Zeit der Zurufe soll vorbei sein
ÖFB-Aufsichtsrats-Chef Josef Pröll sucht einen neuen Sportdirektor.

Immer wieder ließ ÖFB-Aufsichtsrat-Boss Josef Pröll durchklingen, wie Leid es ihm um die Personalie Peter Schöttel tue. Ende vergangener Woche habe man sich dazu entschieden, den Sportdirektor des österreichischen Fußballbundes zu entlassen. „Es war nicht die feine englische Art, dass es tagsdavor schon das Licht der Welt erblickt hat“, sagte Pröll über das Nachaußendringen der Meldung. „Es hat sich zwar schon vieles im ÖFB zum Besseren gewandt, da müssen wir in Zukunft aber noch nachschärfen.“
Man habe sich nicht aus persönlichen Gründen von Schöttel getrennt. Ganz im Gegenteil. Pröll: „Peter Schöttel hat in empathischer Manier die Abteilungen autochthon führen lassen und wurde menschlich positiv bewertet, wie ich es nur selten erlebt habe.“ Neun Jahre lang war der Wiener am Werk. „Ich habe gehört, dass Schöttel damals sehr rasch ins Amt geholt wurde“, sagte Pröll, der auch von Netzwerken gesprochen hat, die hier wohl eine Rolle gespielt haben sollen. Das soll es künftig im ÖFB nicht mehr geben. Wer Schöttel als Sportdirektor nachfolgt, ist unklar. Man möchte sich noch bis Jahresende entschieden haben. Schnellschuss wird es keinen geben, das stellte Pröll klar. „Die beiden Geschäftsführer des ÖFB arbeiten ein Anforderungsprofil aus. Ich überlege auch, einen externen Headhunter mit an Bord zu holen. Ich halte nichts mehr von Netzwerken oder Zurufen, wer etwas verdient hätte und wer nicht. In dieser Position brauchen wir ein klares Profil. Das ist eine Arbeit, die wir uns antun wollen, das wird Zeit brauchen“, sagte der 58-Jährige, der einen proaktiven Sportdirektor fordert. Man wolle endlich anhand von klaren Konzepten eine Person für diese so wichtige Position finden. Denn: Der Sportdirektor, oder die Sportdirektorin, „soll eine Persönlichkeit sein, die fachlich und menschlich überzeugend den Schnittpunkt zwischen Breitenfußball, den Landesverbänden, der österreichischen Bundesliga und den Nationalteams – sowohl Männer als auch Frauen – bildet. Als Sportdirektor muss man proaktiv diese wichtige Scharnierfunktion des österreichischen Fußballs wahrnehmen.“ Die Nationalität soll hierbei keine Rolle spielen, ein gewisses Insiderwissen im österreichischen Fußball hingegen schon.
Rückblickend auf die WM zog Pröll wirtschaftlich eine positive Bilanz. Am Ende würde der ÖFB einen niedrigen, siebenstelligen Betrag als Gewinn auf der Habenseite vorweisen können. Auch der neue ÖFB-Campus sei – trotz schlimmer Befürchtungen vieler, es würde sich um ein Millionengrab handeln – bereits ein voller Erfolg. Im ersten Jahr würde dieser nämlich rund eine Million Euro Gewinn ausspucken.