuelle Entwicklungen am regionalen Arbeitsmarkt.
Während die Arbeitslosigkeit bundes- und landesweit erneut gestiegen ist, zeigt sich im Bezirk Liezen ein ganz anderes Bild. „Seit Jänner haben wir jeden Monat einen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet“, sagt Brigitte Wasmer, Geschäftsstellenleiterin des Arbeitsmarktservice (AMS) Liezen, zufrieden.
Ende August waren in der Region 1296 Menschen arbeitssuchend gemeldet. Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,7 Prozent, das sind 2,3 Prozent weniger als im August 2025. „Im Vergleich zur restlichen Steiermark schlägt sich Liezen richtig gut“, sagt Wasmer und weist auf eine Auswertung der durchschnittlichen Arbeitslosenquote der Monate Jänner bis Juni hin. „Wir haben den größten Rückgang mit 3,1 Prozent.“
Bezirk breit aufgestellt
Warum das so ist, lässt sich laut Wasmer leicht erklären: Mit den Tourismusregionen im oberen Ennstal und dem Ausseerland sowie dem industrie- und handelslastigen Liezen sei der Bezirk breit aufgestellt. „Wenn eine Branche schwächelt, wird es von einer anderen aufgefangen“, so die AMS-Geschäftsstellenleiterin.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei aktuell „so groß, dass wir sie gar nicht bedienen können“. Zwar kommen auf 1035 offene Stellen 1296 Arbeitslose, bereinigt um gesundheitlich Eingeschränkte und Personen außerhalb des Haupterwerbsalters, bleiben laut Wasmer jedoch nur 160 Personen übrig. Besonders dringend gesucht werden handwerkliche Fachkräfte, darunter Maurer, Elektriker oder Köche.
Mehr Langzeitarbeitslose
Der allgemein positiven Entwicklung steht allerdings eine Zunahme der Langzeitarbeitslosenquote gegenüber. Sie wuchs um 16,51 Prozent auf 247 Personen an. „Der Großteil dieser Menschen liegt aber nicht einfach faul auf der Haut. Sie wollen grundsätzlich arbeiten, haben nur oft mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen“, betont Wasmer.

Auch die Zahl der Arbeitslosen mit anerkannter Behinderung sei gegenüber dem August 2025 mit einem Plus von 37,4 Prozent „signifikant“ angestiegen. „Es gibt zwar Förderungen und Eingliederungshilfen, viele Betriebe scheuen sich aber leider davor Menschen mit Behinderung anzustellen", so die AMS-Leiterin.
Wie jedes Jahr wird auch heuer mit dem Ende der Baustellensaison und des Sommertourismus ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen erwartet. Wasmer blickt aber optimistisch in die Zukunft. „Man weiß nie was passiert, ich gehe aber davon aus, dass der Bezirk das nächste halbe bis Dreivierteljahr stabil bleibt.“
Ein Blick auf die weiteren Zahlen
Ein Rückgang der Arbeitslosigkeit konnte bei Personen im Haupterwerbsalter zwischen 25 und 49 Jahren (24 Personen oder 3,4 Prozent weniger), bei den Ausländerinnen und Ausländern (24 Personen oder 6,8 Prozent weniger) und bei jungen Personen unter 25 Jahren (19 Personen oder 11,6 Prozent weniger) verzeichnet werden.
Eine leichte Steigerung der Arbeitslosenquote ist hingegen bei Personen über 50 Jahren (13 Personen oder 2,9 Prozent mehr), sowie bei Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen (17 Personen oder 3,9 Prozent mehr) zu verzeichnen.
Positive Bilanz
Seit 2024 steht die 51-Jährige an der Spitze der Liezener Geschäftsstelle, davor hatte sie neun Jahre die Stellvertretung inne. Begonnen hat ihre Karriere aber schon im Jahr 1991 als Lehrling, über die Jahre hat sie sich hochgearbeitet. Ihre Bilanz nach zwei Jahren im Amt fällt positiv aus.
Der Übergang von der Stellvertreterin zur Leiterin sei durchaus herausfordernd gewesen, mittlerweile habe sie sich aber gut in ihre neuen Aufgaben eingefunden. „Man trägt viel Verantwortung und muss die Interessen der Mitarbeiter, Arbeitssuchenden und der Wirtschaft in Einklang bringen“, so Wasmer.