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Kika/Leiner: Untersuchungshaft über Ex-Chef Hermann W. verlängert

U-Haft gilt laut Medienberichten bis 14. Oktober. Staatsanwaltschaft wirft dem Kurzzeitchef des pleitegegangenen Möbelhauses Betrug vor, W. bestreitet Vorwürfe.

Der einst größte Möbelkonzern Österreichs schloss Anfang 2025 nach längerer Talfahrt seine letzten Filialen
© APA / Helmut Fohringer
Der einst größte Möbelkonzern Österreichs schloss Anfang 2025 nach längerer Talfahrt seine letzten Filialen

Das Straflandesgericht Wien hat die U-Haft über den Ex-Kika/Leiner-Chef Hermann W. verlängert. Die Entscheidung sei rechtskräftig und gelte vorläufig bis 14. Oktober, berichtet der „Standard“ am Montag unter Berufung auf eine Gerichtssprecherin. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wirft W. unter anderem vor, die Notlage von Hochwasseropfern im Jahr 2024 bei einer Rabattaktion ausgenutzt zu haben. Es soll Tausende Geschädigte geben.

Unwetter-Nachlass für Kunden

Zur Vorgeschichte: Vor etwa zwei Jahren sorgte das Sturmtief „Boris“ für Schäden von über einer Milliarde Euro. Kika/Leiner bot damals unter Geschäftsführer W. einen Unwetter-Nachlass für Kundinnen und Kunden von 20 Prozent an – laut WKStA zu einem Zeitpunkt, als es dem Einrichtungshaus schon an liquiden Mitteln mangelte. Viele Kunden hätten daraufhin in gutem Glauben neue Möbel angezahlt, aber keine Einrichtungsgegenstände erhalten – und auch keine Rückzahlung ihrer Anzahlungen. Laut Staatsanwaltschaft sind zumindest 4700 Kundinnen und Kunden betroffen, die Schadensumme liege bei mindestens 15 Millionen Euro.

Kika/Leiner seit Anfang 2025 Geschichte

Die ehemals größte Möbelkette Österreichs schloss Anfang 2025 nach längerer Talfahrt ihre letzten Filialen. Zuvor hatte die mittlerweile pleitegegangene Signa des aktuell ebenso in U-Haft sitzenden Rene Benko, die Kika/Leiner-Immobilien 2023 an den Grazer Immobilienentwickler Supernova verkauft, und das operative Möbelgeschäft an Hermann W. abgegeben.

Kurz darauf meldete das Unternehmen zum ersten Mal Insolvenz an. Nach der zweiten Insolvenz im November 2024 konnte das Management weder frische finanzielle Mittel noch einen Investor auftreiben, es folgte der Konkurs.

Zudem hegen die Ermittler den Verdacht, dass der ehemalige Kika/Leiner-Manager kurz vor der Insolvenzeröffnung gezielt Vermögen der Möbelkette beiseitegeschafft habe, um die Befriedigung der zahlreichen Gläubiger im Insolvenzverfahren zu vereiteln oder zu schmälern. Er soll Zahlungen für Rechnungen ohne adäquate Gegenleistungen freigegeben und so insgesamt 1,1 Millionen Euro abgezogen haben, so der Vorwurf.

Hermann W. bestreitet die Vorwürfe

Hermann W.s Anwalt hatte alle Vorwürfe unlängst bestritten und Freilassung seines Mandanten gefordert. Er werde „alles tun, um den strafrechtlichen Vorwurf zu widerlegen“, sagte er zum „Standard“. Sein Mandant sei ein „Herzblutsanierer“, der „bis zur letzten Millisekunde für sein Unternehmen gekämpft habe“. W. habe das Unternehmen nicht allein geführt, sondern, wie üblich, Berater und Wirtschaftsprüfer eingebunden. Ein fix zugesagter Investor sei unerwartet und quasi „in letzter Sekunde“ abgesprungen, so der Rechtsvertreter laut Zeitung. Für W., der Ende August wegen Betrugsverdachts festgenommen wurde, gilt die Unschuldsvermutung.