Testlauf am LKH: Keine Röntgenbilder mehr von A nach B tragen
Ab 2029 sollen medizinische Bilder auf digitalem Weg von Praxis zu Praxis finden. Davon erhofft man sich Effizienz, Sicherheit und weniger Fehleranfälligkeit.
Viele waren schon einmal in der Situation, viele empfinden es als lästig: medizinische Bilder, etwa Röntgen oder MRT, von einer zur anderen Arztpraxis zu tragen. Das soll sich ändern. Die IHE Austria (Verein zur Integration von IT- und Medizintechnik im Gesundheitswesen) präsentiert beim „Elga-Projectathon 2026“ ein System, das digitale Datentransfers von Spitälern und Ärzten erlaubt. Ab 2029 soll es europaweit eine digitale Patientenkurzakte geben und Labor- und Radiologiebefunde digital übertragen werden können. Heißt also auch: Wenn ich in einem anderen Land der EU stürze oder erkranke, kann der behandelnde Arzt anhand der digitalen Patientenkurzakte die Behandlung individuell anpassen.

Der „Projectathon“ ist die zweite Veranstaltung dieser Art österreichweit. Zwischen 15. und 17. September testeten am Universitätsklinikum Graz unterschiedliche Firmen den Austausch von Elga-E-Befunden und Bilddaten. Besonders wichtig war dabei die sogenannte „Interoperabilität“: Trotz unterschiedlicher Software-Systeme der jeweiligen Praxen oder Spitäler sollen Befunde flächendeckend übertragen werden können.
„Gesundheitssystem aus guten Gründen komplex“
Alexander Degelsegger vom Gesundheitsministerium (BMASGPK) nennt die Steiermark einen wichtigen Impulsgeber bei gesundheitlichen Innovationen und sagt: „Das Gesundheitssystem ist aus guten Gründen nicht unkomplex.“ Die Technik hinter diesem flächendeckenden Datenaustausch-System ist kompliziert. Schließlich geht es um sensible Daten, die in unterschiedliche Software-Systeme der jeweiligen Praxen oder Krankenhäuser übertragen werden müssen.

Ulf Drabek von der Kages nennt ein weiteres praktisches Beispiel: Wenn eine Person bei der Hausärztin ist und einen Endoskopietermin angeordnet bekommt, geht das momentan über ein Textdokument zur Kages, die manuell einen Termin heraussucht und an die Hausärztin zurückgibt. „Das ist vielleicht nicht ganz effizient“, gesteht Drabeg ein. Deshalb ist die Erwartung an das neue System hoch: Die Daten sollten strukturiert und automatisiert verarbeitet werden. Drabeg erhofft sich dadurch Bürokratieabbau, mehr Effizienz und weniger Fehleranfälligkeit bei der Datenverarbeitung.
Sicherheit der Daten sei technisch abgesichert
Sicherheitsbedenken bezüglich Datenschutz weist IHE-Vorstandsmitglied Alexander Schanner zurück. Nur Berechtigte mit direktem Patientenkontakt hätten Zugriff auf die Daten. Emmanuel Helm von der Elga GmbH verweist zudem auf die europäische Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die einschränkt, was mit den Daten passiert. Die Sicherheit sei jedenfalls technisch abgesichert. Degelsegger ergänzt, dass Patientinnen und Patienten frei entscheiden können, ob sie eine elektronische Datenübertragung wünschen oder nicht.
Karlheinz Kornhäusl ist stolz darauf, dieses Projekt als steirischer Gesundheitslandesrat präsentieren zu dürfen: „Digitalisierung soll nicht dem Selbstzweck dienen, schon gar nicht, wenn es um Gesundheit geht.“ Sie solle aber sehr wohl eingesetzt werden, um Patientinnen und Patienten zu helfen.